Der Gemenbach – ein ‚Freudenbach‘

Von Dr. Christof Spannhoff

Welchen Ursprung hat der Lienener Gewässername Gemenbach? Als Gemen- oder Jemenbach wird der untere Lauf der Stockbieke in der Bauerschaft Höste benannt. Der Name lässt sich nach den bisherigen Erkenntnissen bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen: 1828 wurde die „Jemen-Brücke“ der Landstraße nach Lengerich bei Wittmann repariert und im gleichen Jahr ist auf einer Flurübersichtskarte das „Iemenhuss“ eingetragen.[1]

Da der Gewässername hier ohne das Grundwort Bach erscheint, ist davon auszugehen, dass er ursprünglich *Jeme oder *Jemen(e) lautete. Das Nebeneinander von j und g im Anlaut deutet darauf hin, dass der ursprüngliche Anlaut ein g gewesen ist – ein Übergang, der sich im Niederdeutschen vielfach beobachten lässt (vgl. z.B. die niederdeutsche Form des Rufnamens Georg > Jürgen, Jörgen).[2] Somit hat die Analyse des Namens von der Form *Geme oder *Gemen(e) auszugehen.

Der Gewässername ähnelt in seiner lautlichen Gestalt sehr dem Ortsnamen Gemen (Kreis Borken), 1017 Gamini. Der Ortsname gehört zu germanisch *gam-, das z.B. auch in altsächsisch gaman ‚Lust, Spiel‘, gamlîk ‚freudig‘, mittelniederdeutsch gemelik ‚spaßig‘ enthalten ist.[3] Für den hier betrachteten Bachnamen ist ebenfalls dieses Wortfeld anzusetzen. Der Gewässername *Geme / *Gemen(e) ist vermutlich ebenfalls auf eine Form *Gamini zurückzuführen, eine Ableitung mit n-Suffix – ein heute nicht mehr produktives Wortbildungselement, das auch zur Bildung von Gewässernamen gebraucht wurde.[4] Somit ist der Gemenbach als ein ‚Freudenbach‘ oder ein ‚Spielbach‘ zu interpretieren.[5] Das Motiv der Benennung könnte das sprudelnde Fließen des Wassers gewesen sein, das als ‚freudig‘ oder ‚spielerisch‘ angesehen wurde.

Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit. Unmittelbar am Gemenbach lag ein sogenannter „Hilliger Stohl“, ein Platz, an dem bei Flurprozessionen das mitgeführte Heiligenbildnis abgesetzt und Messe gehalten wurde.[6] Bei diesem „Hillige Stohl“ fand man sich aber auch zu Versammlungen und Gerichtssitzungen zusammen. So heißt es in einer Grenzbeschreibung aus dem Jahr 1447: „vnd bei dem hilligen stoele furg[enomt] lecht men die dage zwisschen dem Stiffte Oßnabrugk vnd der Herschop von Teckelnpurgk, so dat dar die dagescheide plecht tho wesen.“[7] Hier befand sich also auch ein Versammlungsplatz (dagestede, dagescheide). Vormoderne Versammlungen und Gerichtstage gingen aber auch immer mit festlichen Elementen wie z.B. gemeinsamen Gelagen oder Spielen einher.[8] Somit könnte der Gemenbach seinen Namen vom unmittelbar benachbarten Versammlungs- und Festplatz erhalten haben, wodurch sich die Bedeutung als ‚Freudenbach‘ oder ‚Spielbach‘ erklären könnte.

[1] Gemeindearchiv Lienen, A 180: Die Wiederherstellung der Jemen-Brücke auf der Landstraße nach Lengerich bei Wittmanns (1828). Katasteramt Steinfurt, 5047-1-01-Nr. 2 (Flurübersicht 1828): „Iemenhuss“.

[2] Lasch, Agathe, Mittelniederdeutsche Grammatik, 2., unveränd. Aufl., Tübingen 1974, § 342.

[3] Vgl. zum Ortsnamen Gemen: Derks, Paul, Frikkenhurst und Fricco – eine Gelehrten-Mythe, in: Warendorfer Schriften 19/20 (1989/90), S. 187–223, hier Anm. 117, S. 207f.

[4] Krahe, Hans u. Meid, Wolfgang, Germanische Sprachwissenschaft, Teil III: Wortbildungslehre, Berlin 1967, §§ 91–110, hier besonders § 94; Casemir, Kirstin, Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter, Bielefeld 2003, S. 463–467; Udolph, Jürgen, Suffixbildungen in alten Ortsnamen Nord- und Mitteldeutschlands, in. Suffixbildungen in alten Ortsnamen, hrsg. v. Thorsten Andersson u. Eva Nyman, Uppsala 2004, S. 137–175, hier S. 152–156.

[5] Zu diesem Wortfeld in Orts- und Flurnamen vgl.: Derks, Frikkenhurst, Anm. 117, S. 208; Greule, Albrecht, Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen, Berlin 2014, S. 22; Deutsches Ortsnamenbuch, hrsg. v. Manfred Niemeyer, Berlin u. Boston 2012, S. 185f.

[6] Vgl. dazu ausführlich: Spannhoff, Christof, Die Gewässernamen Drevanameri und Heiliges Meer, in: Nordmünsterland. Forschungen und Funde 1 (2014), S. 223–248; Ders., Quelle mit heilender Wirkung? Die „Heilige Welle“ [bei Tecklenburg] wird erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt, in: Unser Kreis 2015. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 28 (2014), S. 63–68.

[7] Wat ein Abt zu Iburch der Hern vnd vom Adell jm Ampt jburch hergebrachter jacht halber jn seinem letzten vor kuntschaft gegeben. Ao. 1447, in: Mittheilungen des historischen Vereins zu Osnabrück 10 (1875), S. 69–71. Gleicher Textinhalt mit abweichender Orthographie auch 1464: Der landtschedunge und jacht halver im stifte Osenbrugk (1464), in: Das Legerbuch des Bürgermeisters Rudolf Hammacher zu Osnabrück, hrsg. v. Erich Fink, Osnabrück 1927, S. 176–182; Anteicknung der Schnade twuschen Ambt Iburg vnd Tecklenburg. Auch wegen der Jagt und sonst belang.: Widenbrügge Ao. 1477, in: Mittheilungen des historischen Vereins zu Osnabrück 10 (1875), S. 77–81.

[8] Vgl. die Belege bei Grimm, Jacob, Deutsche Rechtsaltertümer, 4., vermehrte Aufl., Leipzig 1899, Bd. 2, S. 507–511.

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Topographische Beschreibung der Gemeinde Lienen von 1817

Transkription von Dr. Christof Spannhoff

Topographische Beschreibung der Gemeinde Lienen von 1817[1]

Lienen den 7ten May 1817

Die Einsendung der Topographien vom Bezirck Lienen

Die zufolge hochlöblicher Regierungs-Instruktion vom 9. April curr. [annus currentis] entworfene topographische Beschreibung des hiesigen Bezirks und des zugleich mit angefertigten Verzeichnisses aller darin vorhandenen Ortschaften nach deren Benennung Eigenschaften u.s.w. beehre ich mich, Ew. hochwohlgeboren in Folge seitwärts allegirter [angeführter] Verfügung anliegend gehorsamst zu praesentiren.

Sowohl die Beschreibung selbst als das dazu gehörende Verzeichniß ist mit steter Berücksichtigung der in Eingangs gedachter Instruktion enthaltenen Vorschriften angefertigt, und die darin enthaltenen data so genau angegeben, wie nur möglich war.

Sollten dieselben aber demohn erachtet nicht in allen Theilen Ihrem Wunsche entsprechen, so bitte ich mir nur diejenigen Punkte welche eine nähere Erläuterung bedürfen, anzuzeigen, und ich werde allsdann nicht ermangeln solche auf’s genaueste und vollständigste zu erledigen. –

Der Bürgermeister

Kriege

Topographische Beschreibung des Bezircks Lienen

Nach der Instruktion hochl. Regierung vom 9ten April 1817[2]

I., II. & III. Flüsse, Bäche etc.

Die im hiesigen Bezirck vorhandenen Bäche und Flüsse sind von keiner großen Bedeutung. Der Hauptfluß ist der so genannte Ahbach[3], welcher in dem Osnabrückschen Kirchspiele Glane ohnweit Iburg entspringt; er fließt an der Südseite der Länge nach durch die hiesige Gemeine nach Ladbergen und ergießt sich zuletzt in der Gegend von Greven in die Emse. Derselbe ist aber eben so wenig schiffbar als flösbar, und wird’s, auch selbst die ungeheuren Kosten womit dieses verknüpft sein würde, abgerechnet, schon aus dem Grunde nicht gemacht werden können, weil derselbe bei nur einigermaßen trockner Witterung im Sommer fast ganz austrocknet.

IV. Teiche etc.

Außer den Neumühlen-Teich in der Bauerschaft Holzhausen hat Lienen keine Teiche von Importenz. Dieser Neumühlen-Teich gehörte früherhin zu den Domainen-Mühlen in besagter Bauerschaft, ist aber jetzt ein Eigenthum des Coloni Niemöller. Der Teich selbst mag etwa 20 Scheffelsaat Rheinländisch[4] groß sein, und enthält hauptsächlich Karpen, Barse und Hechte. – Besondere merckwürdige Natur Erzeugnisse sind bis jetzt in demselben nicht vorgekommen.

V. Form und Bestandtheile des Bodens[5]

Der auf diesseits des Berges – nach Süden hin – belegene Theil der Gemeinde ist eben und hat nur ganz unbedeutend kleine Hügel. Dahingegen ist derjenige Theil welcher nach Norden hin hinter dem Berge liegt, von allen Seiten sehr eingeschlossen und den dortigen Eingesesssenen in Rücksicht der Bestellung sehr lästig. Von diesen Eingesessenen wird auf verschiedenen Stellen bis auf 1000 Schrittaufwärts und hie und da noch mehr – der Berg beackert; auf diesseits des Berges aber gar nicht. Der Berg selbst, so weit er dem Lienischen Eingesessenen gehört, ist ungefehr 2 Stunden lang und beinahe 1 Stunde breit, und ist seit einigen zwanzig Jahren, wo derselbe getheilt wurde, in Hinsicht der Bepflanzung mit Holz so sehr verbessert, daß nicht allein diejenigen welche einen Antheil darin haben damit auskönnen, sondern auch noch wohl etwas verkauffen können. Dies Leztere [!] gilt jedoch allein nur von den Eingesessenen der Bauerschaft Holperdorf ( Hinterbergs ).

Die höchste Spitze oder Hügel dieses Berges heißt der Kahlenberg an der Iburgschen Gräntze.[6] Die Höhe desselben läßt sich nicht ganz freye Aussicht, und man kann mit bloßen Augen nicht allem alle umliegende Oerter, namentlich Münster, Osnabrück etc. sehr deutlich sehen, sondern auch die Thürme in beiden genannten Städten zählen.

VI. Waldungen

Waldungen hat der Bezirk Lienen gar nicht, indeßen können [!] die Einwohner, wie schon bemerckt, mit demjenigen Holze was im Berge und auf den Gräben wächst aus, und brauchen aus andern benachbarten Gemeinden nichts zu ziehen. Das nöthige Bau-Holz zieht fast ein jeder selbst, und zwar gröstentheils auf eigends dazu aufgeworfenen Gräben.

VII. Brüche, Heiden etc.

Große Brüche und Heiden giebt es hier nicht. Torf-Moore besitzen blos die Eingesessenen der Section Kattenvenne, und wird von den Markeninteressenten dieser Section auch ganz allein benuzt [!]. Dieses Moor, worunter sich jedoch mehrere Stelle befinden die zur Weide benuzt werden – enthält nach Ausweise der desfalsigen Declaration 1250. Scheffelsaat Rheinländisch, wovon 160 □R[7] einen Morgen ausmachen. Auch hat gedachte Bauerschaft sehr viele Moräste, namentlich im sogenannten Vorbleck, welcher sich ganz bis an die Ostbeversche und Ladbergsche Gränze erstreckt. Dieses Vorbelck, welches auch mit unter schöne Weiden hat, wird sowohl von den Ostbeverschen, Ladbergschen als Lienschen Interessenten gemeinschaftlich benutzt, und kann aus dem Grunde nicht getheilt werden, weil gerade die der beste Gegend Theil davon, betreffend in sehr schönem Weide-Grund bestehend, an erst genannte Ortschaften gränzt, und dasjenige, was bey einer Theilung den hiesigen Lienenschen Eingesessenen und Mittinteressenten zufallen würde, lauter Moräste und schlechter Heid-Grund ist.

VIII. Minneralien u.s.w.[8]

An Minneralien, welche benuzt werden, als Erze, Kristall u.s.w. ist sowohl der hiesige Berg als der übrige Theil des Kirchspiels sehr arm. – Das Einzige was der Berg an einigen Stellen liefert, ist eine Art Sand- und Kalk-Stein. Die Sandsteine sind aber von sehr schlechter Qualitaet und können nur blos zum mauren gebraucht werden, indem sie zu weich und zu löcherich sind. Der Kalkstein hingegen ist von einer ganz besondern Güte, und liefert einen sehr feinen und weißen Kalk. – Auch liefert die Ebne hie und da einen sehr guten Thon, welcher zur Fabrikation der Pfannen und Backsteine gebraucht wird.

VIIII. & X. Cultur des Bodens[9]

Der Grund und Boden besteht aus Sand und Lehm; Lezteres ist jedoch nur in einer Bauerschaft. Der ganzen Flächenraum ist nach der Vermessung 19,450 Morgen, der Morgen zu 160 □R[10] Rheinländisch gerechnet

hierunter befinden sich laut Cataster 11,726 Morgen urbarer, 5831 Morgen wüsten Grund, welcher zum Plaggenschauffeln, Weide u.s.w. dient – und 1893 Morgen Holzwachs; welches leztern jedoch nur blos die Bauerschaften Dorfbauer, Aldrup, Hoeste, Westerbeck, Holperdorp und Dorf Lienen besitzen.

Was den cultivierten Grund betrifft, so ist derselbe im ganzen nicht von besonderer Güte, indem auf den meisten Theilen nichts anders als Buchweitzen gebauet werden kann. Man kann daher nur den achten Theil als mittelmäßig guten Boden, worauf Roggen, Weitzen, Flachs, Hanf und dergleichen erzeugt wird, annehmen; die übrigen Theile sind von schlechter Qualitaet. – Wiesen sind im ganzen ebenfalls schlecht und – müssen die Eingesessenen fast den gröstentheil des Heues aus den [!] benachbarten Osnabbrückschen Lande ankaufen. – Zum Flachs- und Hanfbau wird der gröste Theil des noch einigermaaßen guten Bodens verwandt, und gehört dieser Theil der Oeconomie mit zu dem Haupterwerbzweige der hiesigen Eingesessenen. – Obst giebt es hier fast gar nicht, welches auch hauptsächlich davon herrührt, weil der Landmann sich wenig um Anpflanzung junger Obstbäume bekümmert; auch eignet sich der Boden selbst nicht zur Anpflanzung derselben, da man bey den Landleuten selten einen Obstbaum antrifft, der nicht entweder einen Krebs- oder einen sonstigen andern Schaden hat.

Von dem Ertrage des Buchweitzens sowohl als des Hanfs und Flaches läßt sich eigentlich nichts mit Gewißheit angeben, den Erstere sit bekanntlich eine sehr unsichere Fruchtart, die wenn sie mal gut geräth, wohl für einige Jahre Ersatz liefert; allein dies ist jetzt doch ein seltener Fall, und in acht Jahren nicht passirt. – Die Eingesessenen werden sich daher besser stehen, wenn sie statt Buchweitzen, Roggen oder Weißweitzen säen könnten, eine Fruchtart, die wenn keine besondere Unglücksfülle eintreten, doch fast jedes Jahr mehr oder weniger gut geräth. – Hanpf und Flachs-Bau macht den Haupt-Wohlstand der Gemeinde aus und läßt sich der rohe Ertrag der jährlich aus dem Leinewande gemacht wird, wohl auf 30. bis 40,000 Rt.[11] angeben. – Der Saame muß dagegen für baares Gelde angekauft werden, und es gehen dafür jährlich nach Maaßgabe des Preises, welcher zuweilen um die Hälfte differirt, 3- bis 4000 Rt.[12] aus; indeß legen sich die Eingesessenen immer mehr darauf den Saamen selbst zu ziehen; welches in vorigen Zeiten fast gar nicht geschah.

XI. Viehstand.

Was die Pferde anbetrifft, deren Anzahl sich nach der lezten Aufnahme auf 286 über 2 Jahren und 78 unter 2 Jahren belief – so sind solche zwar nicht von einer vorzüglichen Race, den es fehlt überall an guten Weiden, sie sind indeß auch nicht von der schlechtesteh Art, denn es fallen mitunter Pferde von mitler Größe die 15 à 20 Pistolen[13] werth sind.

Hornvieh wird in einer ziemlich großen Menge gehalten, so daß Butter und Kälber nach Münster und andern Oertern häufig gebracht, wo solche mit großem Nutzen verkauft werden. Die Eingesessenen halten indeß doch weit mehr auf Milch- als Schlacht-Vieh, und zwar schon aus dem Grunde, weil es ihnen an guten Weiden fehlt; es muß daher auch das mehrste Vieh auf dem Stalle gefüttert werden.

XII. Ertrag der Jagd etc.

Die Jagd ist jetzt nicht mehr so einträglich wie in frühern Jahren; bey guten Jahren mögen etwa 60 bis 70 Haasen, 90 Hühner und 20 – 30 Schnepfen geschossen werden, wofür ein jährliches Pachtquant[um] von 20 Rt. bezahlt werden muß. Grobes Wild giebt es hier, außer einige wenige Rehe, gar nicht. – Der Vogelfang ist bei Jahren ziemlich gut, indeß hat derselbe doch seit mehreren Jahren auch mercklich abgenommen, welches vielleicht durch eine stärkere Nachstellung in andern Ländern herrührt. – Aus der Bienenzucht wird nicht sehr viel gemacht; es sind jedoch einzelne Eingesessene die seit einigen Jahren angefangen haben, sich mehr darnach zu legen. – Besonders schädliche und merckwürdige Thiere giebt es hier nicht.

XIII. Post- und Landstraßen

Die von Lengerich über hier kommenden reitenden und fahrenden Berliner Posten, so von hier weiter über Versmold & Halle nach Bielefeld gehen, berühren hier weiter keine Ortschaften als die Sectionen Hoeste, Westerbeck, Dorf Lienen und die daran liegende Bauerschaft Dorfbauer. Ersteren beiden Oerter bleiben jedoch in der Nähe nach Süden hin lincks liegen. Die Landstraße ist übrigens nur ein Landweg von Lienen bis Glane aber ein aufgeworfener Damm, welcher schon mit Steinen belegt worden wäre, wenn von Seiten der Hochlöblichen Regierung ein Unterstützung dazu bewilliget würde.

14. [!] Unterabtheilung der Gemeinde.

Außer acht Bauerschaften hat die hiesige Gemeinde keine Unterabtheilung; diese heißen Dorfbauer, Aldrup, Westerbeck, Hoeste, Meckelwege, Holzhausen, Kattenvenne & Holperdorp. – Die hier vorhandenen Forsten gehören zur Rentey Lengerich, wovon die Ober Behörde – Ober-Forstamt – seinen Sitz in Münster hat. In weltlichen Sachen gehört dieselbe bisher noch unter den Jurisdictions-Bezirck Tecklenburg; in geistlichen hingegen unter den für die Grafschaft Tecklenburg interimistisch ernannten Supperintendenten Herrn Werelmann zu Wersen.

Lienen den 5ten May 1817

Der Bürgermeister

Kriege

[1] Gemeindearchiv Lienen, Bestand 1/16

[2] Am Rand: „No. 2262: Folgende Fragen ersuche ich noch unter derselben zu beantworten. 10. May [18]17 R[e]g[ierungs]. Com[missar] [Unterschrift]“

[3] Am Rand: „Welches ist die Normal Breite und Tiefe dieses bachs bey gewöhnlichem Sommerwasserstand? – Die Normal-Breite ist ungefehr 7 Fuß Rheinländisch; und die Tiefe bey gewöhnlichem Sommerwasserstand 1-2 Fuß Rheinländisch.“ [In Preußen zählte ein „Rheinfuß“ 313,85 mm]

[4] ein Scheffelsaat = 1717 Quadratmeter.

[5] Am Rand: „Liegt der Kahlenberg im Bezirk Lienen, wo [eigentlich: wenn] nicht, welches ist in diesem Bezirk dann die höchste Spitze; wie hoch ist diese ungefähr? – Der Kahlenberg gehört noch zum Bezirk Lienen; derselbe lässt sich ungefehr nach der Meresfläche auf 200. – 250 Fuß Rheinländisch angeben.“

[6] Anmerkung am Rand mit Bleistift: „Nein, die höchste Spitze ist in Westerbeck, H.“ – Möglicherweise stammt diese Anmerkung vom Amtmann Adolf Hagedorn (1871-1947), der von 1919 bis 1932 Amtmann und Bürgermeister von Lienen war. Dieser ordnete das Gemeindearchiv neu. Seine Ergebnisse veröffentliche er 1925 im Heimatjahrbuch des Kreises Tecklenburg: Hagedorn, Adolf, Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Lienen und des Kreises Tecklenburg 1700-1815, in: Heimatjahrbuch des Kreises Tecklenburg 1925, S. 7-76.

[7] Quadratruten

[8] Am Rand: „In welcher Quaelitaet werden diese Mineralien gewonnen, wo werden sie vorzüglich benutzt und zu Gelde gemacht? – Die jährlich gewonnen werdende Quartel-Sandsteine mag sich ungefehr auf 200 Fuder belaufen, welche an Ort und Stelle mit 6 ggl. [Goldgulden] pro Fuder bezahlt werden. Ausfuhr findet nicht statt. – Kalksteine soviel als wovon ungefehr 500. Riegel Kalk gebrandt werden können. Derselbe wird hier hauptsächlich zu Gelde gemacht und benutzt. Das Wenige was davon ausgeführt wird ist wohl zu 100-200 Riegel anzugeben. Thon wird soviel gewonnen als wovon circa 48.000 St[ück]. Backsteine und Pfannen gemacht werden können. Diese werden gröstentheils hier benutzt und zu Gelde gemacht.

[9] Am Rand: „Wie steht es mit den Kartoffeln? – Diese werden hier in einer ziemlichgroßen Menge gebaut, und in guten ergiebigen Jahren mit zur Fütterung des Viehes benuzt; in schlechten Jahren aber müssen sie dem gemeinen Mann das Brodkorn ersetzen. Der Ertrag davon mag sich ungefehr auf 40-45000 hiesige Scheffel belaufen. Ausgeführt werden fast gar keine.“ [ein Scheffel = 44 Liter].

[10] Quadratruten

[11] Reichstaler

[12] Reichstaler

[13] eine Pistole = fünf Reichstaler

Der Ursprung des Namens Windmöller

Von Dr. Christof Spannhoff

Der Lienener Hof- und Familienname Windmöller ist nicht schwer zu erklären. Es handelt sich um eine Ableitung mit -er-Suffix zur „Täterbezeichnung“ (Nomen agentis) vom niederdeutschen Wort Windmol(l)e ‚Windmühle‘. Der Windmöller ist also sprachlich gesehen derjenige, der eine Windmühle betreibt oder in der Nähe einer Windmühle wohnt. Schwieriger ist jedoch das Motiv der Benennung zu bestimmen, denn in der Nähe des Hofes in Lienen-Holzhausen (Kattenvenner Str. 72) war bislang keine Windmühle festzustellen.

Eine Vermutung

Aus diesem Grunde hat Wilhelm Wilkens die Vermutung aufgestellt, dass der Name vom Hof Möller in Lienen-Aldrup (Handieker Damm 13), der von 1580 bis 1774 als Olde Windtmoller u.ä. erscheint (Leesch, S. 246), auf den Hof in Holzhausen übertragen worden sei (Wilkens, S. 157). Denn: In der Nähe des Aldruper Hofes Möller befand sich bis ca. 1910 auf dem Warbrink, südlich des Kibben Hiemels, eine Windmühle (ebd., S. 157). Diese Mühle gehörte ursprünglich zum nicht mehr existierenden Hof Brockhoff, einem Oberhof (curtis) des Klosters Vreden (Brons, S. 29f., 49, 66f.), der ebenfalls in Lienen-Aldrup in der Nähe des Warbrinks lag. Am 6. Februar 1677 belehnte die Vredener Äbtissin Graf Johann Adolf zu Bentheim-Tecklenburg mit diesem Brockhoff samt der dazu gehörigen Windmühle (LA NRW AW, Tecklenburg-Lingen, Kammerbehörden, Nr. 635).

Mühle bereits 1391 erwähnt

Erst seit diesem Jahr war die Aldruper Windmühle also eine gräfliche Mühle. Die Ursprünge der Aldruper Windmühle gehen mindestens ins 14. Jahrhundert zurück, denn bereits 1391 wurde Lodewick Haken von der Vredener Äbtissin mit besagtem Brockhoff, der Windmühle und sonstigem Zubehör belehnt (ebd.).

Es bleiben Fragen

Doch stimmt ein Umstand nachdenklich: Üblicherweise sind Höfe mit der Bezeichnung alt jüngere Abzweige älterer Höfe. Sie sind aus dem sogenannten Altenteil – der Leibzucht – entstanden (daher die Kennzeichnung mit alt) und haben durchweg eine geringere Größe. So ist z.B. Alte König Abzweig des Hofes König (Wilkens, S. 230, 231), Alteholz Abzweig zu Holthaus (Wilkens, S. 294, 299f., ), Alteschmedt zu Schmedt auf der Günne (Wilkens, S. 297, 306), Altesellmeier zu Sellemeier (Wilkens, S. 338, 344), Altekruse zu Kruse (Wilkens, S. 263, 334) etc. – und eben nicht umgekehrt. Somit müsste auch Olde Windtmoller (heute Möller) ein Abzweig zu Windmöller in Holzhausen sein. Noch 1774 ist Windemöller als 1/5-Erbe klassifiziert, während Alte Windemöller (heute Möller) als kleineres 1/8-Erbe eingeordnet wird (Leesch, S. 251, 246).

Gab es eine Windmühle in Lienen Holzhausen?

Es gilt also nach Hinweisen auf eine Windmühle in Holzhausen in der Nähe des Hofes Windmöller zu suchen. Ein Anhaltspunkt findet sich im „Kornrenten- und Mühlenpachtregister der Grafschaft Tecklenburg von 1567“ (LA NRW AW, Sammlung Fot. 587). Neben der Water Molle tho Linen, die mit der „Neuen Mühle“ in Holzhausen (früher Niemöller, heute Baumhöfner) zu identifizieren ist, wird darin auch eine Winth Molle to Linen als gräfliche Mühle erwähnt. Um die Windmühle auf dem Warbrink in Aldrup kann es sich bei dieser Mühle nicht gehandelt haben, da die Aldruper Mühle erst 1677 in Tecklenburger Besitz überging (s.o.). Diese Mühle muss also an einem anderen Ort gestanden haben. Das „Inventar des Nachlasses des Grafen Adolf von Tecklenburg von 1623“ (LA NRW AW, Sammlung Fot., Nr. 593) birgt die Lösung. Darin heißt es unter der Rubrik „Möllen und Deiche [Teiche]“ auf S. 107: „Item die Niemölle neben einer Windtmöllen und darbei gelegenen Deiche [Teich].“ In unmittelbarer räumlicher Nähe befanden sich also die „Neue Mühle“, eine Windmühle und ein Teich. „Neue Mühle“ und Teich sind heute noch vorhanden. Nur die Windmühle, die dem Hof und Hofbesitzer Windmöller den Namen gab, existiert nicht mehr. Vermutlich wurde sie aufgegeben, als der Tecklenburger Graf 1677 mit der Vredensche Windmühle auf dem Warbrink belehnt worden war. Der Name Windmöller ist also ursprünglich in Holzhausen entstanden und der Hof Möller (Handieker Damm 13) hat seinen Namen (Olde Windtmoller) von dem Holzhausener Hof Windmöller erhalten – nicht umgekehrt.

Quellen und Literatur

  • LA NRW AW = Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen
  • Brons, Bernhard, Geschichte der wirtschaftlichen Verfassung und Verwaltung des Stiftes Vreden im Mittelalter, Münster 1907.
  • Leesch, Wolfgang (Bearb.), Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, Münster 1974.
  • Wilkens, Wilhelm, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004.

Der Tod des Salzschmugglers Bernhard Scheckelhoff aus Glandorf

Von Dr. Christof Spannhoff

Von 1814/15 bis 1866 war die Lienener Grenze zu den heutigen niedersächsischen Nachbargemeinden Hagen a. T. W., Bad Iburg (mit eingemeindetem Glane) und Glandorf Staatsgrenze zwischen den Königreichen Hannover und Preußen. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert bestand hier eine Territorialgrenze zwischen der Grafschaft Tecklenburg bzw. dem Königreich Preußen und dem Hochstift Osnabrück.

Akzise als Ursache der Schmuggeltätigkeit

Im Jahr 1727 wurde in der preußischen Grafschaft Tecklenburg die sogenannte Akzise eingeführt – eine Verbrauchssteuer und wichtigste städtische Abgabe an den preußischen Staat. Um die Einkünfte aus dieser Akzise zu steigern, wurden Handel und Gewerbe auf dem Lande stark eingeschränkt. Die Städte Ibbenbüren, Lengerich und Westerkappeln erhielten in diesem Zusammenhang die Stadtrechte. Auf diese Weise sollten möglichst alle Unternehmungen, die dem Akzisezwang unterlagen, an Städte gebunden werden, wo sie einer scharfen Steuerkontrolle unterworfen wurden. Hinzu kam, dass die Landbevölkerung, die im Einzugsbereich der Städte wohnte, verpflichtet war, akzisepflichtige Güter in der Stadt zu kaufen und somit ebenfalls diese Verbrauchssteuer zu entrichten. Aus diesem Grunde entwickelte sich in den Grenzorten eine starke Schmuggeltätigkeit (Gladen, S. 9f.).

Besonders begehrt war auf preußischem Gebiet das „weiße Gold“ – Salz, das zur Buttereinsalzung und Fleischkonservierung benötigt wurde. Seitdem 1728 die Rothenfelder Solequellen entdeckt worden waren, aus denen wegen des hohen Solegehaltes mit wenig Energieaufwand qualitativ hochwertiges Salz gewonnen werden konnte, entwickelte sich auch eine rege Schmugglertätigkeit in das benachbarte Preußen. Denn: das preußische Salz war – aufgrund des staatlichen Salzmonopols – teurer und von schlechterer Qualität (Westheider, S. 195–201).

Heutige Schmuggel-Anekdoten verstellen den Blick

Die oftmals in unterhaltsamer oder gar humoriger Weise erzählten oder niedergeschriebenen Schmuggelgeschichten, in denen oftmals den obrigkeitlich bestellten Grenzaufsehern oder behördlichen Vertretern ein „Schnippchen“ geschlagen wird, erwecken den Anschein, das Schmuggeln sei damals ein „Kavaliersdelikt“ gewesen. Doch verharmlosen diese Geschichten die historische Realität, denn der Schmuggel wurde als „Defraudation“ (Steuerhinterziehung, Unterschlagung, Betrug) betrachtet und dementsprechend geahndet, wenn sich der Schleichhändler erwischen ließ. Auf in regelmäßigen Abständen aufgestellten Warntafeln wurde auf das Verbot des unkontrollierten Grenzübertritts aufmerksam gemacht. Bei Nicht-Einhaltung dieses Verbots hatten die Grenzbeamten Schieß- bzw. Stichbefehl (Westheider, S. 190). Der Vorgang des Schmuggelns selbst bedeutete also damals ein Spiel mit der eigenen Gesundheit oder gar mit dem Leben, das aus Existenznot eingegangen wurde, wie auch nachfolgender Fall anschaulich belegt, der im Lienener Gemeindearchiv dokumentiert ist:

Der Tod des Glandorfer Salzschmugglers Bernhard Scheckelhoff

Am 24. November 1820 erreichte das königlich preußische „Inquisitoriat“ (Kriminaluntersuchungsbehörde) in Münster ein Schreiben der Iburger Amtsbehörde (Königreich Hannover), in dem folgender Sachverhalt geschildert wird:

Dem Schreiben nach wollte der Iburger „Amtsunterthan“ Bernhard Scheckelhoff mit zwei „Preußischen Untertanen“ am Abend des 19. November – einem Sonntag – von Schwege aus Salz nach Lienen über die Grenze schmuggeln, als die drei Schleichhändler von zwei Zollaufsehern zu Pferde, die aus Richtung Lienen kamen, überrascht wurden. Die Schmuggler warfen die Salzsäcke ab und versuchten zu fliehen. Jedoch wurde Bernhard Scheckelhoff von einem Zollaufseher mit gezogenem Säbel verfolgt und durch mehrere Hiebe am Kopf verletzt. Der verwundete Schmuggler wurde in das Haus des Schullehrers Aubke in Schwege gebracht. Trotz einer „chirurgischen Behandlung“ erlag Scheckelhoff zwei Tage später am 21. November mittags um 12 Uhr seinen Verletzungen. Die Leichenschau, die am 23. November vorgenommen wurde, ergab, dass der Leichnam Scheckelhoffs „vorzüglich zwey Kopfwunden“ aufwies, „deren eine 2 ½ Zoll [1 Zoll = 2,6 cm] lang durch die Haut und 2 Zoll lang durch den Hirnschädel bis auf die, jedoch unverletzt gebliebene dura mater [Hirnhaut], die andere 2 ¾ Zoll lang bis auf den Knochen, jedoch ohne diesen zu verletzen, gedrungen und deren jede ersichtlich mit einem scharfen Instrument beygebracht war. Außerdem fanden sich an Hautwunden eine an der rechten Seite der Nase, eine am linken Backen, eine an der rechten Hand, eine am linken Schienbein, und sowohl über dem rechten Auge als am rechten Schulterblatt zwey Contusionen [Prellungen], und ergab alles zusammen eine äußerst gewaltsame Mißhandlung.“

Vor seinem Tode konnte Scheckelhoff dem Schullehrer Aubke noch den genauen Tathergang schildern. Nach Aubkes Aussage war der Schmuggler „während der Erzählung des ganzen Vorfalles bey voller Besinnung gewesen, nach etwa 10 Minuten sprach- und besinnungslos geworden, und biß an seinen Tod geblieben“. Bauer Langhorst, auf dessen Grund und Boden sich der Vorfall ereignet hatte, und Schullehrer Aubke besichtigten den Tatort und fanden „auf 500 Schritte rück- und vorwärts viele Pferde- und Menschentritte und Sprünge von der Hasenbergswiese an aber erst Blutspuren ergeben, und dort alles ein Flüchten zu Fuße und Verfolgen zu Pferde im Schnee bezeichnet.“

Der Tatverdächtige

Wegen des Totschlags an Scheckelhoff forderte die Iburger Amtsbehörde die Ermittlung des Täters. Unter dringendem Tatverdacht stand der Lienener Zollaufseher Jach, „weil der unglückliche Schekelhoff den Tod auf der Zunge, wohl nicht log, wenn er zwey Reuter [Reiter] auf sich zu kommend, sich von den einen so mißhandelt und diese von der Direction [aus der Richtung] von Lienen kommend angiebt.“ Da die beiden Lienener Zollaufseher zu Pferde Jach und Willigmann waren, fiel der Verdacht auf die beiden. Zudem waren beide Zollaufseher zur Tatzeit am Sonntagabend nicht zu Hause gewesen. Dass es sich um Zollaufseher gehandelt haben musste, wurde damit begründet, „weil Räuber zu Pferde in hiesigen Gegenden nicht vorhanden sind, und wären sie es, einen armen flüchtenden Bauer nicht verfolgen würden, daher die Vermuthung am ersten auf Zollbediente fällt.“ Zudem wurde angeführt, dass der Zollaufseher Jach ein „rauer gefühlloser Mensch“ gewesen sei und zudem das Gerücht umherging, dass Jach „sich abends den 19 ten Sonntags nach seiner Rückkehr gerühmt haben soll: er habe drey Salzträger erhascht und den einen davon tüchtig zugerichtet, und endlich weil Jach sich des noch an seinen Händen klebenden Bluthes gerühmt haben soll.“ Aus diesem Grunde war Jach des Totschlags an Bernhard Scheckelhoff dringend verdächtig.

Der Schleichhändler Bernhard Scheckelhoff aus Glandorf bezahlte also im Jahr 1820 für den Schmuggel mit dem „weißen Gold“ mit einem sehr hohen Preis – nämlich mit seinem Leben!

Quellen und Literatur

  • Gemeindearchiv Lienen, A 496: Acta criminalia die Ermordung eines hannov[erschen] Unterthans im Preuß[ischen] Teritor[ium], Novemb[er] 19 – 1820.
  • Gladen, Albin, Der Kreis Tecklenburg an der Schwelle des Zeitalters der Industrialisierung, Münster 1970.
  • Westheider, Rolf, Versmold. Eine Stadt auf dem Weg ins 20. Jahrhundert, 2. Aufl., Bielefeld 1999.

Der Ortsname Meckelwege

Von Dr. Christof Spannhoff

In seinem 2014 erschienenen Beitrag mit dem ungelenken und wenig spezifischen Titel „Frühzeitliche Gegebenheiten und Geschehnisse im Gemeinwesen Lienen“[1] behauptet der promovierte Theologe Wilhelm Wilkens – in Ablehnung meiner Erklärung[2], weil sie angeblich nicht ausreichend sei[3] –, das Grundwort des Namens Meckelwege (zwischen 1216 und 1224 Mikelwede) – wede – weise nicht ausschließlich auf Wald, sondern auf die „Vielfalt der auch durch das Nass geprägten Landschaft“.[4] Da diese Ansicht allerdings allein auf willkürlicher Raterei Wilkens‘ beruht, sei an dieser Stelle noch einmal meine Argumentation mit dem notwendigen Belegmaterial veröffentlicht.

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Namen bzw. die in ihnen enthaltenen Wörter zur Kennzeichnung des Objektes, das sie benennen, geben einen aufschlussreichen Einblick in die Zeit, in der sie entstanden sind – denn Namen sind zunächst bei ihrer Erstverwendung keine sinnlosen Sprachzeichen, sondern durch einen Gegenstand motivierte Bezeichnungen.[5] Diese Erkenntnis geht bereits auf Jacob Grimm (1785-1863), den Begründer der deutschen Philologie und Altertumswissenschaft, zurück. In seinem 1840 erschienenen Aufsatz „Über hessische Ortsnamen“ schreibt er: „Alle eigennamen sind in ihrem ursprung sinnlich und bedeutsam: wenn etwas benannt wird, muss ein grund da sein, warum es so und nicht anders heisst. Allein diese bedeutung galt für die zeit des ersten nennens und braucht’ nicht zu dauern; der name wird leicht und bald zur abgezognen bezeichnung, deren man sich fort bedient, ohne sich ihres anfänglichen gehalts zu erinnern. Bei dem häufigen erbleichen und verdunkeln der eigennamen ist also grosse vorsicht anzuwenden, wenn man sie recht erklären will; es reicht nicht hin, mit allen veränderungen, welche die sprache im lauf der zeiten erfahren hat, vertraut zu sein, auch die vorstellungsweise und der geist des alterthums in allen seinen bezügen muss dafür zu rath gezogen werden. Eben deshalb verbreitet ihre ergründung licht über die sprache, sitte und geschichte unserer vorfahren.“[6]

Somit geben z. B. Ortsnamen vielfach Auskunft über die Beschaffenheit der Landschaft zum Zeitpunkt der Namengebung, verweisen auf menschliches Siedeln, Kultivieren und Wirtschaften und verraten manchmal etwas über die sozialen und rechtlichen Gegebenheiten vergangener Zeiten. Namen sind also ein Stück Kulturgeschichte. Für den Namenforscher gilt deshalb, wenn er aus Namen historische Erkenntnisse ziehen möchte, diese an die Wörter einer Sprache anzuschließen, um die geschichtliche Information, die der Name konserviert hat, erkennen und erschließen zu können.

Um diese Information im Namen sichern zu können, ist die Suche nach den ältesten Belegen eines Ortsnamens unabdingbare Voraussetzung. Der Namenforscher muss somit oftmals weit in die Vergangenheit zurückblicken. Er hat es also mit historischen Sprachen und Sprachstufen zu tun, mit geschwundenem Wortgut und nicht mehr gebräuchlichen grammatischen Strukturen und muss zudem auch über fundiertes historisches Wissen verfügen, denn die Namenkunde ist ein Teil der historischen Sprachwissenschaft. Der Namenforscher ist also Sprachwissenschaftler und Historiker zugleich. Um die älteren Formen eines Namens aufzuspüren, muss er zunächst als Historiker tätig werden. So auch im Fall Meckelweges:

Der Ortsname Meckelwege begegnet erstmals zwischen 1216 und 1224 in einer nicht datierten Urkunde des Bischofs Adolf von Osnabrück (1216-1224) in der Form Mikelwede.[7] 1230 heißt es Mikelenwede[8], 1284 Mekelwede[9]. 1402/1404 Mekelwede[10], 1410-1424 [1423?] Mekelwede[11], 1424-1437 [1433?] Mekelwede[12], 1580 Meckelwihe[13], 1621 und 1634 Meckelwiehe[14], 1643 Mekelwege[15], und 1673 Meckelweg[16]. Während alle übrigen Formen im Nominativ als Stammkompositum stehen, erscheint das Bestimmungswort im Beleg von 1230 als flektierte Dativ-Singular-Form, die sich vermutlich aus dem Syntagma to deme / bi deme mikelen[17] wede ergeben haben dürfte.[18]

Das Bestimmungswort: altsächsisch mikil – mittelniederdeutsch mekel

Zur Analyse dieses historischen Befundes muss der Namenforscher nun zum Sprachwissenschaftler werden: Die überlieferten Formen zeigen, dass es sich bei dem Namen Meckelwege um eine Zusammensetzung (Kompositum) – wie z. B. Haus-Tür – handelt, deren Bestimmungswort eindeutig an das altsächsische Adjektiv mikil ‚groß‘ anzuschließen ist.[19] Durch die sogenannte mittelniederdeutsche Zerdehnung wurde der Kurzvokal i zu e gesenkt, wodurch die mittelniederdeutsche Form mekel entstand.[20] Diese lautliche Entwicklung hat sich auch in den belegten Formen des betrachteten Siedlungsnamens niedergeschlagen, wie die Nachweise ab 1284 belegen.

Das Wort ist aus dem heutigen Sprachgebrauch geschwunden. Während das Adjektiv ursprünglich in allen germanischen Sprachen vertreten war (gotisch mikils, altnordisch mikill, angelsächsisch micel, mycel, altsächsisch mikil, mittelniederdeutsch michel [hier bereits mit Einfluss des Mittelhochdeutschen], aber auch mekel[21], althochdeutsch mihhil, mittelhochdeutsch michel; urverwandt mit lateinisch mag-nus, griechisch μεγας. Die Grundbedeutung ist ‚erwachsen‘), ist es nach dem Mittelalter geschwunden und findet sich nur noch in oberdeutschen Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts häufiger. Bereits vor Mitte des 16. Jahrhunderts ist das Wort größtenteils ausgestorben und hat sich nur noch in Ortsnamen erhalten.[22] So hat der Name Meckelwege weitere Parallelen: Meckelenhorst (Neustadt/Rübenberge; um 1260: Mekelenhorst; zu altsächsisch *hurst, mittelniederdeutsch horst ‚Busch, Strauch, Gesträuch‘[23], also: ‚großer Busch, großes Gesträuch‘), Meckelhorst (Weerseloh/Overijssel; 10 Jh.: Mikulunhurst), Mecklenheide (Hannover; 1387: uppe der Meckelen heyde)[24] sowie Mecklenberg, Mecklenburg, Mecklendorf, Meckelesch und Meckelfeld.[25]

Das Grundwort: altsächsisch *widu – mittelniederdeutsch wede

Das Grundwort des Namens ist mitteniederdeutsch wede in der Bedeutung ‚Holz, Wald, Niederwald‘.[26] Das Wort entstand – wie mikil > mekel – ebenfalls durch die mittelniederdeutschen Zerdehnung (i > e) aus dem zufällig nicht belegten altsächsischen Wort *widu ‚Holz, Wald, Niederwald‘ (* bezeichnet eine schriftlich nicht belegte, aber zwingend zu erschließende Wortform). Das Wort lässt sich aus altsächsisch wideri, widari ‚Holzfäller, Waldarbeiter, Holzwerker‘[27] und den dem Altsächsischen am nächsten verwandten, besser überlieferten Sprachen, dem Altenglischen und dem Althochdeutschen, erschließen: althochdeutsch witu ‚Holz, Wald, Niederwald‘ und altenglisch widu ‚Holz, Wald, Niederwald‘.[28] Während dieses germanische Waldwort im Englischen als wood ‚Wald‘ weiter lebt, ist es als eigenständiger Ausdruck im Deutschen geschwunden. Nur in Zusammensetzungen wie Wiedehopf, altsächsisch widuhoppa[29] ‚Waldhüpfer‘, Langwiede ‚Stange zwischen Vorder- und Hintergestell des Ackerwagens‘, eigentlich ‚Langholz‘[30] und Wehdwinde, wörtlich ‚Holzwinde‘ (Schlingpflanze)[31], ist es noch zu finden. Dass das Wort ursprünglich ebenfalls in Krammetsvogel und Krambamboli enthalten ist – beide aus mittelhochdeutsch kranewite – ‚Wacholder‘, wörtlich eigentlich ‚Kranichholz‘[32], lässt sich anhand der gegenwärtigen Formen nicht mehr erkennen.

Der Name Meckelwege diente also ursprünglich zur Benennung eines ehemals vorhandenen großen Waldgebietes. Meckelwege ist wörtlich übertragen der ‚Groß-Wald‘ oder ‚große Wald‘.

wede > wege

Zu erklären ist nun noch die Entwicklung des Namengrundwortes von wede zu wege, die sich mit Zwischenstufen zwischen 1402/1404 und 1643 vollzogen hat (s. Belegreihe). Bei diesem Lautwandel handelt es sich um kein Einzelphänomen des Namens Meckelwege, sondern ist im niederdeutschen Namenbestand häufiger zu finden. Einige Beispiele mögen dies verdeutlichen: Esterwegen/Hümmling (1223: Hesterwede), Frenswegen/Grafschaft Bentheim ([1394?]: Frendesweda), Langwege/Dinklage (1464: Lanckwede), Osterweg/Versmold (1160: Hostrowiden), Osterwie/Freren (1303: Osterwede; 16. Jh.: Oestwyge), Hollwege/Westerstede (1107: Holewide).[33]

Dieser Lautwandel ist damit zu erklären, dass hier eine Umdeutung des Grundwortes vorliegen muss, weil es von der Sprechergemeinschaft nicht mehr verstanden wurde. Die Bedeutung des Wortes altsächsisch *widu, mittelniederdeutsch *wede muss also spätestens im 17. Jahrhundert nicht mehr bekannt gewesen und das Wort als solches nicht mehr benutzt worden sein. Deswegen wurde das Namengrundwort an das bekannte Wort Weg (altsächsisch weg, mittelniederdeutsch wech[34]) angeglichen.[35] Dieser Vorgang wird auch dadurch bestätigt, dass Namen mit dem Grundwort –wede in einigen Fällen auch an wedel ‚Übergangsstelle‘ angepasst werden konnten.[36] Der Name Meckelwege ist also als ‚großer Wald‘ bzw. ‚Siedlung bei dem großen Wald‘ (1230: Mikelenwede; s. Belegliste) zu erklären. Es handelt sich ursprünglich also um keinen primären Siedlungsnamen, sondern um einen Flurnamen, der dann auf den Siedlungsverband übergegangen ist.

‚großer Wald‘ bzw. ‚Siedlung bei dem großen Wald‘

Die Deutung des Namens Meckelwege als ‚großer Wald‘ ist bereits lange in der einschlägigen namenkundlichen Literatur vertreten worden.[37] Trotzdem haben sich in das Lienener Heimatschrifttum zwei Fehlinterpretationen eingeschlichen, die hier kurz referiert und dann begründet zurückgewiesen werden sollen:

Friedrich Ernst Hunsche schließt das Bestimmungswort des Namens richtig an altsächsisch mikil ‚groß‘ an, jedoch irrt er bei der Identifizierung des Grundwortes wede, das er falsch zu Weide ‚Grasland‘ stellt.[38] Doch heißt die Weide ‚Grasland‘ im Altsächsischen weiða[39], im Mittelniederdeutschen weide[40], und eben nicht wede. Somit bleibt als Deutung des Namens nur ‚großer Wald, großes Waldgebiet‘. Der Name Meckelwege gibt sich also als ursprünglicher Flurname zu erkennen, der erst später sekundär auf die Siedlung überging.

Sprachhistorisch nicht nachzuvollziehen und nicht nachzuweisen sowie ohne Berücksichtigung des altsächsischen und mittelniederdeutschen Wortschatzes ist die Deutung von Wilhelm Wilkens. Als sprachwissenschaftlicher und namenkundlicher Laie ist er dem „limnophilen Unsinn“ (Paul Derks)[41] von Hans Bahlow auf den Leim gegangen, wie das Literaturverzeichnis ausweist.[42] Wilkens schreibt: „Zugrunde liegen die beiden Wasserworte mek/mik/muk und wede/wege/wiehe. Die Verdoppelung der Wasserstämme (mek + wede) meint das umfängliche Naßgebiet [!]. In alten Urkunden gibt es auch die Namensform Mikelwede, die auf altdeutsches [!] michil (möglicherweise abzuleiten von dem Erzengel Michael) weist und damit die Mächtigkeit des Naßgebietes bezeichnen würde. Wege in der zweiten Hälfte des Namens weist auf wiehe zurück. Wiehe aber ist Name [!] des an der Südgrenze der Bauernschaft [!] fließenden Bachs. Der Name hat sich also in den Wiehe-Höfen erhalten.“[43]

Alle diese Behauptungen von vermeintlichen Wortbedeutungen sind in dieser Form nicht nachzuweisen. Es gibt diese Wörter mit dieser Bedeutung nicht! Ohne die notwendigen Nachweise sind die in Vorschlag gebrachten Wörter und ihre vermeintlichen Bedeutungen allerdings nichts als reine Spekulation.

Der Name Meckelwege ist also als ‚großer Wald/großes Waldgebiet‘ zu erklären. Dass diese Deutung auch den historischen Tatsachen Rechnung trägt, liegt auf der Hand: Noch in einer frühen Phase der mittelalterlichen Besiedlung waren große Gebiete Westfalens bewaldet. Der Wald war aber damals kein ungenutzter, lebensfeindlicher Raum, sondern eine natürliche Ressource für das alltägliche Leben der damaligen Menschen von kaum zu überschätzender Bedeutung. Der Wald erfüllte eine wichtige Funktion bei der Viehhaltung, insbesondere bei der Schweinemast mit der sogenannte „Waldweide“. Neben dem Futter für das Vieh bot er auch dem Menschen ein breites Reservoir an Nahrung und Heilkräutern. Das Holz des Waldes war ein multifunktional eingesetzter Werkstoff, aus dem Gerätschaften, Wagen, Behältnisse, Essgeschirr etc. gefertigt wurden. Auch im Hausbau und als Energielieferant zum Kochen, Backen und Heizen war Holz der Rohstoff Nummer eins.[44] Der Wald wurde also vom Menschen wirtschaftlich genutzt. Deshalb wurden die genutzten Gehölze auch benannt, um sie näher zu identifizieren. Die vielfältige Nutzung des Waldes schlägt sich auch in den zahlreichen Wörtern zu seiner Bezeichnung nieder: brake, busch, forst, holz/holt, horst, loh, wald, *widu/wede etc.[45]

Der Wald hatte also eine große kulturgeschichtliche Bedeutung, die sich in zahllosen Flur- und daraus sekundär entstandenen Siedlungsnamen widerspiegelt – auch im Namen Meckelwege.

[1] Wilkens, Wilhelm, Frühzeitliche Gegebenheiten und Geschehnisse im Gemeinwesen Lienen, in: Kattenvenne. Das Dorf mit seiner Entwicklung, hrsg. v. d. Kattenvenne 1312 eG, Lengerich 2014, S. 22–44, hier S. 36f.

[2] Spannhoff, Christof, Der Ortsname Meckelwege, in: Ders., Alles für die Katz’? Eine historische Anthologie zum Jubiläum „700 Jahre Kattenvenne“, Norderstedt 2013, S. 92–100.

[3] Wilkens, Gegebenheiten, S. 36, Anm. 64.

[4] Ebd., S. 36.

[5] Schütte, Leopold, Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800, Münster 2007, S. 240f.

[6] Grimm, Jacob, Über hessische Ortsnamen, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 2 (1840), S. 132–154, hier S. 133.

[7] Osnabrücker Urkundenbuch, 7 Bde., Osnabrück 1892–1996 (im Folgenden: OUB ), Bd. II, Nr. 67 [1216–1224, kein Ausstellungsort angegeben], Original.

[8] OUB II, Nr. 250 [1230, Iburg], Abschrift 17. Jahrhundert.

[9] OUB IV, Nr. 133 [1284, Osnabrück], Original.

[10] Die mittelalterlichen Lehnbücher der Bischöfe von Osnabrück, bearb. v. Hermann Rothert, Nachdruck d. Ausg. Osnabrück 1932–35, Osnabrück 1977, S. 78

[11] Ebd., S. 116.

[12] Ebd., S. 147.

[13] Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, bearb. v. Wolfgang Leesch, Münster 1974, S. 62.

[14] Ebd., S. 62f.

[15] Ebd., S. 124.

[16] Ebd., S. 142.

[17] mikilun, mikilon – Dativ Singular Maskulinum zum altsächsischen Adjektiv mikil ‚groß‘. Vgl.: Tiefenbach, Heinrich, Altsächsisches Handwörterbuch. A Concise Old Saxon Dictionary, Berlin u. New York 2010, S. 273. Hier auch die Belegstellen aus dem appellativischen Wortschatz.

[18] Vgl. auch: Mecklenheide (Hannover; 1387: uppe der Meckelen heyde). Siehe: Ohainski, Uwe u. Udolph, Jürgen, Die Ortsnamen des Landkreises und der Stadt Hannover, Bielefeld 1998, S. 318.

[19] Tiefenbach, Handwörterbuch, S. 273.

[20] Lasch, Agathe, Mittelniederdeutsche Grammatik, 2., unveränd. Aufl., Tübingen 1974, §§39–41 (allgemein); §§ 88–90 (o : a); §§ 104–109 (i : e). Ferner: Lasch, Agathe, Die mittelniederdeutsche Zerdehnung, in: Ausgewählte Schriften zur niederdeutschen Philologie, hrsg. v. Robert Peters u. Timothy Sodmann, Neumünster 1979, S. 281–307.

[21] Ohainski / Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 318.

[22] Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, 16 Bde. [in 32 Teilbänden], Leipzig 1854–1960, Bd. 12, Sp. 2169f; Udolph, Jürgen, Der Ortsname Magdeburg, in: Magdeburger Namenlandschaft. Onomastische Analysen zu Stadt und Region in Geschichte und Gegenwart, hrsg. v. Armin Burkhardt u.a., Frankfurt a. M. u.a., S. 67–96, hier S. 67.

[23] Zum Wort horst sehr ausführlich mit umfassender Forschungsdiskussion: Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck in Westfalen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Gladbeck/Westf. 2009, S. 130–148.

[24] Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 318.

[25] Udolph, Magdeburg, S. 78f.

[26] Schiller, Karl u. Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875–1881, Bd. V, S. 643. Hier auch weitere Belege aus dem appellativischen Wortschatz.

[27] Tiefenbach, Handwörterbuch, S. 459. Diese Bezeichnung für den ‚Waldarbeiter‘ ist durch Ableitung (Derivation) des Wortes altsächsisch *widu ‚Wald‘ mit dem Suffix althochdeutsch, altsächsisch –ari (von lateinisch –arius), mittelhochdeutsch, mittelniederdeutsch –ere, hochdeutsch, niederdeutsch –er gebildet worden, wie z.B. Arbeit-er. Vgl.: Kluge, Friedrich, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearb. v. Elmar Seebold, 24. durchges. u. erw. Aufl., Berlin u.a. 2002, S. 251. Allerdings hat Leopold Schütte mit guten Gründen neuerdings darauf aufmerksam gemacht, dass auch die Möglichkeit besteht, das Wort wideri als Bezeichnung für den ‚Weidenflechter, *Seiler‘ aufzufassen und es somit zu altsächsisch wiða ‚Weide‘ (salix) zu stellen. Die Berufsbezeichnung wideri ist also nicht mehr unmittelbar als Sicherung für altsächsisch *widu ‚Holz, Wald‘ in Anspruch zu nehmen. Vgl.: Schütte, Leopold, Enlope lude und Verwandte. Bezeichnungen für eine soziale Randgruppe in Westfalen im Mittelalter, in: Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 77 (1990), S. 29–74, hier S. 60, Anm. 121; Derks, Paul, In pago qui dicitur Moswidi. Beiträge zur Ortsnamenkunde der Nordheide, Buchholz/Nordheide 1999, S. 6.

[28] Borck, Karl-Heinz, Zur Bedeutung der Wörter holz, wald, forst und witu im Althochdeutschen, in: Festschrift für Jost Trier zu seinem 60. Geburtstag, hrsg. v. Benno von Wiese u. Karl Heinz Borck, Meisenheim 1954, S. 456–476. Vgl. auch Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Stadt Sprockhövel. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Bochum 2010, S. 87 mit Nachweisen des Wortes im althochdeutschen und altenglischen appellativischen Wortschatz.

[29] Tiefenbach, Handwörterbuch, S. 459.

[30] Kluge, Wörterbuch, S. 557.

[31] Kluge, Wörterbuch, S. 977.

[32] Kluge, Wörterbuch, S. 534.

[33] Jellinghaus, Hermann, Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern, 3., verm. Aufl., Osnabrück 1923, S. 166f.

[34] Derks, Gladbeck, S. 127, mit Nachweisen.

[35] Scheuermann, Ulrich, Die Flurnamen des westlichen und südlichen Kreises Rotenburg (Wümme), Rotenburg/Wümme 1971, S. 288.

[36] Ebd., S. 288.

[37] Jellinghaus, Ortsnamen, S. 167.

[38] Hunsche, Friedrich Ernst, Lienen am Teutoburger Wald. 1000 Jahre Gemarkung Lienen, hrsg. v.d. Gemeinde Lienen, Lienen 1965, S. 249. Hunsche schreibt: „Meckelwege war ehedem, als auch die Flur Kattenvenne bis etwa 1650 noch dazugehörte, die größte Bauerschaft der Gemeinde Lienen. Dies besagt auch der alte Name ‚Mikelwede’ = große Fläche oder Weide.“

[39] Kluge, Wörterbuch, S. 979.

[40] Schiller/Lübben V, S. 653.

[41] Derks, Gladbeck, S. 12. Vgl. ferner die Rezensionen zu Bahlows toponymischen Arbeiten: Schützeichel, Rudolf, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 101 (1965), S. 343; Hessmann, Pierre, in: Deutsche Literaturzeitung für Kritik der internationalen Wissenschaft 87 (1966), S. 595–597; Wesche, Heinrich, in: Niederdeutsches Jahrbuch 89 (1966), S. 184–191; Kleiber, Wolfgang, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, Jg. 118, Bd. 203 (1967), S. 285–286; Hartig, Joachim, in: Anzeiger für deutsches Altertum 79 (1968), S. 49–54; Reichardt, Lutz, Nachfolger Hans Bahlows, in: Beiträge zur Namenforschung, N.F. 31 (1996), S. 398–406.

[42] Wilkens, Wilhelm, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004, S. 253. Wilkens arbeitet leider ohne Anmerkungen, weshalb nur der Blick in das Literaturverzeichnis (S. 406) erahnen lässt, woher er seine angeblich dem Namen Meckelwege zugrunde liegenden „Wasserwörter“ bezieht.

[43] Mit den „Wiehe-Höfen“ scheint Wilkens die Folgenden, in alten Schatzungsregistern unter Meckelweger aufgeführten Bauern zu meinen: 1580 Johan in dem Wihe, 1621 Johan in der Wie und Hinrich in dem Wie, 1634 Johan in der Wie, Anna Wiemans und Hinderich in der Wie, 1643 Wyheman, Hinrich Wyheman, 1755 Wiehmann und Henr. Wiehman. Vgl.: Leesch, Höferegister, S. 64–65, S. 124, S. 203. Die Flurbezeichnung Wihe, Wyhe, Wie, Wieh ist aber ebenfalls nicht auf ein Wasserwort zurückzuführen, sondern auf das im Ortsnamen Meckelwege enthaltene altsächsische Wort *widu ‚Wald, Holz‘, im Flurnamen ohne Zerdehung des Vokals i zu e und mit Ausfall des Dentals –d zwischen zwei Vokalen nach dem Tonvokal (vgl. rüde > rü’e; lüde > lü’e etc. Siehe dazu: Lasch, Grammatik, § 326). Belegt ist dieser Flurname Wie auch für Westerkappeln. So nennt der Wersener Pfarrer Gerhard Arnold Rump in seinem Geschichtswerk über die Grafschaft Tecklenburg aus dem Jahr 1672 ein Gehölz Wye zu Seiste. Rump, Gerhard Arnold, Des Heil. Röm. Reichs uhralte hochlöbliche Graffschafft Tekelenburg. Mit einem Nachwort hrsg. v. Christof Spannhoff, 3. Nachdruck der Ausgabe Bremen 1672, Tecklenburg 2012, S. 19. Vgl. ferner: Spannhoff, Christof, Wiemann. Derjenige, der am Wald wohnt, in: Spannhoff, Christof, Von Schale bis Lienen. Streifzüge durch die Geschichte des Tecklenburger Landes, Norderstedt 2012, S. 86–88.

[44] Jarren, Volker, Hiltruper Höfe und Familien im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Besiedlung, Bevölkerung und Landwirtschaft im Münsterland, Bielefeld 1999, S. 114f.

[45] Vgl. auch Derks, Sprockhövel; Derks, Gladbeck. Hier auch umfangreiche weiterführende Literatur zum Thema.