Bauernstätte an einer Erhebung

Der Ursprung des Familiennamens Klopmeier

Von Dr. Christof Spannhoff

Zeigt der Familienname Klopmeier an, dass die Träger dieses Namens einen streitbaren Vorfahren hatten, der auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschreckte? Ist der Name Klopmeier also zu mittelniederdeutsch kloppen ‚klopfen, losschlagen, einschlagen, schlagen, prügeln‘[1] zu stellen?

Um eine profunde Namenanalyse vornehmen und diese Fragen beantworten zu können, ist es notwendig, die historischen Belege zu sichten. Allerdings unterscheiden sich die geschichtlichen Formen kaum von der heutigen Schreibung. Der Name Klopmeier stammt aus Lengerich Hohne. 1580 wird der dortige Hof bzw. sein Besitzer als Klopmeier genannt, 1621 Kloppmeier, 1634 Klopmeier, 1643 Klopmeier, 1673 Klopmeyer.[2] Der Beleg von 1621 zeigt geminiertes (doppeltes) p, woraus zu schließen ist, dass der Vokal o kurz war. Das würde auch zu dem oben angeführten Verb kloppen passen. Allerdings sind Familiennamen mit dem zweiten Teil –meier, –meyer oftmals mit Flurnamen gebildet worden. Dies ist auch beim Familiennamen Klopmeier anzunehmen.

Um seinem Ursprung auf die Spur zu kommen, bietet es sich an, einen ähnlichen Namen zu betrachten, der in der Vergangenheit auch immer wieder zum niederdeutschen Tätigkeitswort kloppen gestellt wurde: Cloppenburg. Der Name der heutigen Kreisstadt an der Soeste geht auf eine Befestigung zurück, die vor 1297 bei der Siedlung Krapendorf durch die Grafen von Tecklenburg errichtet wurde. 1297 wird diese Befestigung erstmals als Cloppenborg benannt. Im Zusammenhang mit der Grenzburg Schnappenburg, deren Name man zu mittelniederdeutsch snappen ‚erschnappen, ergreifen‘ gestellt hat, meinte man, in Cloppenburg das Wort kloppen ‚klopfen, losschlagen, einschlagen, schlagen, prügeln‘ (s.o.) finden zu können. Damit wären beide Burgennamen mit raubritterlichem bzw. militärischem Wortschatz gebildet worden. Allerdings gibt es ein Problem: Die Schnappenburg wird im Jahr 1400 als borgh to der Snappen genannt. Diese Wendung zeigt aber, dass Snappe hier als Flurname zu bewerten ist. So ist ebenfalls anzunehmen, dass auch der Bestandteil Cloppen– auf einen Flurnamen zurückzuführen ist. Es bietet sich hier ein Wortfeld an, das eine Erhebung bezeichnet: bairisch klopf ‚Fels‘, mitteldänisch klop ‚Klumpen‘, altenglisch *clop ‚Klumpen; Hügel, Berg‘, das aus Ortsnamen wie Clophill, Clopton zu erschließen ist. Die Wortfamilie gehört zu indogermanisch *g(e)leub als Erweiterung von *gel– ‚sich ballen; Gerundetes, Kugeliges‘. Weitere Ortsnamen, die mit Cloppenburg zu vergleichen sind, sind die Wüstung Kloppenheim bei Seckenheim, Ortsteil von Mannheim, Kloppenheim bei Wiesbaden, Kloppenheim bei Karben (Wetteraukreis), die alle vor dem 10. Jahrhundert als Clopheim erscheinen, wodurch für den Bestandteil Kloppen– / Cloppen– ein Rufname *Kloppo / *Cloppo in schwacher Genitivflektion auszuschließen ist.[3]

An dieses hier vorgestellte Wortfeld ist auch der Name Klopmeier anzuschließen. Der Hof lag an einer Erhebung *klop, die den Namen motivierte.

Der Namenbestandteil –meier geht zurück auf die Amtsbezeichnung meier. Der Meier, von lateinisch maior ‚der Größere‘, war im Mittelalter der leitende Wirtschafter auf einem Herrenhof.[4] Ein solcher Herrenhof konnte als „Oberhof“ mehrere abhängige Bauernstätten, sogenannte Hufen (lat. mansi), unter sich haben (Villikation oder Hofverband[5]), von denen der Meier die Abgaben für seinen Herrn einzog. Neben der ökonomischen Funktion konnte ein „Meierhof“ (lat. curtis oder curia[6]) aber auch andere Verwaltungsaufgaben erfüllen, musste also nicht unbedingt einen ihm zugehörigen Hofverband aufweisen. Der Verwalter eines derartigen Hofes wurde lateinisch als villicus (von lat. villa ‚herrschaftliches Haus‘) bezeichnet.[7] Es ist bis heute an der regionalen Verteilung von Hof- und Familiennamen (z.B. Meier zu N.N.; Schulte-N.N.) abzulesen, dass diese Amtsbezeichnung in Ostwestfalen und im Osnabrücker Land zumeist mit dem lateinischen Lehnwort meier (von lat. maior ‚der Größere‘ [s.o.]) in die Volkssprache übersetzt, im Münsterland hingegen mit dem niederdeutschen Begriff Schulte benannt wurde (aus altsächsisch *skuldhêtio > *skuldhete > skult(h)ete > schulte, Bildung aus altsächsisch skuld ‚Schuld‘ und dem starken Verb hêtan ‚heißen‘. Der „Schulte“ war also derjenige, der „geheißen“ wurde, die Abgaben aus seinem Hofverband an seinen Herrn abzuliefern[8]). Das Tecklenburger Land stellt in diesem Zusammenhang eine Region des Übergangs der beiden volkssprachlichen Übersetzungen für den villicus dar.[9] So finden sich hier Schulten- und Meier-Bezeichnungen nebeneinander.[10]

Mit der Auflösung der Villikationen oder Hofverbände wurde die Bezeichnung meier von ihrer rechtlichen Fixierung für den Verwalter eines Herrenhofes frei und konnte zur Namenbildung für gewöhnliche Bauernstätten (Hufen) genutzt werden (vgl. die Entwicklung von N.N. uff der Horst > Horstmeier, N.N. uffm Felde > Feldmeyer, N.N. im Elsen > Elsmeyer etc.).[11]

Genauso verhält es sich auch bei dem Familiennamen Klopmeier.

[1] Karl Schiller u. August Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875–1881, Bd. II, S. 488.

[2] Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, bearb. v. Wolfgang Leesch, Münster 1974, S. 42, 44, 45, 116, 139.

[3] Franziska Menzel, Art. Cloppenburg, in: Deutsches Ortsnamenbuch, hrsg. v. Manfred Niemeyer, Berlin u. Boston 2012, S.112.

[4] Leopold Schütte, Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800, 2. überarb. u. erweiterte Aufl., Münster 2014, S. 529–531.

[5] Ebd., S. 770f.

[6] Ebd., S. 206.

[7] Ebd., S. 771f.

[8] Ebd., S. 663–671.

[9] Gunter Müller, Schulte und Meier in Westfalen, in: Gedenkschrift für Heinrich Wesche, hrsg. v. Wolfgang Kramer u.a., Göttingen 1979, S. 143-164

[10] Vgl. Müller, Schulte; Pierre Hessmann, Die Namen auf -man im Twenter Schatzungsregister von a. 1475, in: Gedenkschrift für Heinrich Wesche, hrsg. v. Wolfgang Kramer u.a., Göttingen 1979, S. 65-78.; Friedrich Walter, Zur Entstehung münsterländischer Hofnamen, besonders im Raum Telgte. Ein Beitrag zur Methodik der Hofnamenforschung, in: Niederdeutsches Wort 6 (1966), S. 73–96.

[11] Vgl. Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, S. 324-360 (Register).

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Ortsname ist nicht gleich Ortsname

Warum die Gemeinde Lienen so heißt, wie sie heißt

Von Dr. Christof Spannhoff

Ortsnamen sind eine spannende Geschichtsquelle. Nicht nur ihre ursprüngliche Bedeutung kann etwas über die Vergangenheit erzählen, sondern auch ihr Gebrauch durch die Jahrhunderte hindurch ermöglicht interessante historische Einblicke. Denn das Objekt, das ein Ortsname benennt, kann sich im Laufe der Zeit verändern. Dieser Vorgang lässt sich am Ortsnamen Lienen anschaulich verdeutlichen. Heute benennt der Name Lienen eine Gemeinde mit einer Fläche von 7327 Hektar.[1] Die Benennung ist mehreren Bauerschaften und dem zweiten Ortsteil Kattenvenne übergeordnet. Doch das war nicht immer so. Als der Name Lienen entstand, benannte er eine kleine Siedlung aus wenigen Hofstellen. Seinen Ursprung hat er in der heutigen Bauerschaft Aldrup in unmittelbarere Nähe des Hofes Blömker (Zum Wasserfall 1), der früher ebenfalls Aldrup hieß. Neben Flurnamen wie Lienkamp, Lienacker, Lienhüvel und Lienstraße belegt diese Tatsache der Name Aldrup selbst (früher Aldenthorp, also ‚bei dem alten Dorf / bei der alten Siedlung‘). Der massenhaft vorkommende Ortsname Aldrup oder ähnlich zeigt immer eine Wanderung des Namens an. Doch warum wanderte der Name Lienen von Aldrup nach Osten?

Dieser Vorgang hängt mit der Kirchengründung zusammen, die vermutlich in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts auf dem Haupthof des Stiftes Herford, dem Ebbinkhof (1334) oder Ebdinckhof (1437), also dem ‚Hof der Äbtissin‘, gegründet wurde. Um diese Kirche entwickelte sich ein neuer Siedlungsschwerpunkt. Allerdings blieb der Name Lienen zunächst noch auf die Kirche und ihre unmittelbare Umgebung beschränkt. Das zeigt ein zwischen 1082 und 1088 entstandenes Güterverzeichnis für das Kloster Iburg, in dem der Name Lienen in der Form Lina erstmals erwähnt wird. Lina erscheint dort ohne erkennbare übergeordnete Funktion neben anderen Siedlungen: Bischof Benno II. schenkte dem 1080 gegründeten Kloster Iburg damals neben anderen Besitzungen auch das Recht auf Erhebung des Zehnten in Fersmelle (Versmold), Oskendorp (Aschendorf/Dissen), Ostenvelt (Ostenfelde/Glane), Lina (Lienen), Aldeldorp (Aldrup/Lienen), Westerbike (Westerbeck/Lienen), Hochsteten (Höste/Lienen), Hone (Hohne/Lengerich), Ammath (bei Lengerich) und Mettinge (Mettingen).[2] Erst 1241 wird der Name Lienen für das Kirchspiel (parrochia), also den gesamten Pfarrsprengel gebraucht.[3]

Diese Quellenbelege passen exakt zu der allgemein festzustellenden Entwicklung in Westfalen. Denn der Aufstieg eines Kirchorts- zu einem Kirchspielsnamen, also eine räumliche Ausdehnung des Bereiches, den der Name benannte, und eine damit einhergehende funktionelle Überordnung über andere Ortsnamen vollzog sich erst im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts. Damals kam die kirchliche Organisation zu einem Abschluss, wie die Zahlen der Kirchengründungen belegen. Waren um 900 im ganzen Münsterland ca. 40 bis 45 Kirchen anzutreffen und kamen im 10. Jahrhundert nur etwa 10 bis 12 Pfarrkirchen hinzu, entstanden von 1000 bis 1300 in jedem Jahrhundert rund 30 neue Pfarrkirchen. Von 1300 bis 1800 entstanden dann insgesamt nur noch 14 neue Pfarreien. Bis 1300 war also das Netz von Pfarrkirchen fast vollständig ausgebildet. Da diese Organisationsstruktur nun keiner ständigen Umbildung mehr unterworfen war, stellte das Kirchspiel von nun an eine konstante Einheit dar. Somit gingen die Namen der Kirchorte in dieser Zeit auf den gesamten Pfarrbezirk über.[4]

Dadurch erhielt auch der ursprünglich punktuelle Ortsname Lienen im 13. Jahrhundert seine überörtliche Funktion, auf deren Grundlage auch die heutige politische Gemeinde so heißt, wie sie heißt. Ausschlaggebend für den „Aufstieg“ des Namens war das Vorhandensein eines Gotteshauses, das die Kirchsiedlung und ihren Namen von den anderen Siedlungen in der Umgebung unterschied.

[1] http://www.lienen.de/buergerservice/ueber-die-gemeinde.html

[2] Mit allen Nachweisen: Christof Spannhoff, Der Ortsname Lienen. Eine sprachliche und geschichtliche Studie, Norderstedt 2014.

[3] Osnabrücker Urkundenbuch, Bd. II, Nr. 408 (Original).

[4] Albert Karl Hömberg, Ortsnamenkunde und Siedlungsgeschichte. Beobachtungen und Betrachtungen eines Historikers zur Problematik der Ortsnamenkunde, in: Westfälische Forschungen 8 (1955), S. 24–64.