1502 erster Nachweis des Vogelschießens in Lienen

Ältester Beleg für das ländliche Schützenwesen im Tecklenburger Land

Von Dr. Christof Spannhoff

Als ältester Beleg für die Anfänge des Schützenwesens in der Gemeinde Lienen galt bislang die Erwähnung eines „Führers“ im Jahr 1643, bei dem es sich um den Kirchspielsführer als Befehlshaber der Schützen handeln dürfte. Eine Lienener Schützenschar wird 1726 erstmals ausdrücklich genannt und 1761 ein Schützenkönig des Kirchspiels Lienen: der Bauer Johann Henrich Schowe aus Kattenvenne.[1] Jüngst ist nun aber im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen in Münster ein noch älterer Beleg aufgetaucht. In einem Verzeichnis von Ländereien in Lienen aus dem Jahr 1502 heißt es: „Item [auch] noch eyn scheppell roggen zadelandes [Saatlandes] by dem vogelbome“.[2] Mit diesem ‚Vogelbaum‘, mit dem die Lage des Ackerstückes näher beschrieben wurde, ist aber nichts anderes gemeint als eine ‚Vogelstange‘. Am Vogelbaum wurde der Schützenvogel befestigt, auf den beim Schützenfest geschossen wurde. Die Bezeichnung Vogelbaum in Zusammenhang mit dem Schützenwesen ist in der Frühen Neuzeit für Nordwestdeutschland häufig nachzuweisen.[3] Die Schützenvereinigungen waren aus den städtischen Bürgerwehren hervorgegangen, die sich zwecks Verteidigung der Stadt regelmäßig zu Übungs- und Preisschießen zusammenfanden. Im 15. Jahrhundert erreichte diese Art Veranstaltung dann auch den ländlichen Bereich und es wurden auch hier Schützenvereinigungen gegründet.[4] Doch nicht erst im 19. Jahrhundert waren die Vogelschießen der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Bereits die Tecklenburger Polizeiordnung von 1612 verbot das übermäßige „Fressen“ und „Saufen“ während des Schießens auf den hölzernen Vogel, das vielfach auf Pfingstmontag abgehalten wurde.[5] Der älteste Nachweis einer Schützengilde im Tecklenburger Land ist für die Stadt Bevergern im Jahr 1425 überliefert (Stadtrechte seit 1366).[6] Während sich im Steinfurter Land ländliches Schützenwesen bereits 1490 in Hollich (Vogelschießen) belegen lässt[7], stammen frühe Hinweise für das Tecklenburger Land erst aus dem 17. Jahrhundert: Ibbenbüren (1616), Lotte (1659), Wersen (1664), Leeden (1665) und Hörstel-Gravenhorst (1681).[8] Somit ist der 1502 erwähnte Lienener „Vogelbaum“ der bislang älteste Nachweis für ländliches Schützenwesen im Tecklenburger Land.

[1] Christof Spannhoff, Geschichte des Schützenwesens in Lienen, in: Quellen und Beiträge zur Orts-, Familien- und Hofesgeschichte Lienens, bearb. u. hrsg. v. Christof Spannhoff, Bd. 1, Norderstedt 2007, S. 512–521.

[2] Verzeichnis der Ländereien des Ebdinckhofes zu Lienen (1502), Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 115.

[3] Albrecht Eckhardt, Frauen als Mitglieder der Wildeshauser Schützengilde. Ein Beitrag zum Schützenwesen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, in: Oldenburger Jahrbuch 94 (1994), S. 87–102, hier S. 92; Norbert Kirchner, Westfälisches Schützenwesen im 19. und 20. Jahrhundert. Wandel und gegenwärtiger Stellung, Münster u.a. 1992, S. 267.

[4] Friederike Schepper-Lambers, Schützenvereine bereiteten der Obrigkeit manchen Ärger, in: Bilderbogen der westfälischen Bauerngeschichte, Bd. 2: Das 19. Jahrhundert und die Bauernbefreiung, hrsg. v. Hermine von Hagen u. Hans-Joachim Behr, Münster 1988, S. 106–109.

[5] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 170; Druck: Quellen und Beiträge (wie Anm. 1), S. 225–234.

[6] Friedrich Ernst Hunsche, Das Schützenwesen im Tecklenburger Land, in: Beiträge zur Volkskunde des Tecklenburger Landes. Sitte und Brauchtum unter besonderer Berücksichtigung des Schützenwesens, bearb. v. Friedrich Ernst Hunsche u. Friedrich Schmedt, Ibbenbüren 1974, S. 236–248.

[7] Dietmar Sauermann, Geschichte der Volkskultur im Kreise Steinfurt (17.–20. Jahrhundert), in: Der Kreis Steinfurt, hrsg. v. Kreis Steinfurt, Stuttgart u. Aalen 1989, S. 217–228.

[8] Die im Kreisheimatschützenbund zusammengeschlossenen Schützenvereine in den einzelnen Orten und Bezirken, in: Beiträge zur Volkskunde des Tecklenburger Landes. Sitte und Brauchtum unter besonderer Berücksichtigung des Schützenwesens, bearb. v. Friedrich Ernst Hunsche u. Friedrich Schmedt, Ibbenbüren 1974, S. S. 277–288.

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Der Ladberger Städtebund von 1246

Von Dr. Christof Spannhoff

Den 1246 zu Ladbergen geschlossenen Städtebund wieder verstärkt in das Bewusstsein der Menschen der Region zu bringen, wie es sich die Kommission des Ladberger Heimatvereins vorgenommen hat, ist im Jubiläumsjahr (770 Jahre) sicherlich eine sehr richtige und wichtige Aufgabe. Allerdings müssen dieses Ereignis und die darüber ausgestellten Schriftstücke auch in ihren historischen Gesamtkontext eingeordnet werden. Die im Bericht vom 19. Mai 2016 betonte wirtschaftliche Bedeutung ist dabei aber nur ein Aspekt.[1] Anzumerken ist, dass es bereits vor dem Ladberger Vertrag – wenn auch nicht in Westfalen – Bündnisse von Städten gegeben hat. Nördlich der Alpen wurde die Idee zum Zusammenschluss von den lombardischen Städtebünden des 12. Jahrhunderts übernommen. Die Städtebünde dienten aber nicht nur wirtschaftlichen Interessen. Sie sind auch als Zeichen des Erstarkens städtischer Autonomiebestrebungen zu lesen. So richteten sich die frühen italienischen Städtevereinigungen gegen den Herrscher. 1226 befahl etwa Heinrich (VII.) den Städten Mainz, Bingen, Worms, Speyer, Frankfurt, Gelnhausen und Friedberg, ihre Bündnisse aufzulösen. Auch die späteren Zusammenschlüsse kleinerer Städte sind somit als Maßnahmen der Emanzipation gegenüber dem Stadtherrn, der meist der Landesherr war, zu sehen.[2] Der Vertrag von Ladbergen ist aber nicht zu trennen von dem kurz zuvor geschlossenen Pakt zwischen den Fürstbischöfen von Münster und Osnabrück und damit als direkte Reaktion auf dieses Stadtherrenbündnis zu bewerten. Am 2. Juni 1245 schlossen die Bischöfe Ludolf von Münster und Engelbert von Osnabrück für sich, ihre Domkapitel und Dienstmannschaften ein ewiges, alle fünf Jahre zu erneuerndes Schutzbündnis. Darin kamen sie u.a. überein, dass die Städte Münster und Osnabrück nicht berechtigt sein sollten, Hörige der Bischöfe, Kirchen oder Dienstmannen ohne den Willen des betreffenden Herrn als Bürger aufzunehmen – ein klarer Eingriff in die städtische Selbstbestimmung.[3] Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich die Städte Münster und Osnabrück daraufhin am 22. Mai 1246 – erst wenig später traten dem Bund auch Minden und Herford bei – ohne Zustimmung oder Einbeziehung ihrer Stadtherren verbanden. Da sie damit eindeutig in die Befugnisse der Bischöfe eingriffen, ist der Ladberger Bund von 1246 ein deutliches Zeugnis des kommunalen Selbstverständnisses und der beanspruchten städtischen Souveränität. Inhaltlich konzentrierte sich der Ladberger Vertrag auf Fragen des Handels und Verkehrs. Die Städte versuchten, Adelige und Ritter, die Übergriffe auf Bürger vornahmen, durch wirtschaftliche Maßnahmen, etwa durch Sperren von Markt und Kredit, zum Einlenken zu zwingen. Der Ladberger Bund war also eine Reaktion auf die unsichere Situation, die den Aktionsbereich und die Rechte von Städten und Bürgern einschränkte, aber gleichzeitig auch ein nach außen gerichtetes Zeichen des Anspruches auf Eigenständigkeit der beteiligten Städte. Räumlich beschränkte sich der Bund allerdings nur auf die Bistümer Münster und Osnabrück, wie aus dem Urkundentext hervorgeht, denn der Ladberger Bund von 1246 wurde ursprünglich nur zwischen Münster und Osnabrück sowie deren untergeordneten Städten (z.B. Coesfeld) geschlossen. Erst kurze Zeit später traten auch die Städte Minden und Herford bei. Diese zeitliche Abfolge lässt sich aus der Überlieferungsgeschichte des Urkundentextes erkennen. Es existieren nämlich zwei aufeinander aufbauende Originale in verschiedenen Archiven. Ausfertigung K nennt nur Münster und Osnabrück und trägt zudem ein Siegel Coesfelds. Ausfertigung M ist eine Erweiterung des Vertrages, die schließlich auch Minden einbezieht. M trägt auch ein Siegel Herfords, das dessen Zugehörigkeit belegt. Im Text beider Urkunden selbst werden weder Herford noch Coesfeld genannt. Ihre Zugehörigkeit kann nur aus den Siegeln geschlossen werden.[4]

Verhandlungsort

Doch warum wählte man als Verhandlungsort für dieses Bündnis gerade Ladbergen aus? Und wo genau fand das Ereignis eigentlich statt? Als Verhandlungsort wurde das damals noch recht unbedeutende Ladbergen deshalb ausgewählt, weil es seit 1170 direkt auf der Grenze zwischen den Diözesen Münster und Osnabrück lag. Seit dieser Zeit gehörten die Bezirke „Kodenhorst“ und „Holte“ (Hölter) nicht mehr zur Lengericher (Osnabrück), sondern zu Ladberger Kirche (Münster).[5] Die Grenze zwischen zwei Machtsphären war im Mittelalter ein sehr häufiger Ort für Verhandlungen und Vertragsabschlüsse.[6] So wurde auch der Werner Städtebund 1253 direkt auf der Brücke über die Lippe, die ebenfalls die Grenze zwischen dem Erzbistum Köln und dem Bistum Münster markierte, geschlossen.[7] Somit ist anzunehmen, dass auch der Ladberger Vertrag unmittelbar auf der Grenze zustande kam.

[1] Vorgänger der Hanse. Vor 770 Jahren in Ladbergen gegründet: der Erste Westfälische Städtebund, Westfälische Nachrichten / Tecklenburger Landbote vom 19. Mai 2016.

[2] Thomas Schilp, Westfälische Städte und Rheinischer Bund: Überlegungen zur städtischen Autonomie in der Mitte des 13. Jahrhunderts, in: Bünde – Städte – Gemeinden. Bilanz und Perspektiven der vergleichenden Landes- und Stadtgeschichte, hrsg. v. Werner Freitag u. Peter Johanek, Köln u.a. 2009, S. 41­61, hier S. 46f.; Wilfried Ehbrecht, Magdeburg im Sächsischen Städtebund. Zur Erforschung städtischer Politik in Teilräumen der Hanse, in: Konsens und Konflikt. Skizzen und Überlegungen zur älteren Verfassungsgeschichte deutscher Städte, hrsg. v. Peter Johanek, Köln u.a. 2001, S. 129–154, hier S. 132–134.

[3] Osnabrücker Urkundenbuch, Bd. II, Nr. 464.

[4] Die maßgebliche Edition beider Urkunden, die auch das zeitliche Abhängigkeitsverhältnis deutlich macht, findet sich im Hansischen Urkundenbuch, Bd. 1, Nr. 345.

[5] Osnabrücker Urkundenbuch, Bd. I, Nr. 325. Christof Spannhoff, „Kattenvenne“ ist nicht „Katenhorst“. Lesefehler gefährdete fast das 700jährige Namensjubiläum, in: Unser Kreis 2012. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 25 (2011), S. 83–86.

[6] Zu den zahlreichen Verhandlungen auf Grenzen siehe Alfred Löhren, Beiträge zur Geschichte zur Geschichte des gesandtschaftlichen Verkehrs im Mittelalter. 1. Die Zeit vom vierten bis zum Ende des neunten Jahrhunderts, Heidelberg 1884, S. 98–105; Reinhard Schneider, Mittelalterliche Verträge auf Brücken und Flüssen (und zur Problematik von Grenzgewässern), in: Archiv für Diplomatik 23 (1977), S. 1–24; Ingrid Voss, Herrschertreffen im frühen und hohen Mittelalter. Untersuchungen zu den Begegnungen der ostfränkischen und westfränkischen Herrscher im 9. und 10. Jahrhundert sowie der deutschen und französischen Könige vom 11. bis 13. Jahrhundert, Köln u.a., 1987, S. 38–87; Werner Kolb, Herrscherbegegnungen im Mittelalter, Bern u.a. 1988, S. 51–71; Thomas Rahn, Grenz-Situationen des Zeremoniells in der Frühen Neuzeit, in: Die Grenze. Begriff und Inszenierung, hrsg. v. Markus Bauer u. Thomas Rahn, Berlin 1997, S. 177–206.

[7] Schilp, Städte S. 46f.; Ehbrecht, Magdeburg, S. 133.

 

Sunedersunort – ein angeblicher Lienener Flurname

Von Dr. Christof Spannhoff

In der Edition der mittelalterlichen Lehnbücher der Bischöfe von Osnabrück, die 1932 von Hermann Rothert besorgt worden ist, findet sich auch das Lehnbuch des Bischofs Heinrich von Holstein, das aus den Jahren 1402 bis 1404 stammt. Überliefert ist das Dokument lediglich in einer einzigen Abschrift, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts angefertigt wurde. Grundlage der Edition von Rothert war also kein Originaldokument, sondern eine freilich zeitnahe, aber doch spätere Kopie – und durch das handschriftliche Abschreiben können sich Fehler in den Text einschleichen, vor allem bei Eigennamen von Örtlichkeiten oder Personen, die dem Kopisten nicht geläufig waren. Auf Seite 69 der Edition wird vermerkt, dass Haseke de Varendorpe vom Bischof mit mehreren Gütern belehnt wurde. Unter anderem finden sich darunter auch Besitzungen in Lienen (heute Kreis Steinfurt): die casa Tobeken to den Mekelvelde, ein Fischteich (piscina) Hilghemannes und eine Besitzung namens Sunedersunort, ferner ein Anwesen genannt der Borgherwort im Kirchspiel Lienen (Rothert, S. 69). Doch was verbirgt sich hinter dem Örtlichkeitsnamen Sunedersunort.

Deutungen aufgrund der Form Sunedersunort

Bisher ist der Name als Flurname gedeutet worden, der mit dem Grundwort mittelniederdeutsch ord / ort ‚Spitze, Ecke, Winkel‘ gebildet wurde (Schütte, S. 500). Nach Wilhelm Wilkens deutet der Name auf „weites sumpfiges Gelände“ hin. Er schreibt: „nederort, durch doppeltes sun als besonders naß charakterisiert“ (Wilkens, S. 262). Doch lässt Wilkens den Leser im Unklaren, welche genaue Bedeutung die von ihm isolierte Lautgruppe „sun“ denn haben soll bzw. woher er das vermeintliche Wort und woraus er seine Bedeutung gewonnen hat. Es wird sich herausstellen, dass die Deutung von Wilkens bereits von einer falschen Lautform ausgeht und allein schon deshalb gegenstandslos ist.

Falsche Lesart

Es handelt sich bei der Form Sunedersunort um eine falsche Lesung des Namens. Bereits im Register zur Edition der mittelalterlichen Lehnbücher der Osnabrücker Bischöfe, das 1935 von Joseph Prinz erstellt wurde, findet sich diese Form des Namens nicht. Prinz schreibt Sunedersuuort (Prinz, S. 139). Hinzu tritt eine Urkunde vom 12. November 1412, aus der hervorgeht, dass vor Albert Stedebrent, Richter zu Herford, Hinrich Ledebur und seine Frau Elzike sowie Hinrich, beider Sohn, mit Zustimmung ihrer Kinder Lenike und Gosten, dem Johan Korve (Korff), Sohn des verstorbenen Herman Korve, und seiner Frau Leniken für 400 Rheinische Gulden zahlreiche Güter verkauften, darunter: Flakken Kotten zu Mekelwede in Lynen, Hilghenmannes Dick, Sweders Haus und Borgners Haus ebendort. Diese Güter stammten aus dem Besitz des verstorbenen Amelung von Varendorpe (Spannhoff, S. 596). Es handelt sich also um dieselben Güter, mit denen Haseke de Varendorpe 1402/1404 vom Osnabrücker Bischof belehnt wurde. Das vermeintliche Sunedersunort ist also identisch mit Sweders Haus von 1412. Das bedeutet Folgendes: Sunedersunort muss als *Suuedersuuort gelesen werden. Da sich n und u im spätmittelalterlichen Schriftbild sehr ähnlich sehen, sind sie hier verwechselt worden (vgl. auch die von Joseph Prinz angeführte Form!). Zwei aufeinanderfolgende uu stehen allerdings für den Lautwert von w (vgl. den englischen Ausdruck für den Buchstaben w = double-u). Somit ergibt sich die Form *Swederswort.

Deutung

Aufgrund der im Lehnbuch von 1402/1404 direkt nachfolgend genannten Örtlichkeit Borgherwort ist der Name *Swederswort folgendermaßen zu erklären: Der Name ist – wie auch Borgherwort – ein Kompositum mit dem Grundwort word, wort, wurt ‚Hausgrundstück, Hausstätte, eingezäunte Hofstätte‘ (Schütte, S. 694-697; Schiller/Lübben V, S. 790). Im Bestimmungswort begegnet der Rufname Sweder im Genitiv mit Zeichen der starken Flektion -s- (Hartig, S. 214). Der Name ist also als „Hausstätte / Hofstätte eines Sweder“ zu erklären (vgl. auch die 1412 erscheinende Form Sweders Haus, die diese Deutung bestätigt). Somit gibt der Name *Suuedersuuort keinen Hinweis auf ein „weites sumpfiges Gebiet“, den Wilhelm Wilkens dem Namen entnehmen will. Und wieder ist ein vermeintlicher Lienener „Sumpf“, der durch die laienhafte Erklärung eines Ortsnamens erfunden worden ist, durch eine eingehendere Analyse „trockengelegt“ worden!

Quellen und Literatur

  • Hartig, Joachim, Die münsterländischen Rufnamen im späten Mittelalter, Köln u.a. 1967.
  • Prinz, Joseph (Bearb.), Die mittelalterlichen Lehnbücher der Bischöfe von Osnabrück. Register, Osnabrück 1935 (im Nachdruck Osnabrück 1977 als Anhang eingebunden).
  • Rothert, Hermann (Bearb.), Die mittelalterlichen Lehnbücher der Bischöfe von Osnabrück, Nachdruck d. Ausg. Osnabrück 1932-35, Osnabrück 1977.
  • Schiller, Karl u. Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875-1881.
  • Schütte, Leopold, Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800, Münster 2007.
  • Spannhoff, Christof (Bearb.), Quellen und Beiträge zur Orts-, Familien- und Hofesgeschichte Lienens, Bd. 1, Norderstedt 2007.
  • Wilkens, Wilhelm, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004.