Die Bewohner der Grafschaft Tecklenburg im Jahr 1672

Von Dr. Christof Spannhoff

Beschreibung des Wersener Pfarrers Gerhard Arnold Rump aus dem Jahre 1672.

Wie der Wersener Pfarrer Gerhard Arnold Rump seine Tecklenburger Mitmenschen sah, darüber gibt er in seiner Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg aus dem Jahr 1672 mit dem Titel „Des Heil. Röm. Reichs uhralte hochlöbliche Graffschafft Tekelenburg […]“ Auskunft. Diese Beschreibung ist eine wichtige kulturgeschichtliche Quelle, weil der Verfasser – selbst Kind des Tecklenburger Landes (Rump wurde am 13. November 1629 in Tecklenburg geboren und war zum Zeitpunkt der Abfassung seiner Beschreibung als Pfarrer im Kirchspiel Wersen tätig) – seine Mitmenschen und ihre Lebensverhältnisse sehr gut kannte.

„Von dero Einwohner Leben und Sitten“

Im dritten Kapitel des ersten Teils mit dem Titel „Von dero Einwohner Leben und Sitten“ schreibt er (S. 23–25): „Die Einwohner dieser Grafschaft seind wie ins gemein alles Westfählische Volck nicht heßlich sondern schön und hübsch auch zimblich=guter Natur / starck von Leibe und kühn von Gemüthe“. Als besonders positiven kulturellen Einfluss wertet Rump immer noch die Christianisierung, die seinerzeit bereits gut neun Jahrhunderte in der Vergangenheit lag. Der christliche Glaube habe mit der Zeit veranlasst, dass zur Zeit der Abfassung von Rumps Schrift, fast alle „gemeinen Bewohner und Haußleute“ des Tecklenburger Landes ihre Kinder „von Jugend auff“ fleißig zu Schule schickten, wo sie Lesen, Rechnen und Schreiben lernten. Zudem stand auf dem damaligen Lehrplan der Unterricht in der ganzen Heiligen Schrift, sowohl im Neuen als auch im Alten Testament. Die Tecklenburger besäßen in ihren Häusern neben der Bibel „auch andere nützliche Bücher zu täglichen Gebrauch und gottseliger Ubung“. Der landsässige Adel und die wohlhabenden Einwohner der Tecklenburger Grafschaft sandten ihre Kinder auf „weitberühmte hohe Schulen“ innerhalb und außerhalb Deutschlands, wo sie die „freyen Künste“ und fremde Sprachen erlernten. Aus dem Tecklenburger Land seien daher berühmte Rechtsgelehrte, erfahrene Mediziner und tüchtige Theologen („fleißige Lehrer Göttliches Worts“) und Lehrer hervorgegangen und werde solches auch weiterhin geschehen, so Rump. Konkrete Beispiele bleibt er allerdings schuldig. Das Schulwesen und die Bildung der Tecklenburger sah Rump also als recht gut an.

Titel RumpDie Titelseite von Rumps Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg.

Handel, Essgewohnheiten und Feierlichkeiten

Vom Handel schreibt der Pfarrer: „Viele von den Einwohnern in der Stadt / wie auch auff den Dörffern treiben Kauffmannschafft / handeln sonderlich mit Linnenwand nach Amsterdam / Embden und Bremen / üben auch sonsten allerley Handwercke: Das Weiber=Volck ist mit fleißig in Spinnen und Weben“. Es scheint sich hier um die Ergebnisse der Förderung der Leinwandherstellung durch den Tecklenburger Grafen nach dem Dreißigjährigen Krieg zu handeln. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Leinenproduktion ein wichtiger Wirtschaftszweig des Tecklenburger Landes. Jedoch gelang anschließend nicht der Schritt zur industriellen Fertigung wie im benachbarten Ravensberg.

Ferner geht Rump in diesem Kapitel auf die Essgewohnheiten und Festivitäten ein: „Ihre gemeine Speise ist häußerlich und sparsamblich / der Tranck Bier / oder auch wol (des Winters sonderlich) der berühmte Grüßing.“ Bei letztgenanntem Getränk handelte es sich um ein mit Gagelstrauch versetztes Kräuterbier. „Das junge Volck macht sich gerne lustig mit singen und springen auff den Kirchmessen / Hochzeiten / Kindtauffen / Haußbörungen / Kistenfüllungen und dergleichen Gastereyen.“ Unter den „Haußbörungen“ verstand man damals die Richtfeste, unter den Kistenfüllungen das Zusammenstellen und Verpacken des Brautschatzes, was zunächst in einer Kiste, später auf einem Wagen geschah. Berücksichtigung findet auch das Erbrecht in Rumps Beschreibung: „Unter den Freyen erbet der elteste Sohn der Eltern liggende Gühter; Unter den Leibeigenen aber gemeiniglich der Jüngste.“ Abschließend bemerkt der Wersener Pfarrer noch: „Und ob wol diese Grafschafft zwischen dem Stifft Münster und Oßnabrück belegen / so den Gregorianischen Calender angenommen und gebrauchen / so ist sie doch alß eine allodial Kayserliche freye Grafschafft / bey den gebrauch des alten Calenders bißher allzeit verblieben.“

Quelle

Rump, Gerhard Arnold, Des Heil. Röm. Reichs uhralte hochlöbliche Graffschafft Tekelenburg, Bremen 1672, 1. Nachdruck Bremen 1935, 2. Nachdruck Tecklenburg 1988.

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