VORSICHT: Nichts als Scharlatanerie!

Das Buch „Geographische Namen im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation“ kostet zwar 149,80 Euro, ist aber nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt ist.

Von Dr. Christof Spannhoff

„Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“, heißt ein bekanntes Sprichwort, dessen Richtigkeit sich wieder einmal in einer jüngst erschienenen Publikation gezeigt hat. Mit „Geographische Namen im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation“ legen Siegfried G. Schoppe, Christian M. Schoppe und Stephan A. Schoppe ein Machwerk vor, das auf 622 Seiten eine krude Überzeugung verfolgt.[1] Diese gestaltet sich nach bekanntem Muster: Die drei Autoren sprechen den seit Jacob Grimm (1785–1863) entwickelten wissenschaftlichen Methoden der Namenkunde sämtliche Daseinsberechtigung ab, da sie vermeinen, den einzigen richtigen Weg gefunden zu haben, um alle Ortsnamen im Bereich des Alten Reiches erklären zu können. Daraus ergibt sich dann zwangsläufig, dass alle bisher vorgelegten Namenerklärungen anderer Forscher als falsch angesehen werden müssten, denn diese verfingen sich „schriftgläubig“ in Fallstricken. Die Autoren selbst seien hingegen „ergebnisoffen“ (S. 24f.). Eine solche Meinung öffentlich zu vertreten, zeugt schon von ausgeprägtem Narzissmus oder anders ausgedrückt: von großer Dummheit – vor allem, wenn das vorgelegte Ergebnis in keiner Weise das halten kann, was es verspricht.

Dabei will das Schoppe-Opus durchaus einen wissenschaftlichen Anstrich vorgaukeln: Es stellt Band 254 der Reihe „PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse“ des Verlages Dr. Kovač, Hamburg, dar, der sich selbst als „Fachverlag für wissenschaftliche Literatur“ bezeichnet. Ein fachliches Lektorat durch den Verlag scheint hier allerdings nicht erfolgt zu sein, wie auch einige Schreib- und Formatierungsfehler (z.B. S. 48, 600, 609) sowie das Fehlen eines ganzen Abschnitts zeigen (S. 618). Die hier angekündigte „unfreiwillige Komik“ bleiben die Verfasser schuldig.

Doch zunächst zu den drei Autoren selbst, die allesamt sprachwissenschaftliche und historische Laien sind, obwohl sie sich durchaus mit akademischen Titeln schmücken. Vater Siegfried G. Schoppe, ein studierter Wirtschaftswissenschaftler, war bis 2009 Professor an der Universität Hamburg. Seine Söhne und Mitautoren sind der Jurist Dr. Stephan A. Schoppe und der – zwar unbetitelte, aber ebenfalls mit Eindruck machender Mittelinitiale versehene – Steuerberater Christian M. Schoppe. Die Schoppes sind in der historischen Fachwelt bereits berühmt-berüchtigt, weil sie quasi im Vorbeigehen die großen Rätsel der Geschichte lösen: Sie meinen, den Ort der Varus-Schlacht gefunden oder das sagenumwobene Atlantis lokalisiert zu haben – um nur zwei prägnante Beispiele zu nennen.[2] Dabei fällt schon bei diesen beiden Abhandlungen auf, dass hier vielfach mit dilettantischen Ortsnamenherleitungen gearbeitet wird, um zum angeblichen Ziel zu gelangen. Auch darüber hinaus lässt die Methodik des Autoren-Trios sehr zu wünschen übrig, wie eine Rezension des Althistorikers Peter Kracht schonungslos dargelegt hat (Peter Kracht, Gemetzel an der Scherzgrenze). Vater Schoppe entblödete sich aber trotzdem nicht, der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel 2007 einen offenen Brief zu senden, in dem er – auf Grundlage seiner wenig belastbaren „Forschungen“ – die Einstellung der Vorbereitungen der Feierlichkeiten zum 2000. Jahrestag der Varusschlacht 2009 verlangte. Merkel war die Schirmherrin für das länderübergreifende Ausstellungsvorhaben „Imperium – Konflikt – Mythos“. Rund 13 Millionen Euro kostete das Projekt in Kalkriese, Detmold und Haltern. Schoppe forderte die Kanzlerin auf, dem „Treiben Einhalt zu gebieten“ (Kalkriese-Kritik: Thesen, Antithesen und die Kanzlerin).

Diese Schoppes machen sich nun also auch über die Toponyme im Gebiet des Alten Reiches her. Sie behaupten, eine Kernsilben-Methode (KS) entwickelt zu haben, mit deren Hilfe sie 40.000 geographische Namen erklären können. Die „historische Methode der Urkundenforschung“ (S. 9) komme zu falschen Ergebnissen, weil zum einen die Schriftlichkeit nicht weit genug in die Vergangenheit zurückreiche, zum anderen die mittelalterlichen Urkunden z.T. Fälschungen seien, Abschriften-Mängel und krampfhafte Latinisierungen aufwiesen sowie zum Dritten falsche Formen bis zum heutigen Tag konserviert hätten. Schon anhand dieser platten Populär-Weisheiten wird dem historischen Sprachwissenschaftler klar, dass die Autoren allenfalls an der Oberfläche ernstzunehmenden sprachhistorischen Philologenhandwerks gekratzt haben.

Die Schoppes vertreten ferner die These, dass der Entstehungszeitpunkt des Großteils der betrachteten Ortsnamen bereits in die Steinzeit zurückreiche. Hier zeigt sich, dass sie auch in archäologischer Hinsicht großen Nachholbedarf haben. Wenn sie die Megalithgrab-Kultur als Beweis für das Alter der mit diesen in Verbindung stehenden Ortsnamen anführen, dann wissen sie nicht, dass man sehr gut daran tut, zwischen Platz- und Siedlungskontinuität zu unterscheiden. Die archäologische Forschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass mit ständigen Siedlungsabbrüchen, Siedlungsverlegungen und Neu- bzw. Wiederbesiedlung der ehemals aufgegebenen Siedlungsplätze zu rechnen ist. Solche Vorgänge überstehen Ortsnamen allerdings in der Regel nicht, wie die schon zahlreichen Wüstungsnamen in historischer Zeit lehren. Nun gibt es durchaus hochaltertümliche geographische Namen. Dabei handelt es sich vor allem um diejenigen größerer Gewässer. Dass diese Namen auch durch die schriftlosen Jahrhunderte erhalten geblieben sind und Siedlungsbewegungen überstanden haben, hängt also zum einen mit ihrer überregionalen Bedeutung zusammen, zum anderen mit ihrer stabilitas loci. Denn ein Fluss verlegt sein Bett nur in einem bestimmten Korridor. Bei Siedlungsnamen, die von wandernden Bevölkerungsgruppen vergeben werden, sieht das ganz anders aus!

Nachdem die Autoren nun also die „historische Methode“ mit wenigen Sätzen weggeschwatz haben, was einzig dazu dient, sich recht einfach der mühevollen und zeitraubenden Quellenarbeit sowie des wissenschaftlich präzisen Arbeitens zu entledigen, wenden sie sich ihrer „etymologischen Methode“ mit der Identifizierung von mutmaßlichen Kernsilben (KS) zu, die angeblich komparatistisch-statistisch ermittelt worden seien. Was dann allerdings folgt, ist ein sprachwissenschaftliches Desaster namens „Forschungsstand und Forschungsansatz“, das den Untersuchungen der vergleichenden Sprachwissenschaft sowie jeglicher Beschreibung spottet. Jedem Indogermanisten werden hier die Haare zu Berge stehen, ob dieses himmelschreienden Unfugs. Kaum eine indogermanische Basis, die hier Erwähnung findet, ist korrekt wiedergegeben. Aber auch der normale deutsche Muttersprachler dürfte überrascht sein: Denn die Schoppes behaupten doch allen Ernstes, die Namenwörter Berg und Burg meinten eigentlich Bach: „Berg kommt wie Burg von > Broc (engl. Brook = Bach); siehe Kluge, Etymologisches Wörterbuch, S. 103“ (S. 83). Das steht in dieser Form allerdings nicht im „Kluge“, sondern lediglich, dass Berg und Burg sprachlich verwandt sind, was auch nicht zu bestreiten ist. Dass es sich allerdings um Metathese zu Broc handelt, ist eine Erfindung der Schoppes.    

Es schließt sich dann eine lange Liste von Ortsnamen an, die an beliebig gewonnene KS angeschlossen werden. Wenn die Autoren glauben, dass in dieser Weise methodische vergleichende Sprachforschung funktioniert, dann sind sie gewaltig auf dem Holzweg. Es seien ein paar nur schwer verdauliche Kostproben gegeben. Zum Ortsnamen Hörstel (Kreis Steinfurt) wird ausgeführt: „aus den ältesten urkundl. Schreibweisen ergibt sich eindeutig Horst- und -lo(o) für Bruchwald und Moor (Loo-se, Speller Dose), wie in 48683 Hörste-loe/Ahaus; also Bruch-torf. Die Endung -lo als loh (kelt. Gehölz) zu deuten, wie es Korsmeier tut, geht fehl; denn es gibt in der Region keine -lohe-/-lohen-ON; wohl aber z.B. zahlreiche Hausnamen Loose sowie ON Loose, 49545 Tecklenburg; in Hörstel-West finden sich die FN: Braune Mörken, Fern-rodder Bach, Torfmoor-see sowie Torflöcher im Galgenkamp, Hörsteler Feld; allesamt klare Moor-Hinweise“ (S. 231). Das ist schon viel Text im Vergleich mit den anderen Eintragungen in dem Buch, aber eine Erklärung ist diese assoziative, pseudointellektuelle Zusammenstellung in keiner Weise. Zudem widersprechen sich die Autoren hier selbst, denn sie greifen ja doch auf die ach so unzuverlässige schriftliche Überlieferung zurück, um das Element -lo im Ortsnamen Hörstel überhaupt fassen zu können, das ja in der heutigen Lautgestalt gar nicht mehr zu erkennen ist. An diesem argumentativen Wirrwarr wird deutlich, wes Geistes Kind das Schoppe-Trio ist. Hier lassen die krude Urlaut-Theorie Emil Brandstätters oder die fadenscheinige Methodik Hans Bahlows grüßen, die in der wissenschaftlichen Namenkunde bereits berühmt-berüchtigt sind (was die Autoren anscheinend nicht wissen). Letzterer erscheint sogar im Literaturverzeichnis der Schoppes und er wird auch im Text mehrfach als spiritus rector genannt. Das Buch ist also gar nicht so innovativ, wie die Autoren vorgeben.

Das hier Gesagte belegen zudem die Ausführungen zum Namen Tecklenburg, dessen Behandlung ebenfalls die fragwürdige Vorgehensweise entlarvt: „Tecklen-burg wie Teck-ling-hausen: früher im Ort mit Zeichenburg gedeutet; später von Bahlow mit idg. *tek für Schmutzwasser bzw. einen Fluss Tekene in Verbindung gebracht – entsprechend Teck und Tecknau; vgl. auch Theiken-meer: Torfmoor-See am Hümmling (kein Zeichen- oder Zeugenmeer) und Teckentrup, Tek-lenburg/Lemwerder und Tek-lote/Bochholt. Der Kalkberg, auf dem heute die mittelalterliche Burg-ruine liegt, wurde lange vorher in prähist. Zeit wegen seiner nassen Umgebung benamt (siehe dort die Moore: Loose, Sundern und Brochterbeck rundum – wie fast alle Berge im heutigen deutschen Sprachraum seit grauer Vorzeit (Harz, Westerwald, Wasgenwald, Rhön, Rheinhardswald). Die älteste Schreibweise im 12. Jh. mit D statt mit T: Degene-borch verrät den wahren ON-Sinn: -borch von KS *b(o)r ist nicht Burg, sondern Bruch; gemeint war also das Umland des Kalkfelsens, nicht der steil aufragende Felsen als solcher; Deng-ene- geht wie Deng-larn, Deggen-/Dengen-dorf auf die KS *ng = Sumpf zurück, hier vokalisiert mit e- als -eng(en) entsprechend -angen, -ingen, -ongen, -ungen; idg. *teng = gr. τεγγω, lat. tengo, dt. tunken: benässen, weichmachen (Sumpf); siehe > Teckling-hausen am Feldberg/Biggesee. Tecklen-burg, -bruch bedeutet also einfach Lage in einer sumpfigen Niederung der Münsterschen Bucht, umgeben von Bruch und Auwald der abfließenden Bäche, insbesondere der Ibbenbürener Aa vom Habichtswald (siehe dort) in Richtung NW und die Floethe von Brochter-beck (sic!) nach Westen; siehe Teklen-burg, = bruch/Lemwerder und > Tek-lote, =moor/Bochholt. Die Deutung über Ziegen/Zicken durch Korsmeier und Spannhoff ist völlig inakzeptabel; ON nach Nutztieren gibt es nicht; auch die frühere Übersetzung durch die Heimatforschung mit Zeichenburg (Tekene-borg) ist inakzeptabel. Alternativ käme noch in Frage: gr. τεκμαιρειν: bezeugen, bestimmen, anordnen: eine Thingstätte, von der es aber keine Überlieferung gibt, so dass auch das unwahrscheinlich ist“ (S. 480f.). Gleiches wird dann auf S. 614 in Kurzform wiederholt.

Ganz durchsichtig wird der Unfug bei der Deutung des Namens Dorfbauerschaft, den es in vielen westfälischen Orten gibt. Zum einen führen die Schoppes Dorf auf ihre KS *dr zurück, die Sumpf bedeute. Bauerschaft gehöre zu einer KS *b()r mit der Bedeutung Bruch, Auwald (S. 77, 134, 580, 602f.). Allerdings entsteht die Organisationsform der Bauerschaft in Nordwestdeutschland erst im Hochmittelalter, die spezielle Ausprägung der Dorfbauerschaft nachweislich sogar erst in der Frühen Neuzeit! Wer diese, dem Systemzwang geschuldeten Ausführungen also für bare Münze nimmt, dem ist nicht mehr zu helfen!

An die Namenliste schließt sich ein – für das doch sehr ambitionierte Vorhaben der Deutung von 40.000 Namen – recht spärliches Literaturverzeichnis von gerade einmal sieben Seiten an, das zudem durch nicht existente Titel aufgebläht wird. So zitieren die Schoppes einen Titel Jürgen Udolphs mit „Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe. Onomastik im europäischen Raum“ (Münster 2013ff.). Nur ist das keine eigenständige Publikation oder Reihe, sondern der Name eines Forschungsprojektes. Hier scheint die völlige Ahnungslosigkeit und das fehlende wissenschaftliche Handwerkszeug der Autoren deutlich auf. Fußnoten oder Anmerkungsapparat fehlen selbstverständlich gänzlich, weil ein genaues Nachweisen viel Arbeit ist. Diese wollten sich die Autoren anscheinend nicht machen. So muss der Leser denn vielfach raten, in welchem Titel der Literaturliste er denn diesen oder jenen Sachverhalt finden könnte.

Den Abschluss bildet die sogenannte Fallstudie „Orts- und Flurnamen des Landkreises Steinfurt“, die aber vielmehr eine Abrechnung darstellt mit dem Band „Die Ortsnamen des Kreises Steinfurt“ (Westfälischen Ortsnamenbuch 13) von Claudia Maria Korsmeier, der 2020 erschienen ist. Die Schoppes haben hier persönliche Bezüge, denn Vater Schoppe stammt gebürtig aus Hörstel im Kreis Steinfurt. Das Persönliche zeigt sich auch an der starken Zunahme der Polemik in diesem Kapitel. Die Argumentation bleibt allerdings windig und unseriös wie zuvor.

Wenn im gesamten Buch einmal etwas annähernd Richtiges getroffen wurde, was sehr selten vorkommt, so ist dies reiner Zufall und keinesfalls auf die Zuverlässigkeit der Methodik zurückzuführen. Das Buch ist vollkommen unbrauchbar und eine Verschwendung zeitlicher und materieller Ressourcen. Die Autoren haben viel ihrer Lebenszeit vergeudet! Es bleibt noch einmal zu wiederholen: Das Buch ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde!

Und doch hat es weitere Ableger generiert. Der Unfug der Kernsilben-Theorie wird auch angewandt in:

– Siegfried G. Schoppe, Hamburger Straßen-, Brücken- und Flurnamen – grundlegend neu erklärt, Hamburg 2022 (PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse 257)

– Siegfried G. Schoppe, Orts-, Flur- und Straßennamen im Kreis Steinfurt, Hamburg 2022 (PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse 258)

– Siegfried G. Schoppe, Bremer und Bremerhavener Straßen- und Flurnamen, Hamburg 2022 (PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse 260).  

Das wirft sowohl ein schlechtes Licht auf den Verlag als auch auf die Universität Hamburg, deren Emeritus Siegfried G. Schoppe ist.    

Vgl. auch die Rezension von Harald Bichlmeier.

Ein Wort in eigener Sache: Orts-, Flur- und Straßennamen im Kreis Steinfurt

Noch schlimmer als im oben beschriebenen Buch geht es in dem Ableger-Band zu den Orts-, Flur- und Straßennamen im Kreis Steinfurt zu (169 Seiten für stolze 76,80 Euro), den Siegfried G. Schoppe allein verantwortet.[3] Möglicherweise wollten seine Söhne die offen geäußerte Polemik nicht mittragen. Hier nun zeigt sich, dass es dem Autor auch um eine Abrechnung mit denjenigen geht, die seiner Meinung über den historischen Hintergrund der Reinhildis-Legende in Riesenbeck widersprechen. Zu diesem Thema hatte sich Schoppe 2018 in der ihm eigenen unwissenschaftlicher Manier – es gibt wieder einmal keinerlei Fußnoten, die die Grundlagen seiner Behauptungen präzise nachwiesen – ebenfalls in einem Buch geäußert.[4] Diesen Gegnern – zwölf an der Zahl – widmet er in süffisanter Weise sein Machwerk über die Steinfurter Toponyme. Und seine Schrift stellt natürlich eine recht unbeholfene Entgegnung zu Claudia Maria Korsmeiers Buch „Die Ortsnamen des Kreises Steinfurt“ dar, das 2020 erschienen ist:[5] „Dieses Buch wurde provoziert durch den gescheiterten Versuch von Claudia Maria Korsmeier (CMK), die Ortsnamen des Kreises Steinfurt zu erklären […]; dort sind durchweg mit wenigen Zufallstreffern sämtliche Namen falsch gedeutet, so dass es hier dringend einer Korrektur bedarf“ (S. 8). Und weiter: „Die Lehre aus dem Versagen der ON-Deutungen […] kann sein, dass Germanisten und Archivare bzw. Urkundenforscher nur neue Namen seit dem Mittelalter deuten sollten, aber auf keinen Fall frühere Namen, weil ihnen dazu die Kompetenz fehlt; insbesondere fehlen ihnen auch jegliche Erfahrungen in Boden- und Gewässerkunde. […] Die Urlandschaft der Norddeutschen Tiefebene einschließlich der Münsterschen Bucht ist aber nun einmal von Marsch, Moor, Morast und Nassheide geprägt und nicht von Bergen, Höhen, Tälern und Wäldern, wie es die deutschen Mittelgebirge sind; dementsprechend enthalten die F[lur]N[amen] und infolgedessen auch die O[rts]N[amen] hauptsächlich Wasser- bzw. Gewässer-Morpheme aus prähistorischen Sprachschichten, die nicht überliefert und daher nicht bekannt sind; mit Urkunden und alt-deutschen Sprachen, die nur das letzte Jahrtausend erfassen, lassen sich nur neue ON erklären, die im M[ittel]A[lter] entstanden sind und die häufig Morpheme wie rod-e, leb-en und mühl-en enthalten“ (S. 9). Das ist schon ein starkes Stück! Solche Aussagen schreien danach, belegt zu werden. Aber das kann Schoppe natürlich nicht leisten.

Er ist sich ferner nicht zu schade, wissentlich falsche Anschuldigungen in die Welt zu setzen. So behauptet er etwa, Verfasser dieser Rezension habe für den Rufnamen Ubbo statt Ibbo im Ortsnamen Ibbenbüren plädiert (S. 9, polemisch zugespitzt wiederholt S. 135). Das habe ich aber nachweislich nie getan, sondern mich stets gegen den legendären Ub(b)o und immer für einen Rufnamen Ibbo ausgesprochen! Diese Anschuldigung ist also schlicht und einfach erlogen! Das lässt schon tief blicken und entlarvt die Vorgehensweise Schoppes. Solche Verleumdungen finden sich nämlich häufiger. So ist anlässlich der Straßennamen Aant-pool, -straße, die Schoppe zu einem angeblichen „*(aa) nt = Sumpf-, Moorwasser“ und „*p (oo) l = Trübwasser, Pfuhl, engl. pool“ stellt, zu lesen: „Heimatforscher wie Spannhoff sehen hier in Ibbenbüren einen Ententeich und erkennen nicht, dass es sich um einen viel älteren Namen handelt, als dass er mit seiner plattdeutschen Heimatsprache erklärt werden könnte; überdiese [!] eignen sich Tiere und Pflanzen überhaupt nicht für die Benennung von Gewässern.“ (S. 11). Ich habe mich allerdings noch nie zum durchsichtigen Gewässernamen Aantpohl geäußert, obwohl ich ihn selbstredend zu mittelniederdeutsch ânt, âned, ênde ‚Ente‘ stellen würde! Generell möchte mich Schoppe zum Heimatforscher abqualifizieren, obwohl ich – ganz im Gegensatz zu ihm – das Fach studiert habe, in dem er hier herumdilletiert. Auch die Sprachwissenschaftlerin Claudia Maria Korsmeier wird kurzerhand zur „Heimatforscherin“ gemacht (S. 18), die zudem auch noch wenig ortskundig sei (S. 155). Seine Diffamierungen gipfeln darin, dass er einige der ohnehin wenigen (zehn!) Titel in seinem Literaturverzeichnis absichtlich verfälscht, was daran zu erkennen ist, dass er teilweise seine Zusätze kursiv setzt. Das ist einfach nur affig! Vor allem vor dem Hintergrund, dass er selbst nicht den leisesten Schimmer davon hat, worüber er schreibt – wunderschön offenbart in seiner Aussage: „Der hier verwendete Buchstabe F sollte kein unüberwindliches Rätsel sein; er steht für das Kollektiv b/b, f/f, p/p, pf, v, w; am ndd. Wort Dübel, Düvel im Kontrast zum oberdeutschen Wort Teufel läßt sich schön zeigen, dass die Buchstaben austauschbar sind; und auch d mit t“ (S. 10). Schoppe meint nicht Buchstaben, sondern Laute. Und auch die Althochdeutsche Lautverschiebung ist ihm anscheinend noch nie begegnet. Das passiert Laien, wie Schoppe einer ist, sehr gern. Über das Laienhafte seines Vorgehens versucht er hingegen hinwegzutäuschen, indem er ganz ungeniert seine akademischen Titel missbraucht und Kompetenzen vorgaukelt, die er einfach nicht besitzt (S. 10).

Ein Zitat der österreichischen Psychiaterin Heidi Kastner bringt es auf den Punkt: „Die Dummheit hat aufgehört, sich zu schämen“!  


[1] Siegfried G. Schoppe; Christian M. Schoppe u. Stephan A. Schoppe, Geographische Namen im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation, Hamburg 2021 (PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse 254).

[2] Dies., Varusschlacht. arminius-varusschlacht.de, Norderstedt 2007; Christian M. Schoppe, Siegfried G. Schoppe, Atlantis und die Sintflut. Die erste Hochkultur versank 5510 vor Christus im Schwarzen Meer, Norderstedt 2004.

[3] Siegfried G. Schoppe, Orts-, Flur- und Straßennamen im Kreis Steinfurt, Hamburg 2022 (PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse 258).

[4] Ders., Sächsisches Land- und römisches Zivilrecht im Konflikt bei kirchlichen Vermögenszuwendungen im Mittelalter. Der Fall der westfälischen „Alleinerbin Reinheldis“, Hamburg 2018. Dazu kurz und knapp Gerd Althoff, Reinhildis. Eine Heilige im Spiegel zeitgenössischer und späterer Quellen, in: Reinhildis, Miterbin Christi, hrsg. v. Heimatverein Riesenbeck e.V., 1. Aufl., Riesenbeck 2020, S. 14–23.

[5] Claudia Maria Korsmeier, Die Ortsnamen des Kreises Steinfurt, Bielefeld 2020 (Westfälisches Ortsnamenbuch 13).