Eine Autopsie im Jahr 1724 an einem Ladberger Leichenfund

Einen medizinhistorisch interessanten Zufallsfund stellt die Autopsie der Trineke Krusenklaus aus Ladbergen aus dem Jahr 1724 dar

Von Dr. Christof Spannhoff

Am frühen Morgen des 15. Februars 1724 machten einige Einwohner des in der preußischen Grafschaft Tecklenburg (heute Kreis Steinfurt) gelegenen Dorfes und Kirchspiels Ladbergen einen grausigen Fund: Auf dem Roling, einer Flur im Süden des Dorfes Ladbergen, unweit von Kötterjohanns Hause, fanden sie die 82-jährige Trineke Krusenklaus regungslos am Boden liegen. Näheres Hinsehen der Umstehenden ergab, dass sie tot war. Nachdem die Beteiligten den Leichenfund gemeldet hatten, ordnete der Tecklenburger Kammerrat Gildemeister die Autopsie der Toten an, denn auch bereits damals bedurfte es bei ungeklärter Todesursache einer pathologischen Untersuchung, um ein Gewaltverbrechen ausschließen zu können. Aufgrund der medizingeschichtlichen Bedeutung soll dieser Vorgang hier wiedergegeben werden.

Die Leichenschau

Die Leichenschau fand am 16. Februar 1724 statt und wurde vom Chirurgen Brüggemann und dem Mitglied des Tecklenburger Medizinalkollegiums, C. H. Bauch, durchgeführt. Zudem war der Kammerrat Gildemeister bei der Obduktion zugegen. Das Ergebnis der Leichenöffnung ist in einem Protokoll, das vom 18. Februar datiert, niedergeschrieben worden. Darin heißt es: „und nach fleißiger visitation aller äußerlichen Gliedmaßen nicht die geringste Lasion [Beschädigung] noch indicia [Anzeichen] einer gewaltthätigkeit wahrgenommen. Nachdem also der Unterleib geöfnet, hat man alle viscera [Eingeweide] ohnbeschädigt angetroffen, und war der Magen annoch von kurtz zuvor genoßener Suppe gantz angefüllet, bey eröfnung der Brust observirete man die Lunge gantz schlapp und verdorben auch an verschiedenen Orten wieder natürlicher weise an der pleura [Brustfell] angewachsen, imgleichen hie und da einige tubercula [knötchenförmige Gewebeveränderungen] in derselben und in denen Bronchiis auch […] viel rotz, materie und Schleim, dahero die verstorbene bei Lebzeiten asthmate Engbrüstigkeit und starken Husten, nach Außagen der anwesenden von vielen Jahren her incommodiret [belästigt] worden, und soll dieselbe auch diesen Winter über ungewohnte mattigkeit aller glieder und müdigkeit in den beinen sehr geklagt haben.“

Das Ergebnis

Der Mediziner Bauch kam daher zu dem Schluss, dass die Tote, die am 15. Februar des Morgens ziemlich früh gefunden worden war, an einem Katarrh, einer Entzündung der Atemwege (Catarro suffocativo), erstickt sei. Dieser Katarrh sei durch die Kälte an diesem Morgen ausgelöst worden – denn es hatte nach Aussage der Finder der Leiche „gereiffet und gefrohren“. Die Ärzte stellten somit abschließend fest, dass diese Todesursache durchaus nicht unüblich bei „Lungensüchtige(n) und alte(n) Leuten“ sei, da, „wenn keine schleunige Hülffe geschiehet, ein mensch nothwendig crepiren muß“. Die Todesursache der Trineke Krusenklaus war also amtlich mit Lungensucht – Tuberkulose – bestätigt und ein Gewaltverbrechen damit sicher ausgeschlossen worden. Die weitere Untersuchung wurde daraufhin eingestellt.

Quelle

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten Nr. 272.

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