Wer war Gerhard Arnold Rump?

Von Dr. Christof Spannhoff

Der Verfasser der ältesten Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg war Pfarrer des Tecklenburgischen Dorfes Wersen (heute Gemeinde Lotte)

Im Jahre 1672 erschien in Bremen bei dem Buchdrucker Herman Brauer die älteste Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg unter dem ausschweifenden Titel „Des Heil. Röm. Reichs uhralte hochlöbliche Graffschafft Tekelenburg / Aus viel und mancherley alten glaubwürdigen Geschicht=Büchern und Briefschafften / zwar kurtz / aber doch eigend= und ordentlich aus schuldiger Liebe des Vatterlandes beschrieben / und Auff resp. Gn. Befehl / Geheiß und Begehren hoher und vornehmer Leute ans Licht gegeben Durch Gerhardum Arnoldum Rumpium, Tekeleburgensem, V.D.M in Wersen“.

Wer war Gerhard Arnold Rump?

Doch wer war der Verfasser dieser 144-seitigen Schrift, die für die Zeit ihrer Abfassung – die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts – wertvolle Informationen über den Zustand sowie Land und Leute der Grafschaft Tecklenburg enthält? – Aus dem Titel geht hervor, dass der Autor – latinisiert Gerhardus Arnoldus Rumpius – oder deutsch Gerhard Arnold Rump – aus Tecklenburg gewesen ist, der als Pfarrer in Wersen tätig war (V.D.M. = Verbi Divini Minister = Diener des göttlichen Worts). Er wurde am 13. November 1629 in Tecklenburg als jüngster Sohn des dortigen Stadtpfarrers Arnold Rump und der Regine Wassenberg geboren. Ebenfalls Geistlicher in Tecklenburg war Arnold Rumps Vater Dietrich Rump seit 1574 gewesen (+ 27. Juni 1606). Dieser Vorfahr Dietrich (lateinisch Theodor) Rump wurde anno 1540 in Nottuln westlich von Münster geboren.

Ausbildung

Gerhard Arnold Rump begann seine Ausbildung sicherlich an der Tecklenburger Lateinschule, ab 1643 soll er in Osnabrück die Schule besucht haben. In Bremen studierte er Theologie, später, ab 1651, an der reformierten Universität in Kassel. Im gleichen Jahr taucht sein Name auch in den Matrikeln der Universitäten Genf und Basel auf. Im November 1652 beendete Rump sein Studium in Basel bei dem Alttestamentler Theodor Zwinger. Rump kehrte in seine Heimat Tecklenburg zurück und wurde am 19. März 1653 zum zweiten Prediger in Westerkappeln ernannt. Dort heiratete er am 17. Juni 1654 Anna Elsabein von Bippen, eine Tochter des örtlichen gräflichen Vogts. Am 8. April 1655 wurde Rump als Pfarrer in Wersen eingesetzt, der er bis zu seinem Tode am 20. Januar 1691 blieb.

Motivation des Verfassers

Welche Motivation aber bewegte Rump, sein Werk zu verfassen? Die Historikerin Brigitte Jahnke vermutet nachvollziehbar, dass er aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation seiner Pfarrei Wersen bestrebt war, eine der lukrativeren Pfarrstellen zu erhalten, die jedoch in der Tecklenburger Grafschaft nicht breit gesät waren. Daher könnte Rumps Interesse darin bestanden haben, sich mit seinem Werk beim Tecklenburger Grafen, der als summus episcopus („oberster Bischof“) seiner reformierten Grafschaft die Pfarrstellen besetzte, bekannt und beliebt zu machen. Dies könnte auch die Widmung erklären, die das Werk sowohl dem regierenden Grafen Mauritz von Bentheim-Tecklenburg (1623–1674) als auch seinen drei Söhnen Wilhelm, Hans Adolf und Friedrich Mauritz als möglichen Nachfolgern sowie den Burgmännern und Besitzern der landtagsfähigen Häuser der Grafschaft zueignete. Der Rest der gräflichen Familie blieb von der Zueignung unbeachtet. Offiziell verfasste Rump seine Geschichte der Grafschaft Tecklenburg aus Liebe zu seiner Heimat, was er durch die Reime bekräftigte:

Ich weiß nicht mit was Süssigkeit

Des Vatterlands Anmüthigkeit

Den Menschen zeucht also daß Er

Solchs in Vergeß stellt nimmermehr (S. 8)

Wers Vatterlands Geschicht beschreibt / Ein nütz- und köstlich Arbeit treibt (S. 14).

Quellen und Literatur

  • Jahnke, Brigitte, Der Tecklenburger Geschichtsschreiber Gerhard Arnold Rump. Mit einem Anhang: Auszug aus dem ersten Kirchenbuch der evangelischen Kirchengemeinde Wersen, in: Tecklenburger Beiträge I, hrsg. v. Geschichts- und Heimatverein Tecklenburg, Tecklenburg 1988, S. 54–66.
  • Krusy, Hans (Bearb.), Genealogia Rumpiorum, in: Deutsche Stammtafeln, Bd. 6, hrsg. v. Johannes Hohlfeld, Leipzig 1938, S. 172–187.
  • Rump, Gerhard Arnold, Des Heil. Röm. Reichs uhralte hochlöbliche Graffschafft Tekelenburg, Bremen 1672, 1. Nachdruck Bremen 1935, 2. Nachdruck Tecklenburg 1988.

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