Weinanbau in Tecklenburg

Von Dr. Christof Spannhoff

Seit nunmehr 30 Jahren wird in Tecklenburg Weinfest gefeiert (erstmals 1989) und bereits seit 1987 gibt es in dem Burgstädtchen auch wieder einen Weinberg. Damals wurden zwischen März und Mai 100 Rebstöcke auf 500 Quadratmetern unterhalb der Jugendherberge angebaut.[1] Dabei knüpften die Verantwortlichen der Verkehrs- und Wirtschaftsgemeinschaft Tecklenburg (VWG) an eine bis dahin längst vergangene Zeit an. Denn in Tecklenburg wurde vermutlich bis in die Frühe Neuzeit hinein Wein angebaut. Nur noch der Straßenname „Am Weingarten“ auf der Südseite des Ortes erinnerte an diese Zeit, bis der neue Weinberg Ende der 1980er Jahre angelegt wurde.

Die Geschichte des Tecklenburger Weinbaus ist aber nicht nur eine Geschichte geänderter westfälischer Trinkgewohnheiten, sondern auch eine Geschichte des heimischen Klimas der letzten 1000 Jahre. Denn die mehrere Jahrhunderte andauernde Unterbrechung der Produktion von Rebensaft war auch einer Kälteperiode geschuldet, die heute als die „Kleine Eiszeit“ bezeichnet wird. Durch den Rückgang der Temperaturen verschob sich auch die Weinbaugrenze in Deutschland nach Süden.

Die Anfänge des Weinbaus in Tecklenburg dürften – wie andernorts in Westfalen auch – im Wärmeoptimum des Hochmittelalters liegen. 1183/1190 besaßen die Klöster Corvey und Abdinghof bei Paderborn nachweislich heimische Weinberge. Das sind die ersten Nachrichten überhaupt für westfälischen Weinbau. Um 1370 legte der münsterische Bischof unterhalb seiner Burg Telgte einen Weinberg an.[2] In dieser Zeit dürften spätestens auch die Tecklenburger Grafen einen Weinberg angelegt haben.

Allerdings stammen die ersten Hinweise, die sich überhaupt vom Tecklenburger Weinbau erhalten haben, erst aus einer Zeit, als die „Kleine Eiszeit“ bereits begonnen hatte. Es ist daher fraglich, ob damals überhaupt noch Wein angebaut und geerntet wurde, oder ob es sich bei diesen Nachrichten nur um Relikte aus mittelalterlicher Zeiten handelte: 1577 finden wir in einem Tecklenburger Schatzungsregister einmal den Hofnamen „Wingardener“.[3] Der Besitzer des Hofes besaß zwei Kühe, ein Rind und zwei Schweine, für die er Abgaben zu zahlen hatte. Der Hofname geht aber eindeutig auf einen Flurnamen „Wingarden“ zurück, in dessen Nähe der Hof lag. Möglicherweise ist dieser Wingarden mit dem südlichen Tecklenburger Weinberg identisch.

Zudem muss es auf der Tecklenburger Nordseite einen weiteren Weinberg gegeben haben, denn in einem anderen Schatzungsregister von 1580 erscheint unter den Einwohnern des Kirchspiels Ledde ein „Frederich vff den Wingartten vnder Tecklenburg“.[4] Auch dieser Eintrag verweist auf einen Flurnamen „Wingartten“, von dem allerdings nicht zu sagen ist, ob zur Erwähnungszeit auch noch Wein angebaut wurde oder ob der Weingarten damals bereits nur noch ein Name war.

In einem Inventar des Grafen Adolf von Tecklenburg aus dem Jahr 1623/24 findet sich unter den Ländereien ein „apffelhoff am Weingarten“.[5] Hier ist also von einem Apfelgarten in unmittelbarere Nachbarschaft zu einem Weingarten die Rede. Es könnte damit also noch ein in Nutzung stehender Weinberg gemeint gewesen sein. Auch bei Schloss Neuhaus bei Paderborn und Schönholthausen (Kreis Olpe) wurden 1618/20 die dortigen Weinberge noch bewirtschaftet.[6]

In seiner Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg aus dem Jahr 1672 weiß der Autor, der Wersener Pfarrer Gerhard Arnold Rump, dann allerdings nichts mehr von Weinanbau in Tecklenburg. In seiner Aufzählung der Erzeugnisse der Grafschaft Tecklenburg schreibt er nur von gutem Bier, das hier gebraut werde.[7] Hier zeigt sich deutlich eine weitere Entwicklung: Das seit dem Spätmittelalter haltbarer gewordene Bier und der aufkommende Branntwein stellten eine ernsthafte Konkurrenz für den westfälischen Wein dar, den sie schließlich gänzlich im 17. Jahrhundert verdrängten.[8]

 

[1] Ruth Jacobus, Stets das Wohl der Stadt im Blick. 30 Jahre VWG, in: Westfälische Nachrichten/Tecklenburger Landbote vom 28. Januar 2017.

[2] Wilfried Reininghaus, Die vorindustrielle Wirtschaft in Westfalen. Ihre Geschichte vom Beginn des Mittelalters bis zum Ende des alten Reiches, 3 Bde., Münster 2018, Bd. 1, S. 358f.

[3] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen (LAV NRW AW), Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 225, fol 69r.

[4] LAV NRW AW, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 226, fol. 69v.

[5] Inventar des Nachlasses des Grafen Adolf von Tecklenburg von 1623, LA NRW AW, Sammlung Fot., Nr. 593, S. 101.

[6] Reininghaus, Wirtschaft, S. 360.

[7] Gerhard Arnold Rump, Des Heil. Röm. Reichs uhralte höchlöbliche Graffschafft Tekelenburg, Bremen 1672, S. 18–22.

[8] Reininghaus, Wirtschaft, S. 360.

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Wann wurde Glandorf erstmals schriftlich erwähnt?

Von Dr. Christof Spannhoff

Der Name des Ortes Glandorf im heutigen Landkreis Osnabrück erscheint erstmals in der Form „in Glanathorpe“ in einer Urkunde des Bischofs Benno II. von Osnabrück (1068–1088). In diesem Schriftstück bekundet der Osnabrücker Bischof, dass auf seine Veranlassung der Edle Volchard, als er Domherr zu Osnabrück werden wollte, der Kirche des heiligen Clemens zu Iburg (ecclesię sancti Celmentis in Iburg) den Hof in Helfern (curtem Halveri) mit drei Hörigen (cum tribus mancipiis), eine Hufe in Büttrup (in Budelingthorpe) mit zwei Hörigen und eine Hufe in Hesseln (mansum in Haselino) mit einem Hörigen und dem Recht, zur Zeit der Eichelmast 30 Schweine und einen Eber in die Glandorfer Mark zu treiben, übertragen hat. Er erhielt dafür ein Geldlehen von drei Pfund auf Lebenszeit für sich und seine Erben Aveza, Adalger und Konrad.[1] Allerdings hat das im Original überlieferte Dokument zwei Schönheitsfehler: Es enthält zum einen keinen Ausstellungsort und ist zum anderen nicht datiert. Da die Ersterwähnung eines Ortsnamens aber sehr häufig die Grundlage für Ortsjubiläen darstellt[2], ist ein fehlendes Entstehungsdatum des Schriftstückes natürlich sehr misslich. Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Urkunde zeitlich näher einordnen lässt. Eine genauere Datierung kann hierbei aber weniger auf Basis äußerer Merkmale, als vielmehr aufgrund inhaltlicher Hinweise erfolgen:

Zunächst einmal lässt sich die Entstehungszeit des Dokuments grob durch die Amtszeit des Ausstellers der Urkunde, des Osnabrücker Bischofs Benno II., auf die zwei Jahrzehnte zwischen 1068 und 1088 eingrenzen. Einen weiteren Anhalt bietet der in dem Schriftstück ebenfalls genannte Vogt (advocatus) Liudolf. Diesen identifiziert der Historiker Josef Prinz als den damaligen Vogt der Osnabrücker Kirche.[3] Da ab September 1074 ein anderer Osnabrücker Kirchenvogt namens Eberhard in der Überlieferung erscheint[4], kann Liudolf dieses Amt nur bis spätestens zu diesem Zeitpunkt ausgeübt haben. Liudolf scheint also der Vorgänger (Vater) von Eberhard gewesen zu sein. Durch diesen Umstand ergibt sich, dass auch die Urkunde, in der Liudolf noch als amtierender Kirchenvogt erscheint, vor September 1074 ausgestellt worden sein dürfte. „September 1074“ ist also der sogenannte terminus ante quem, also der Zeitpunkt, vor dem das Dokument ausgestellt wurde.[5] Damit ist die Entstehungszeit der Urkunde mit guten Gründen nun bereits auf die Jahre zwischen 1068 und 1074 einzugrenzen.

Einen terminus post quem, also den Zeitpunkt, nach dem das Dokument abgefasst worden ist, gewinnt man durch den Adressaten oder Empfänger der Urkunde: die Iburger Clemens-Kirche. Allerdings ist ihr Entstehungsdatum bisher nicht zweifelsfrei geklärt. Für Ihre Entstehungszeit werden zwei Daten angesetzt: Die Lebensbeschreibung des Osnabrücker Bischofs Benno II. (Vita s. Bennonis II episcopi Osnabrugensis), die zwischen 1090 und 1110 vom Iburger Abt Norbert verfasst wurde[6], erwähnt den Bau der Kirche nach einem Ereignis, das im Sommer 1073 stattfand.[7] Damit ergäbe sich ein Entstehungszeitraum der fraglichen Urkunde zwischen Sommer 1073 und Sommer 1074.[8] Allerdings hat der Archivar Horst-Rüdiger Jarck eine andere Entstehungszeit der Iburger Clemens-Kirche vorgeschlagen. Die Erwähnung des Baus der Kirche steht nämlich in keinem kausalen und zeitlichem Zusammenhang mit dem zuvor berichteten Ereignis zum Jahr 1073.[9] Die Einrichtung der Kirche muss also nicht erst nach 1073, sondern könnte auch bereits früher erfolgt sein. Dafür gibt es einen weiteren Anhalt. Denn es existiert ein Dokument, das die Gründung der Iburger Clemens-Kirche auf das Jahr 1070 datiert. Dabei handelt es sich um eine Weihenotiz für die Kirche und die Reliquien im Hochaltar, die das Datum 23. November 1070 aufweist: anno dominice incarnationis millesimo LXX; indictione VIIII; VIIII Kl. Decembris hec basilica a venerabili Pennone Osnabruggensi episcopo dedicata est… („Im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1070, Indiktion 9, 9 Tage vor den Kalenden des Dezembers ist diese Kirche vom ehrwürdigen Osnabrücker Bischof Benno geweiht worden“)[10] Doch auch diese Notiz birgt ein Problem. Es handelt sich nämlich nicht um das ursprüngliche Original, sondern um ein erneuertes und erweitertes Schriftstück, das erst nach 1106 entstanden sein kann. Diese Datierung ergibt sich daraus, dass in der erhaltenen Weihenotiz Reliquien genannt werden, die erst 1106 nach Iburg kamen.[11] Jarck hält das Weihedatum des 23. Novembers 1070 aber trotzdem für belastbar, weil es eine Besonderheit aufweist, die eine mögliche nachträgliche Fälschung nicht aufweisen würde: die Indiktionszahl. Darunter versteht man eine Jahresbezeichnung des Mittelalters. Ihr Zyklus ist 15jährig und beginnt drei Jahre vor der christlichen Zeitrechnung. Man errechnet die Indiktionszahl dadurch, dass man die Jahreszahl (z.B. 1070) um drei vermehrt und dann durch 15 teilt: 1070 + 3 = 1073 : 15 = 71 Rest 8. Die Indiktionszahl für das Jahr 1070 wäre also 8 (VIII). Die Datierung der Weihenotiz enthält aber die Indiktionszahl 9 (VIIII). Diese Indiktionszahl erklärt sich dadurch, dass die Weihenotiz nach der damals gebräuchlichen Indiktio Bedana datiert ist, die das Jahr bereits am 24. September beginnen lässt. Diese Besonderheit hätte ein möglicher neuzeitlicher Fälscher nicht wissen können. Für das Jahr 1070 spricht nach Jarck zudem die Tradition im Kloster Iburg, die dessen Gründung auch noch in der Frühen Neuzeit auf 1070 festlegt.[12] Somit ergibt sich für die Urkunde, in der der Ortsname Glandorf erstmals erwähnt wird, ein Entstehungszeitraum, der nicht genauer als zwischen 1070 und 1074 angesetzt werden kann.

Hinsichtlich der Frage einer belastbaren Grundlage für ein Ortsjubiläum ist allerdings das Jahr 1074 anzusetzen, denn in diesem Jahr dürfte das Dokument auf jeden Fall vorgelegen haben. Die Feier eines Ortsjubiläums zur 950. Wiederkehr der ersten Erwähnung des Ortsnamens Glandorf ist also im Jahr 2024 zu empfehlen.

 

[1] Osnabrücker Urkundenbuch (OUB), Bd. I, Nr. 162, Original. Neuedition: OUB V, Nr. 3. Danach auch die Identifizierung von Budelingthorpe als Büttrup. Da der Bearbeiter des ersten Bandes des Osnabrücker Urkundenbuches, Friedrich Philippi, die spätere Argumentation von Josef Prinz (s.u.) noch nicht kannte, datiert Philippi die Urkunde auf zwischen 1070 und 1088.

[2] Ingrid Heeg-Engelhart, Die erste Erwähnung eines Ortes. Anmerkungen zur Problematik historischer Jubiläen und deren Erforschung, in: Historische Jubiläen. Planung – Organisation – Durchführung, hrsg. v. Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V., München 2000, S. 87–105; Hans Roth, Historische Jubiläen zwischen Anspruch und Wirklichkeit, in: ebd., S. 7–18, hier S. 10–12.

[3] Joseph Prinz, Das Territorium des Bistums Osnabrück, Göttingen 1934, S. 103f. mit S. 104, Anm. 1.

[4] OUB I, Nr. 170, Abschrift Anfang des 18. Jahrhunderts.

[5] Der Datierung auf 1074 schließt sich auch an Günther Wrede, Geschichtliches Ortsverzeichnis des ehemaligen Fürstbistums Osnabrück, 3 Bde., Hildesheim 1975–1980, Bd. 1, S. 185, Nr. 490. Merkwürdigerweise übernimmt auch Horst-Rüdiger Jarck in OUB V, Nr. 3 die Datierung von Prinz, obwohl er um die Problematik des Ansatzes der Weihe eines Iburger Clemensaltars erst 1073/74 weiß (s.u.). Horst-Rüdiger Jarck, Zur Gründungsdatierung des Klosters Iburg, in: Iburg. Benediktinerabtei und Schloß. Beiträge zum 900. Jahrestag der Klostergründung, zusammengestellt v. Manfred G. Schnöckelborg, hrsg. v. der Stadt Bad Iburg, Bramsche 1980, S. 49–56. Vgl. dazu auch in anderem Zusammenhang Christof Spannhoff, Zur Datierung des Güterverzeichnisses Bischof Bennos II. von Osnabrück für das Kloster Iburg, in: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2017, S. 95–104.

[6] Zur Datierung der Vita Bennonis II: Michael Tangl, Das Leben des Bischofs Benno II. von Osnabrück von Norbert, Abt von Iburg. Nach d. neuen Ausg. d. Monumenta Germaniae in den Scriptores rerum Germanicarum, Leipzig 1910. Die Vita muss nach 1090 abgefasst worden sein, weil im Text der Tod des Gegenkönigs Hermann von Salm (+ 1090) erwähnt wird, und muss vor 1110 entstanden sein, weil Klemens (+ 1110) als amtierender Papst genannt ist. Daraus ergibt sich eine Datierung zwischen 1090 und 1110.

[7] Vita Bennonis II episcopi Osnabrugensis auctore Norberto abbate Iburgensi, bearb. v. Harry Bresslau, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores in Folio 30, Teil 2, Leipzig 1934, S. 869–892, Kapitel 15, S. 880f.

[8] Hierauf fußt auch die Datierung von Prinz für die Urkunde auf 1074. Prinz, Territorium, S. 103f.

[9] Jarck, Gründungsdatierung, S. 50–52.

[10] OUB I, Nr. 161 = OUB V, Nr. 1. Eberhard wird zwar nicht als advocatus genannt. Da er aber an erster Stelle der Zeugenreihe noch vor dem Waldric, dem Grafen der Grafschaft, in der der Sachverhalt verhandelt wurde, genannt wird, dürfte man auf diese Stellung schließen können.

[11] Jarck, Gründungsdatierung, S. 52f.

[12] Jarck, Gründungsdatierung, S. 53. Jarck führt zudem weitere neuzeitliche Hinweise an, die ebenfalls auf die Altarweihe im Jahr 1070 bzw. vor 1072 deuten. Ebd., S. 54f.

Vom Barlo(h) zur Barlage

Zur Entwicklung eines Flur- und Familiennamens (Bardelmeier, Barlage)

Von Dr. Christof Spannhoff

Familiennamen geben Einblicke in die Verhältnisse der Zeit, in der sie entstanden sind. Ein Teil dieses Namentyps geht ursprünglichen auf die Bezeichnung der Wohnstätte zurück, wo die Namenträger lebten. In diesen Wohnstätte-Namen haben sich oftmals auch ältere Flurnamen erhalten, was daher rührt, dass Wohnstätten häufig nach ihrer geographischen Lage bezeichnet wurden. Wenn man also den Entstehungsort eines Namens durch die Lokalisierung der Wohnstätte genau feststellen kann, lässt sich auch die im Namen enthaltene Flurbezeichnung verorten, wodurch weitergehende Aussagen für die Lokalgeschichte gemacht werden können.

Der Flurname Barlage

Zu einem solchen Familiennamen gehört auch der Hofname Bardelmeier (Ellerhooksweg 1, 49536 Lienen, Kreis Steinfurt). Der Name erscheint erstmals 1643 in den Tecklenburger Viehlisten in der Form Barlemeyer[1], 1755 und 1774 als Barrelmeyer[2], 1833 schließlich Bardelmeyer[3]. Die Belege zeigen, dass das –d erst später eingeschoben worden und für die Deutung des Namens ohne Belang ist.[4] Aufgrund der Nähe der Stätte zur noch heute so bezeichneten Flur Barlage ist zudem anzunehmen, dass die 1580 genannte Hofstelle Kerstien uff der Barlage (1621 Cerstien upr Baerlage, 1634 Kerstien uffr Barlage)[5] ebenfalls mit der Hofstelle Bardelmeier gleichzusetzen ist. Aus sprachlicher und historischer Sicht ist nun der Zusammenhang der Namen Barlage und Bardelmeier interessant. Aufgrund der Ähnlichkeit der Namen im Erstglied (bar-) und wegen der räumlichen Nähe der benannten Objekte (Flurstück und bäuerliche Stätte) zueinander, ist eine Beziehung beider Namen zu unterstellen. Der Flurname ist eine Zusammensetzung mit dem Grundwort mittelniederdeutsch lage ‚Lage, Stelle, Platz‘, das zur Wortfamilie um liegen und legen gehört.[6] Das Bestimmungswort ließe sich an mittelniederdeutsch bar ‚nackt, bloß‘ anschließen.[7] Der Flurname hätte demnach eine nackte – d.h. mit wenig Vegetation bewachsene – Stelle bezeichnet.

Der Familienname Bardelmeier

Doch mahnt die Analyse des Familiennamens Bardelmeier zur Vorsicht. Der älteste Beleg des Namens von 1643 (s.o.) zeigt, dass er eindeutig mit dem Grundwort –meyer gebildet wurde. Dieses Grundwort wurde in Anlehnung an die großen Meier-Höfe (von lateinisch maior domus ‚Verwalter eines Herrenhofes, einer Villikation‘) später – nach Auflösung der Villikationsverfassung – auch in Verbindung mit einem näher bestimmenden Zusatz (Beispiele: Feld-meier, Fang-meier, Horst-meier etc.[8]) zur Benennung von kleineren landwirtschaftlichen Stätten verwendet.[9] Schwieriger ist jedoch das Bestimmungswort zu ergründen: Barle- oder Barrel-. Der Vergleich mit ähnlichen Namen lässt vermuten, dass hier eine Zusammensetzung mit dem Grundwort lo(h) ‚Wald in Niederwaldwirtschaft, Nutzwald‘ vorliegt[10], ursprünglich also eine Form *Barlo(h) anzunehmen ist. Zu vergleichen ist etwa die lautliche Entwicklung von 1277 Ringelo[11] zu Ringel (bei Lengerich, Kreis Steinfurt), 1282–1306 Setlo[12] zu Settel (bei Lengerich/Steinfurt), um 1150 Espelo[13] zu Espel (bei Lingen/Ems) für die Form Barrel- sowie 1621 Verlo zu 1634 Verle (heute noch im Hof- und Familiennamen Verlemann[14] und schließlich 1254 Barlo[15] zu Barle (Wüllen/Ahaus) für die Form Barle-. Auch die Form Bardel, die in der heutigen Schreibung des Namens Bardelmeier begegnet, ist eine mögliche lautliche Entwicklung aus *Barlo(h), wie der älteste Beleg des Ortsnamens Bardel bei Gildehaus zwischen Bentheim und Gronau beweist: 1188 in Barlo > Bardel[16]. Vor allem die beiden letzten zum Vergleich herangezogenen Namen stützen die Vermutung, dass auch dem Bestandteil Barle im Namen Barlemeyer eine ursprüngliche Flurbezeichnung *Barlo(h) zuvor liegt. Barlemeyer wäre demnach also derjenige gewesen, der am *Barlo(h) siedelte, eben der *Barlo(h)-meyer.

Barlage oder *Barlo(h)?

Doch heißt die in unmittelbarer Nähe der Stätte gelegenen Flur Barlage, nicht *Barlo(h). Dieser vermeintliche Widerspruch löst sich folgendermaßen auf: Es ist hier ein Grundwortwechsel von lo(h) > lage anzunehmen, wie er in zahlreichen Flurnamen auf –lage von namenkundlicher Seite nachgewiesen worden ist.[17] Entweder handelt es sich hier um eine Anpassung an ein verbreiteteres und verständlicheres Grundwort[18] oder der Wechsel ist in Zusammenhang mit der menschlichen Rodungstätigkeit zu sehen. Durch Rodung könnte so aus dem als *Barlo(h) bezeichneten wirtschaftlich genutzten Gehölz die freie, unbewaldete und landwirtschaftlich in anderer Weise genutzte Fläche Barlage geworden sein.

Das Bestimmungswort bar

Abschließend ist noch nach dem Bestimmungswort im Namen *Barlo(h) zu fragen. Ein Anschluss an mittelniederdeutsch bar ‚nackt, bloß‘ (s.o.) scheint aus semantischen, also die Bedeutung betreffenden Gründen nicht sinnvoll zu sein; denn was soll man sich unter einem ‚nackten, unbewaldeten Wald‘ vorstellen?

Der Germanist Paul Derks hat sich eingehender mit den Barlo/Barle-Namen befasst und stellt das Bestimmungswort zu mittelniederdeutsch bar ‚Planke, Sparren, Riegel, Schranke‘. Ein Barlo ist also ein ‚Nutzwald, aus dem Planken, Sparren, Riegel oder Schranken gewonnen wurden‘. Zur Untermauerung dieses Anschlusses führt Derks semasiologische Parallelen an: Stiepel an der Ruhr/Bochum (890 Stipula, 1001 Stipelo) und Stiepel/Arnsberg (1204 Stipele), die er zum altsächsischen Wort *stip oder *stîp ‚Stock, Latte, Planke‘ (vgl. westfälisch stiepel ‚Stütze, Zaunstange‘) stellt, sowie Stockel östlich Brüssels (1147 Stocla) zu altsächsisch stok ‚Stock‘.[19] Ein noch heute durchsichtiges Beispiel ist der Flurname Thunbarken-Busch bei Lehrden (Kreis Rotenburg/Wümme)[20], der auf ein Gehölz (zu mittelniederdeutsch busk, busch) zur Gewinnung von ‚Zaun-Stangen‘ (thunbarke, zu mittelniederdeutsch tûn ‚Zaun‘ und bake ‚Stange‘ oder barke ‚Birke‘).[21] Alle diese ursprünglichen Flurnamen bezeichneten also den ‚Nutzwald‘ (lo[h]), der nach dem Erzeugnis benannt worden ist, das er den bäuerlichen Nutzern lieferte, also Stangen, Planken, Latten, Stöcke. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist auch die Entstehung und Motivierung des Flurnamens *Barlo(h) in Lienen-Westerbeck zu erklären.

 

[1] Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, bearb. v. Wolfgang Leesch, Münster 1974, S. 122.

[2] Ebd., S. 198 u. S. 256.

[3] Ebd., S. 309.

[4] Agathe Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, 2., unveränd. Aufl., Tübingen 1974, § 248, S. 139.

[5] Schatzungs- und sonstige Höferegister, S. 68f.

[6] Michael Flöer u. Claudia Maria Korsmeier, Die Ortsnamen des Kreises Soest, Bielefeld 2009, S. 497.

[7] Karl Schiller u. August Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875–1881, Bd. I, S. 151.

[8] Schatzungs- und sonstige Höferegister, S. 110, 290, 193

[9] Gunter Müller, Schulte und Meier in Westfalen, in: Gedenkschrift für Heinrich Wesche, hrsg. v. Wolfgang Kramer u.a. Neumünster 1979, S. 143–164.

[10] Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Gemeinde Weeze am Niederrhein. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen. Mit einem Ausblick nach Geldern und Goch, Weeze 2006, S. 65.

[11] Die Urkunden des Klosters Gravenhorst, bearb. v. Manfred Wolf, Münster 1994, Nr. 35

[12] Alfred Bruns, Die ältesten Lehenbücher und Lehenregister der Edelherrschaft Steinfurt (1236ff.) 1282–1439, in: Tradita Westphaliae. Quellen zur westfälischen Geschichte, hrsg. v. Wolfgang Bockhorst, Münster 1987, S. 9–112, S. 29, A 12

[13] Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck in Westfalen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Gladbeck/Westf. 2009, S. 153.

[14] Schatzungs- und sonstige Höferegister, S. 30f. u. 26.

[15] Derks, Weeze, S. 66.

[16] Ebd.

[17] vgl. Henning Siebel, Die norddeutschen Flur- und Siedlungsnamen auf –lage/-loge. Maschinenschriftliche Magisterarbeit Münster 1970 (Universitäts- und Landesbibliothek Münster, CB 3961), S. 155171

[18] Kirstin Casemir, Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter, Bielefeld 2003, S. 451–453, hier S. 452.

[19] Derks, Weeze, S. 66.

[20] Ulrich Scheuermann, Die Flurnamen des westlichen und südlichen Kreises Rotenburg (Wümme), Rotenburg/Wümme 1971, S. 249.

[21] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. I, S. 143 (bake), Bd. I, S. 340 (birkemeier, barkemeier ‚Trinkgefäß aus Birkenholz‘), Bd. I, S. 458 (busk, busch), Bd. IV, S. 630 (tûn).

Wann wurde die Tecklenburger Leinen-Legge eingerichtet?

Zwei niederländische Kaufleute gaben den Gründungsimpuls

Von Dr. Christof Spannhoff

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Tecklenburg war die Gründung einer Leinen-Legge durch den Grafen Mauritz von Bentheim-Tecklenburg (1615–1674) Mitte des 17. Jahrhunderts bedeutend. Diese war eine Prüfstelle, in der die landesherrlichen Legge-Bediensteten die Qualität und Quantität des Leinens durch fachliche Kontrolle feststellten und durch offiziellen Siegelabdruck mit dem Legge-Stempel direkt auf dem Gewebe bestätigten. Je nach Position dieses Zeichens konnte man die Güte der Leinwand erkennen. In der Legge wurden die Stoffe von den Händlern vor- und ausgelegt, weshalb die Einrichtung auch so heißt, wie sie heißt: Denn die Bezeichnung Legge ist eine Substantivbildung zum niederdeutschen Verb leggen ‚legen‘ (vgl. binden und Binde oder suchen und Suche).[1] Dadurch, dass alles in der Grafschaft Tecklenburg gefertigte Leinen die Tecklenburger Legge passieren musste, war sie auch zentraler Umschlagplatz für das regionale Textil, das von dort seinen Weg in die Absatzgebiete bis nach Übersee, etwa nach Südamerika fand.[2] Doch der Tecklenburger Landesherr wollte nicht nur den Handel mit der Leinwand befördern, sondern auch die Wirtschaft der Stadt: Durch die Legge kamen auch viele Menschen nach Tecklenburg, die sich hier bei den lokalen Händlern mit alltäglichen und besonderen Gütern eindecken konnten oder in den Gasthäusern einkehrten.[3] Allerdings ist bisher in der Tecklenburger Ortsgeschichtsschreibung nicht eindeutig geklärt, wann denn eigentlich genau die örtliche Legge eingerichtet wurde. Friedrich Ernst Hunsche gibt in seiner 1976 erschienenen Stadtgeschichte Tecklenburgs „um 1660“ an.[4] Diese Datierung geht vermutlich auf ein erhaltenes Legge-Siegel zurück, das neben dem Tecklenburger Wappen die Jahreszahl 1660 zeigt. Ein 1791 hergestelltes Exemplar wird im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster verwahrt.[5] Andere Forscher nennen als Einrichtungszeitpunkt die Jahre 1650 oder 1654.[6] Doch welche Jahreszahl ist nun richtig? Die Antwort vermag eine Akte im Niedersächsischen Landesarchiv in Osnabrück zu geben. Die Anfänge der Tecklenburger Legge gehen nach den dort zu findenden Informationen auf zwei niederländische Kaufleute zurück. Diese hatten zunächst den Händlern der Stadt Osnabrück angeboten, als „Faktoren“ (Großhändler) alle Leinwand zu übernehmen und abgabenfrei nach Amsterdam einzuführen. Allerdings lehnten die Osnabrücker diese Offerte ab. Graf Mauritz von Bentheim-Tecklenburg hingegen schlug in das Angebot ein. Am 6. Oktober 1659 schloss er mit den Kaufleuten Hendrich ten Caten und Pieter Capoin in Amsterdam einen Vertrag auf zwanzig Jahre, in „syne Stadt Tecklenborch ofte in den dorpe Lengerike eene nieuwe Legge tot de Lynwandten [to] fonderen“.[7] Während Pieter Capoin in Vergessenheit geriet, wird der „Holländer nahmens ten Katen“ noch um 1710 – also gut 50 Jahre später – als „Erfinder“ der Tecklenburger Leinenprüfstelle erinnert.[8] Kurz nach der Eröffnung der Legge, die in einem 1577 errichteten Torhaus am Tecklenburger Marktplatz untergebracht wurde, erließ der Graf ein Ausfuhrverbot für das in seiner Grafschaft hergestellte Leinen. So musste jeglicher Handel über die Prüfstelle des Burgstädtchens erfolgen.[9] Die Anfänge der Tecklenburger Legge liegen also im Jahr 1659. Das ist in diesem Jahr 360 Jahre her. Bis die Legge allerdings vollständig eingerichtet war, dürfte es noch ein paar Wochen gedauert haben, weshalb der Legge-Stempel vermutlich die Jahreszahl 1660 zeigt. Die Tecklenburger Legge war eine der ersten landesherrlichen Leinenprüfstellen, die im Zuge obrigkeitlich gelenkter Gewerbeförderung entstanden sind. Die älteren Einrichtungen in Münster, Osnabrück und Warendorf gingen vielmehr auf innerstädtische Initiativen zurück.[10]

[1] Wilfried Reininghaus, Die vorindustrielle Wirtschaft in Westfalen. Ihre Geschichte vom Beginn des Mittelalters bis zum Ende des alten Reiches, 3 Bde., Münster 2018, Bd. 2, S. 682.

[2] Edith Schmitz, Leinengewerbe und Leinenhandel in Nordwestdeutschland (1650–1850), Köln 1967, S. 30–32; Markus Küpker, Weber, Hausierer, Hollandgänger. Demographischer und wirtschaftlicher Wandel im ländlichen Raum: Das Tecklenburger Land 1750–1870, Frankfurt/New York 2008, S. 76–98.

[3] Aufgrund der ursprünglich strategischen Bergsituation war Tecklenburg von den neuzeitlichen Handelsverkehrswegen recht abgeschnitten, wie ein um 1710 verfasster Bericht ausführt. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 263: Pastorat zu Lengerich (1600–1719), Bl. 64.

[4] Friedrich Ernst Hunsche, Tecklenburg 1226–1976. Suburbium – Wicbeld – Stadt, hrsg. v. d. Stadt Tecklenburg, Lengerich 1976, S. 113.

[5] Peter Ilisch, Leggestempel von Tecklenburg, Münster 2011 (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte/Westfälisches Landesmuseum, Münster: Das Kunstwerk des Monats, Februar 2011). https://www.lwl.org/landesmuseum-download/kdm/archiv/2011/kdm_02_2011.pdf (Zugriff. 14.05.2019).

[6] Zusammenstellung bei: Christof Jeggle, Leinen aus Münster/Westfalen im 16. und 17. Jahrhundert, Diss. FU Berlin 2009, S. 80. https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/5889 (Zugriff: 14.05.2019).

[7] Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Osnabrück, Rep. 130, Nr. 114, fol. 76; Hans Jürgen Warnecke, Leinwand, Wolle, Baumseide. Herstellung und Handel im und nach dem Dreißigjährigen Krieg im Münsterland, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 42 (1997), S. 103–123, hier S. 122f. Siehe auch: Hans-Werner Niemann, Leinenhandel im Osnabrücker Land. Die Bramscher Kaufmannsfamilie Sanders 1780 –1850, Bramsche 2004, S. 52, der sich für das Jahr 1659 auf Konrad Machens, Der Osnabrücker Leinenhandel, unvollendetes Typoskript (1970) im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Osnabrück, S. 4, beruft.

[8] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 263: Pastorat zu Lengerich (1600–1719), Bl. 64.

[9] Niemann, Leinenhandel, S. 53.

[10] Jeggle, Leinen, S. 80.

Historisch-geographische Nachrichten die Grafschaft Tecklenburg betreffend von Friedrich Meese

Vorbemerkungen

Demjenigen, der sich mit der Geschichte des Tecklenburger Landes beschäftigt, dürfte die „Historisch-topographisch-statistische Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg“ des königlich-preußischen Assistenzrats August Karl Holsche aus dem Jahre 1788 als wichtige regionalgeschichtliche Quelle bekannt sein. Neben den historischen Nachrichten aus älterer Zeit, die von Holsche auf der Basis des ihm seinerzeit vorliegenden Urkunden- und Aktenmaterials zusammengestellt wurden, und dem Abdruck zahlreicher zeitgenössischer Verordnungen, liegt der Wert dieser Landesbeschreibung in der Schilderung der geographischen, sozialen, rechtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Zustände zur Zeit ihrer Abfassung (1788). Wenigen ist jedoch bekannt, dass ein Zeitgenosse Holsches, der Tecklenburger Legge-Assistent Friedrich Meese, zwei Jahre nach Erscheinen von Holsches Darstellung (1790) eine Ergänzung veröffentlichte. Meese schreibt in einer Anmerkung: „Obige Nachrichten enthalten manches Neues, das sich weder in Holsches Beschreibung dieser Grafschaft, noch im 13ten Hefte dieses Magazins befindet“.[1] Seine Ausführungen erschienen im achten Heft des zweiten Bandes der von Peter Florenz Weddigen herausgegebenen Zeitschrift „Neues Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik“ auf den Seiten 319–331. Der Fokus von Meeses Ausführungen liegt auf der Beschreibung des Tecklenburger Leinenhandels. Ein Umstand, der aufgrund seines Amtes als Assistent der Tecklenburger Legge nicht verwundert. Im Folgenden soll nun der Text der regionalgeschichtlich relevanten Quelle wiedergegeben werden. Ergänzungen des Bearbeiters wurden in eckige Klammern [ ] gesetzt:

Historisch-geographische Nachrichten die Grafschaft Tecklenburg betreffend

„[S. 319] Die Grafschaft Tecklenburg ist auf der Karte vom Bisthum Münster deutlich zu sehen, die aber in Ansehung dieser Provinz viele Verbesserungen bedarf. Eine kleine Karte von den Grafschaften Tecklenburg und Lingen, welche in Berlin für den genealogischen Kalender vom Jahre 1780 gestochen ist, hat in Ansehung dieser Grafschaft viele Fehler; es hat aber der Assistenzrath Holsche in seiner Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg von 1788 eine besondere kleine Karte von derselben mitgetheilet, die sich zwar nicht auf genaue [S. 320] Vermessungen gründet, in welcher aber doch die Größe, Lage und Entfernung der Oerter mit vieler Genauigkeit angegeben ist. Es sind aber auf derselben die Berge bey Lotte, Habichtswalde und Osterberg nicht abgezeichnet. Desgleichen ist die Entfernung Lienens von Lengerich auch eine Viertelstunde zu weit. Sie ist aber bis jetzt die beste und genaueste Karte so man hat, deren Zeichner der Kondukteur Luge in Lingen ist. Gegen Norden und Osten gränzet sie an das Hochstift Osnabrück, gegen Süden und Westen an das Hochstift Münster. Ihre Größe beträgt nach obiger Beschreibung 4 Meilen in der Länge, und ihre Breite, da wo sie am größten ist, 2 Meilen, welche höchsten 6 ½ □ [Quadrat]- Meilen ausmachen sollen.

Die Hälfte des Landes ist bergig. Die Berge aber sind oben flach und hangen zusammen und die freyen Aussichten so man von denselben hat, sind angenehm, besonders nach Süden und Südwesten zwischen Bentheim und Warendorf. Man siehet bey heller Witterung am Horizont Gebierge, die wegen der Weite wie aufsteigende Gewitterwolken aussehen, und welche man für die Gebirge im Sauerlande hält. Gegen Norden verhindert zum Theil der Dickenberg die Aussicht, der in der Ober-Grafschaft Lingen, dessen kleinster Theil der Schaafberg heißt und in dieser Grafschaft liegt. Die vornehmsten Berge sind, der Leeder- Lengericher und Lienerberg, (welche beyden letzteren in einer Strecke bis Bielefeld gehen, und theils mit Holz bewachsen, größtentheils aber kahl sind). Der Lengericher- und Lienerberg bestehen aus Kalksteine, der Leederberg aber aus Sandsteine, und der Schaafberg aus Steinkohlen; viele der übrigen Berge oder Hügel enthalten Mergel, der gegenwärtig allenthalben aufgesucht und zur Düngung der Aecker vortheilhaft gebraucht wird. Die Kirchspiele Ladbergen, Lienen und Wersen haben einen sandigten Boden, welcher vielen Buchweitzen oder Heidekorn liefert; alle übrige haben einen bessern Boden, der Getreide aller Art auch Weitzen hervorbringt, gute Viehweiden, Gartengewächse, Obst- Büchen und Eichbäume hat.

Wegen des starken Flachs- und Hanfbaues und wegen der vielen Heuerleuten die hier wohnen, reichet das Getreide zur Nothdurft der Einwohner nicht zu (ausgenommen in den Kirchspielen Cappeln und [S. 321] Schale, welche ein ansehnliches übrig haben), sondern das Fehlende wird aus dem Bisthum Münster eingeführet.

Seit dem Jahre 1703 hat sich die Bevölkerung stark vermehret, und Ackerbau und Manufakturen sind in Aufnahme gekommen. Viele unangebaute Gegenden sind urbar und wohnbar gemacht, und der Werth der Ländereyen ist gestiegen. Es liegt aber noch ein Ansehnliches wüste, welches jetzt ausgemessen wird und vertheilt werden soll. Die Hornviehzucht reicht nicht nur zum Bedürfnis des Landes zu, sondern es wird auch noch ein Ansehnliches an Butter und Kälber nach den Städten Osnabrück und Münster zum Verkauf gebracht. Die Schweinezucht ist gut, und von dieser werden des Jahrs über 1000 Stück Schinken nach Holland versandt. Außer dem vielen Holze, welches besonders die Bauern in den Kirchspielen Ledde, Leeden, Lotte und Lengerich auf ihren Stätten besitzen, und wovon sie ein Ähnliches nach Osnabrück zum Verkauf fahren, ist hinlängliches Holz vorhanden; es ist aber seit 15 bis 20 Jahren im Preise gestiegen, und in verschiedenen Gegenden hat es sehr abgenommen. In den Kirchspielen Cappeln, Liene und Ladbergen, wo es am wenigsten vorhanden ist, hat man hinlänglichen Torf. Die landesherrl.[ichen] Forsten betragen 1821 Magdeburger Morgen[2], und bestehen aus lauter Büchen und Eichen. Unter diesen sind der Habichtswald von 1400 und der Sundern von 200 M.[agdeburger] Morgen die größesten. Auf dem Schaafberge im Kirchspiel Cappeln ist ein Steinkohlenbergwerk, welches diese Grafschaft und die Stadt Osnabrück mit Steinkohlen versiehet. Die Steingruben an und auf dem Leederberg liefern Steine zur Ausfuhr.

Die Hase und die Düte sind fischreiche kleine Flüsse oder vielmehr Bäche. In den königl.[ichen] Forsten und auf dem Lienerberge giebt es viele wilde Schweine, Rehe und sonstiges Wild.

Die Bauern sind theils königliche theils gutsherrliche Eigenbehörige, theils auch freye Leute. Die königl.[ichen] Eigenbehörige genießen jetzt die sogenannte Meyerstättsche Freyheit, die darin bestehet, daß sie sich unter der Fixation der ungewissen Eigenthumsgefälle begeben, da sie sonst selbige, als Sterbfälle, Erbgewinne, und Freykäufe auf der [S. 322] Amtsstube behandeln musten, und sind solche jetzo nach der Contributions-Angabe bestimmt worden. Indessen müssen sie die Handels- und Nadelgelder nach Erbgerechtigkeit bis jetzt bezahlen. Von den Freykäufen müssen sie aber die Handelsgelder und Präsidenten-Emolumente[3] entrichten. Noch nie ist der Bauernstand hier so blühend gewesen als jetzt. Ein langer Friede, bisherige Befreyung von der Werbung[4], das Zunehmen ihrer Manufaktur, der hohe Preis des Linnens, der seit dem Kriege und besonders seit 5 Jahren gestiegen ist, und der gute Absatz der Lebensmittel, sind die Quellen die gegenwärtig den Bauernstand so florisant machen. Viele Bauernstätten die durch schlechte Haushaltung in den vorigen Zeiten fast ganz zu Grunde waren, sind jetzt in dem besten Stande, und es giebt deren nicht wenige, die wirklich Capitalien besitzen.

Der Heuermann, der die zweyte Klasse der Landeseinwohner ausmacht, stehet sich durchgehends gut. Seit 20 Jahren lebt er gleichsam, wenn ich so sagen mag, im goldenen Zeitalter. Die Quellen Geld zu verdienen und sich leicht zu ernähren sind auch die Ursachen, daß so häufige Ehen unter den Heuerleuten geschlossen werden, da es ihnen oft noch an einer Wohnung fehlt. Denn sie verlassen sich darauf, daß der Mann nach Holland gehen kann, um sich Geld zu verdienen, indessen sich die Frau und Kinder zu Hause mit Linnenmachen abgeben, woran der Mann im Winter mit spinnen hilft. Kinder sind hier für die Bauern und Heuerleute von großen Nutzen und ein Segen zu nennen. Denn wenn sie erst 5 bis 6 Jahre erreicht haben, helfen sie schon spinnen, und verdienen also bey den Aeltern die Kost und Kleidung. Hat der Heuermann viele Kinder, so müssen dieselbe den Bauern als Knechte und Mägde dienen. Der Bauer giebt ihnen nicht allein Kost und Lohn dafür, sondern auch etwas an Kleidungsstücken, und ist auch schuldig ihnen auf seinem Lande ein gewisses an Hanf- und Leinsaamen zu säen, welches sie im Winter, wenn sie ihre Hausarbeit verrichtet, und dem Bauern sein gewisses Garn gesponnen haben, für sich spinnen, Linnen daraus bereiten und es zur Legge bringen, woraus sie sich denn oft 15 bis 20 Rthlr. erwerben. [S. 323] Viele von den Heuerleuten haben sich seit dem Kriege 1763 eigenen Colonate angelegt. Jetzt, bey Vertheilung des wüsten Grundes, haben sich hiezu gleichfals viele gemeldet.

Die Einwohner haben eine angeborenen Furcht und Widerwillen für den Soldatenstand. So bald nur Anschein zum Kriege da ist, laufen sie außerhalb Landes. Im Bayerschen Kriege riß dieses so sehr ein, daß die Frauensleute die Aecker bestellen und die Todten begraben musten.

In der Grafschaft sind drey kleine Städte und sieben andere Kirchspiele, 40 Dörfer und Bauerschaften; neun adeliche und verschiedene bürgerliche Güter, und vier königliche Vorwerke, wovon das zum Habichtswalde das wichtigste ist.

Bey dem Regierungsantritt des jetztregierenden Königs von Preußen Friedrich Wilhelms II. wurde eine allgemeine Zählung vorgenommen, wo es sich denn fand, daß in den Städten 371 Feuerstellen, 1993 Menschen, 50 Pferde und 448 Kühe; auf dem Lande aber 2770 Feuerstellen, 15241 Menschen, 2288 Pferde, 640 Ochsen, 5645 Kühe und 7412 Schaafe waren. Man hat aber Ursache zu glauben, daß die Hornviehzucht und Schweine nicht richtig aufgenommen sind, und sich beynahe noch einmal so hoch beläuft. Es ist auch nicht allein wahrscheinlich, sondern gewiß, daß die Anzahl der Menschen größer ist, und daß viele aus Furcht für den Soldatenstand verschwiegen sind. Man kann aus gutem Grunde annehmen, daß wenigstens 18.000 Menschen vorhanden gewesen, und daß nunmehr die wahre Anzahl zwischen 18 und 19.000 fällt.

Die Einwohner sind sehr arbeitsam und thätig, und man wird weing Länder finden, wo durchgehens so viel Industrie herrschet, als in dieser kleinen Provinz. Des Winters wird von Alt und Jung, beiderley Geschlechts, gesponnen, und sobald der Frühling und Sommer eintritt, wird von denen Frauensleuten gebleichet und gewebet, die übrigen bringen den Acker zu Stande, und so bald dieser bestellet ist, gehen einige Hunderte von den Heuerleuten und unverheyratheten Mannsleuten nach Holland, allwo sie 12 bis 15 Wochen arbeiten, und gewöhnlich in dieser Zeit 40 bis 80 Gulden erübrigen und baar zu Hause bringen. [S. 324] Das vornehmste Gewerbe und Nahrungsmittel bestehet in Verfertigung und Versendung des in Westphalen häufig gemachten Löwendlinnens, welches von verschiedener Güte und 1 Brabandter Elle breit ist. In sechs Jahren, nemlich von 1780 bis 1786, sind von diesem Linnen auf die Legge zu Tecklenburg, als der einzige im Lande, in neun Kirchspielen der Grafschaft (denn Schale ist ausgenommen, wo kein Löwend- wol aber etwas feinere Linnen gemacht werden) 50.930 Stück zu 3 Millionen und 918.659 Legge-Ellen (auf allen Löwendlinnen-Leggen in Westphalen wird nach Legge-Ellen gerechnet, wovon 100 = 175 Brabandter Ellen sind), oder 6 Millionen 857.654 Brabandter Ellen gestempelt und von hieraus ausgefahren worden, deren Werth nach der damaligen Legge- oder dem Einkaufspreise der Kaufleute 826.630 Rtlr. betrug, welches im Durchschnitt für jedes Jahr 8500 Stück von 1.142.942 Brabandter Ellen und an Gelde 137.772 Thaler in Golde betragen haben. Diesen Preis setzet die Kriegs- und Domänen-Cammer zu Lingen mit Zuziehung der Kaufleute fest, und stehet derselbe immer öffentlich auf der Legge angeschrieben.

Die Kaufleute gewinnen ohngefähr 6 bis 7 Procent, und schlagen ihre Gelder 3, 4 bis 5 mal um, so daß man, dieses mitgerechnet, annehmen kann, daß für das hiesige Löwendlinnen ohngefähr 148 bis 150.000 Rthlr. ins Land kommt.

Der fremde Hanf- und Leinsaamen der jährlich eingeführt wird, und zwar ersterer aus dem Ravensbergischen, letzterer aber aus Riga, beträgt ohngefähr höchstens 9 bis 10.000 Rthlr.; aller übriger noch erforderlicher Saamen wird von den Einwohnern selbst gewonnen, die sich je mehr und mehr auf den Saamenbau legen.

Von dem ausgehenden Leinwand, welches größtentheils aus Hanf und nur weniges aus Flachs besteht, und worunter es wieder etwas giebt, welches aus beiden Theilen zusammen bestehet, geht das von Hanf gewebte nach England, der weit geringere ganz flächserne Theil aber nach Spanien, wo es größtentheils in diesen Ländern bleibt, das übrige aber nach Amerika und Westindien versandt, und zu allerhand Kleidungen und Haushaltungsstücken gebraucht wird.

[S. 325] Wenn man das Kirchspiel Schale ausnimmt, wo das Linnenmachen nicht so stark getrieben wird, so hat nicht nur jede Familie ihren Weberstuhl, sondern viele haben deren zwey. Die Zahl der sämmtlichen Weberstühle dieser Grafschaft beläuft sich auf 2000 und einige Hundert. Was die Einwohner an Garn für sich behalten, und welches größtentheils aus Flachs bestehet, und zu mancherley Kleidungs- und Haushaltungsstücken, zu Hemden, Bettüchern, Drell u.s.w. verarbeitet wird, beträgt wahrscheinlich 50 tausend Thaler an Werth, so daß man behaupten kann, daß der Werth dessen, was hier jährlich aus Hanf und Flachs verbauet und veredelt wird, sich auf 200.000 Rthlr. beläuft.

Das hiesige Linnen ist von dreyerley Art: Oberband, das beste und häufigste; Unterband, wenig von dem ersten unterschieden; und Einband, das schlechteste und auch das wenigste.

Der Handel mit diesen Linnen nimmt seinen Anfang eben vor und gleich nach Pfingsten, und dauert bis Anfang Novenber, wo es mit ganzen Fudern nach Tecklenburg zur Legge gefahren wird. Hier wird es gemessen, aufgenommen, dem Leggemeister vorgesetzt, der es mit dem Wapen der Grafschaft Tecklenburg und Lingen stempelt. Die Kaufleute versenden es in Packen von 40 bis 50 Stück mit Bremer Fuhren nach Bremen ab, von wo es nach London, Bristol, und a.O. versandt wird. Diese Fuhrleute bringen das ganze Jahr Kaufmannsgüter von Bremen mit, welche nach Münster und den umliegenden Oertern gehen, haben gemeiniglich ihre Niederlag in Tecklenburg und lassen die Waare durch hiesige Bauren weiter fahren.

Der einländische Handel wird folgendermaaßen getrieben: Ein jeder Linnenhändler, deren es in der Grafschaft 26 giebt, hat, der eine weniger der andere mehr, eine Anzahl Bauern und Heuerleute, die man Linnenkunden nennet, welche ihnen das Jahr hindurch ihr Linnen bringen, und welche oft schon das Geld ein halb Jahr voraus von dem Kaufmann erhalten haben. So bald nun der Kaufmann das Linnen erhält, rechnet er mit den Bauern ab und sorget ihm auf sein künftiges Linnen wieder von neuem Geld und Waare. [S. 326] Vor 20 und mehr Jahren war der Linnenhandel für die Kaufleute ein sehr vortheilhafter Handel, und viele sind dadurch reiche Kaufleute geworden. Seit der Zeit, und insbesondere seit sechs Jahren, ist von den Kaufleuten viel verdienet worden, und der Bauer genießt den Nutzen allein. Verschiedene Kaufleute, besonders in Lengerich und Liene, handeln mit auswärtiger Leinwand, welche sie im Ravensbergschen, Osnabrückschen und Münsterschen auskaufen und zum Theil schwarz färben und nach Holland versenden, wovon aber nichts zur Legge nach Tecklenburg kömmt. Aller übriger Handel der Grafschaft ist von keiner großen Bedeutung. Es giebt in der Grafschaft verschiedene reiche Kaufleute, welche leicht andere Manufakturen und Fabriken anlegen könnten, sie bezeigen aber außer ihrem Linnenhandel keinen großen Handlungsgeist, und sind zu dergleichen Unternehmungen, wovon sich der reine sichere Gewinn nicht mit Gewißheit abnehmen läßt, nicht aufgelegt.

Graf Conrad hat hier bald im Anfang der Reformation 1525 die evangelisch-lutherische Lehre einzuführen gesucht, und bis 1527 durch Johann Pollius, Rektor an der Domschule und nachherigem ersten Prediger an der Katharinenkirche zu Osnabrück, eifrig fortgesetzt, die aber doch zu Graf Conrads Zeiten, der 1557 starb, nicht völlig zu Stande gekommen ist. Seine einzige Tochter und Erbin Anna, die sich mit dem Grafen Eberwin von Bentheim vermählt hatte, und deren Gemahl auch 1562 starb, fing das Werk 1574 mit Nachdruck an. Ihr einziger Sohn Graf Arnold von Bentheim-Tecklenburg führte 1586 die evangelisch-reformirte Religion ein, die 1587 in der ganzen Grafschaft zu Stande kam, da man am Tage vor Weihnachten den Bilderkram aus allen Kirchen wegschaffte, und seitdem ist diese Provinz der reformirten Lehre zugethan.

Unter den hiesigen 15 Predigern sind zwey Inspektores, jeder über 5 Kirchen. Diesen Kirchenlehrern gehört das Gut Osterberg, welches einzeln in Erbpacht gethan ist, und jährlich 1300 Rthlr. reine Einkünfte aufbringt. Es ist ehedem ein Cisterzienser-Mönchskloster gewesen.[5] Die Mönche liefen zur Zeit der Reformation heraus und begaben sich nach Rheine, wo sich ein Kloster gleiches Ordens befindet. [S. 327] Der damalige Landesherr zog es hierauf ein, und gab es der Tecklenburgischen Geistlichkeit, die überhaupt keine große Besoldung hat, indem 9 von denen Predigern 200 bis 250 Rthlr. die übrigen aber 300 bis 500 Rthlr. machen können.[6] Die Lutheraner, welche nach und nach hieher gekommen sind, machen ein paar 100 Seelen aus. Der lutherische Prediger in Lingen reicht ihnen zweymal des Jahrs das Abendmahl. Die Einwohner verdienen das Lob, daß sie gegen fremde Religionspartheyen und besonders gegen ihre lutherischen Brüder sehr duldsam sind, und beyde Partheyen leben in völliger Eintracht und bedienen sich bey ihrem Gottesdienste ihrer Kirchen ohne Ausnahme.

Die Grafschaft Tecklenburg ist im 14ten Jahrhunderte weit ansehnlicher gewesen als jetzt, und die Grafen gehörten zu den damaligen Zeiten zu den größten Fürsten Westphalens. Ihr Land erstreckte sich bis an die Grenzen von Oldenburg und Ostfriesland. Es gehörten nemlich dazu erstlich das Amt und Schloß Cloppenburg mit den Städten Frisoyta und der Burg zu Schnappen; das Embsland und Hümmigerland, welches gegenwärtig den größesten Theil des nördlichen Münsterlandes ausmacht; das Schloß, die Stadt und das Amt Bevergern mit allen Zubehör, welches gegen Westen an diese Grafschaft, welche Aemter und Distrikte aber seit dieser Zeit zum Hochstift Münster gehören. Zweytens die Herrschaft Lingen, und drittens verschiedenen Gerechtigkeiten in der Stadt Osnabrück. Das Geschlechtregister der alten Grafen von Tecklenburg wird mit einem Cobbo angefangen, der im 9. Jahrhundert gelebt hat, und dessen Kranz etliche mal gedenkt. Die Grafschaft Tecklenburg ist nach Absterben des Grafen Conrad durch seine Erbtochter Anna an die Grafen von Bentheim gekommen, und in der Theilung 1591 dem Grafen Adolph zugefallen. Die Geschwister des gedachten Grafen Conrad, insonderheit seine Schwester Anna, welche an den Grafen Philipp von Solms vermählet gewesen, haben an die Allodial-Grafschaft Tecklenburg Anspruch gemacht, und hat derselben Sohn Conrad, Graf zu Solms, 1577 mit Bentheim einen Proceß angefangen, in Ansehung dessen 1686 für Solms-Braunfels ein vortheilhaftes Urtheil des Cammergerichts erfolget, durch welches demselben

[S. 328] Dreyachttheil der Grafschaft Tecklenburg und Herrschaft Rheda stammt allen davon seit geführten Processe genossenen Einkünften nicht zuerkannt worden. 1699 wurde zwischen Johann Adolph Grafen zu Bentheim-Tecklenburg, und Wilhelm Moritz Grafen zu Solms und Tecklenburg zu Lengerich verglichen, daß letzterer wegen der ihm zuerkannten Einkünfte der Grafschaft von Anfang des Processes bis zu 1698 nunmehro das ganze Schloß Tecklenburg, Dreyviertel der Grafschaft Tecklenburg und Einviertel des Schlosses und Herrschaft Rheda haben, Bentheim-Tecklenburg aber Einviertel der Grafschaft Tecklenburg und Dreyviertel des Schlosses und der Grafschaft Rheda behalten solle. Dieser Vergleich wurde noch in eben demselben Jahre von beiden Partheyen zu Braunfels wie auch von dem Kaiser bestätiget. Als aber obengedachte Grafen Johann Adolphs Sohn, Johann August, welchem der Vater seines hohen Alters wegen die Grafschaft Anno 1700 abgetreten hatte, 1701 starb, und also Johann Adolphs Bruder, Friedrich Moritz von Bentheim-Hohenlimburg zur Regierung von Tecklenburg und Rheda kam, fing dieser, der mit den vorhin angezeigten Vergleichen nichts zu thun gehabt hatte, den Proceß von neuem bey dem Reichshofrath an, worüber Solms-Braunfels seine Rechte 1707 an den König von Preußen Friedrich I. für 300.000 Rthlr. abtrat, der sich mit dem Grafen von Rheda wegen seines Viertels von Tecklenburg verglich, und die ganze Grafschaft mit denen auf derselben haftenden Schulden (die 1788 noch 159.135 Rthlr. betrugen) übernahm, und hierauf in den Besitz der Grafschaft trat. Es sind zwar seitdem einige Bewegungen dagegen gemacht worden, die aber ohne allen Erfolg geblieben sind.

Das Tecklenburgische Wapen sind drey rothe Herzen. Der König von Preußen hat wegen der Grafschaft Sitz und Stimme im Westphälischen Kreis-Grafen-Collegio und auf dem Westphälischen Kreistage. Zu einem Römermonat[7] soll Tecklenburg drey zu Roß und 10 zu Fuße oder 76 Gulden, und zu einem Cammerziel 40 Rthlr. 52 ¼ Kr[euzer] geben. Diese Grafschaft hat mit Lingen eine gemeinschaftliche Regierung und gemeinschaftliche Cammerdeputation, welche aber nicht mehr von der zu Minden abhängig ist, und zu Lingen ihren Sitz hat. Jetzt [S. 329] ist in Tecklenburg ein Justizamt, unter welchem die Landesfürstlichen Eigenbehörige stehen, die übrigen Einwohner aber stehen unter der Regierung zu Lingen. In Tecklenburg ist, seitdem das Landgericht nicht mehr hier ist, ein Regierungs-Secretair per modum Commissionis respiciret. Die Grafschaft enthält 1) Tecklenburg, vor Alters Teckeneborg, welchen Namen es von dem uralten Bergschloß hat, welches an und über der Stadt auf dem Gipfel des Berges liegt, und größtentheils verfallen ist. Es sind hier noch zwey Gebäude, das Kornhaus und die Kanzley. Jenes ist zu Gefängnissen und zum Wohnhause des Gefangenenwärters eingerichtet, dieses aber, welches ein altes übriggebliebenes Gebäude über dem Thorwege des Schlosses ist, dienet zur Aufbewahrung der Acten von beiden Gerichten. Es ist in alten Zeiten ein großes und festes Kastell gewesen, dessen Erbauung unbekannt ist. Die Stadt enthält 144 Bürgerhäuser, und es war Anno 1787 die Menschenzahl 762. Hier ist die Legge für die ganze Grafschaft, ein großes Gebäude über dem Thorwege der Stadt nach dem Schlosse hin. Der Ort hat seine größeste Nahrung vom Ackerbau, Leinweberey und der Legge. Das Guth Hülshoff ist allda eingepfarrt.

Lengerich oder Margarethen-Lengerich ist seit 1724 eine Stadt.[8] Sie liegt am Fuße eines Berges, hält 153 Häuser und 861 Menschen. Es ist der beste, wohlhabendste und nahrhafteste Ort dieser Grafschaft. Die Kirche ist ein altes und schönes Gebäude 136 Fuß lang und 60 Fuß breit, und in katholischen Zeiten der Heiligen Margaretha, deren Bild hier verwahret wurde, gewidmet. Die Kirche und die Stadt ist dadurch berühmt geworden, daß die Gesandten der Europäischen Höfe beym Westphälischen Friedensschluß zu Osnabrück und Münster in der Kirche sich versammelt und die Präliminarien geschlossen haben.

Hier ist eine Poststation, sowol von der Münsterschen Post, welche nach Osnabrück gehet und sehr befahren wird, als auch von der Preußischen, so von Bielefeld nach Lingen geht und den Ort recht lebhaft machen.

[S. 330] Die Bürger besitzen wenige Ländereyen im Eigenthum, und müssen den größten Theil ihrer Ländereyen von umliegenden Bauern miethen, welche durch die starke Conkurrenz sehr hoch im Preise stehn. Uebrigens ists in Ansehung der bürgerlichen Nahrung wie in Tecklenburg bestellt, außer das dort alle Handwerke besser in Flor sind. Es gehören zu Lengerich 9 Bauerschaften, und die adelichen Häuser Mark, Vortlage und Krahnenburg sind hier eingepfarrt, wie auch das Guth Intrup und das ehemalige königliche Vorwerk Schollbruch, so nunmehr in Erbpacht ist.

Cappeln, zum Unterschied des im Osnabrückischen belegenen Cappeln, Wester-Cappeln genannt, ein Städtchen von 73 Häusern und 379 Menschen. 1779 brannten 29 Häuser ab. König Friedrich II. schenkte zur Wiederaufbauung 6000 Rthlr. Die Kirche ist ein altes ansehnliches Gebäude, 113 Fuß lang und 43 Fuß breit. Man hält sie für die älteste in der Grafschaft. Es sind hier zwey Prediger, wovon die erste Stelle das Kloster Gravenhorst vergiebt. Zu diesem Kirchspiel gehören 9 Bauerschaften und die adelichen Güter Cappeln, Langenbrück und Velpe.

Das Kirchspiel Liene von 9 Bauerschaften mit dem königl. Vorwerke Kirchstapel. Die hiesige Predigerstelle vergiebt die Abtey zu Herford. Das Dorf Liene ist das beste in der Grafschaft, wo verschiedene ansehnliche Kaufleute wohnen.

Das Kirchspiel Ladbergen von 3 Bauerschaften, hat an den Grenzen des Bisthums Münster noch viele unangebauete Gründe. Die Predigerstelle in Ladbergen vergiebt der Domküster zu Münster.

Das Kirchspiel Wersen von zwey Bauerschaften hat auch an der Gränze vom Osnabrückischen vielen wüsteliegenden Grund. In diesem Kirchspiel ist das Halerfeld, wo man die sogenannten Schlebsteine findet, welche Ueberbleibsel heidnischer Alterthümer sind, und unter welchen man verschiedene Kriegsrüstungen ausgegraben hat. Auf diesem Felde ist 1180 zwischen Herzog Heinrich dem Löwen und Philipp Erzbischof zu Kölln, und 1308 zwischen Cunrad Bischof zu Münster und Ludewig Bischof zu Osnabrück eine Schlacht vorgefallen. [S. 331] Das Kirchspiel Leeden von zwey Bauerschaften, worin ein adeliches freyweltliches Stift ist, mit zwey Kirchen, eine Stifts- und eine Pfarrkirche. Das Stift besteht aus einer Abtissin und neun Conventualinnen. Es können hiezu Fräuleins von allen dreyen Kirchen gelangen, doch nur eine katholische. In diesem Kirchspiel liegt das wichtige königl. Vorwerk Habichtswalde.

Das Kirchspiel Ledde von drey Bauerschaften. Hiezu gehört das adeliche Guth Meesenburg.

Das Kirchspiel Lotte von zwey Bauerschaften, worin das Kloster Osterberg (Mons Oriens) liegt, welches ganz verfallen ist.

Das Kirchspiel Schale liegt abgesondert zwischen der Ober- und Niedergrafschaft Lingen 6 Stunden von Tecklenburg und hat gutes Kornland.“

Anmerkungen des Bearbeiters

[1] Gemeint ist: Historische-geographisch-statistische Beschreibung der Grafschaften Tecklenburg und Lingen, in: Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik 4 (1788), S. 48–67.

[2] 1 Magdeburger Morgen = 2.553,22 qm.

[3] Emolumente (von lateinisch emolere ‚herausmahlen‘) ist ein veralteter Begriff für regelmäßig ausbezahlte, in der Höhe variierende Nebeneinkünfte.

[4] Anwerbung von Soldaten.

[5] Hier irrt Meese. Bei Osterberg handelte es sich um eine Niederlassung des Kreuzherrenordens, der im Jahre 1211 durch den Kanoniker Theodorus von Celles mit vier Gefährten in Huy an der Maas gegründet und dem 1427 vom Grafen Otto von Tecklenburg der Bau eines Kloster auf dem Osterberg bei Lotte gestattet wurde. Vgl. Weiß, Hans-Ulrich, Art. Osterberg. Kreuzherren, in: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, 3 Bde., Münster 1992–2003, Bd. 2: Münster bis Zwillbrock, Münster 1994, S. 172–175.

[6] Vgl. dazu: Wilkens, Wilhelm, Der Beitrag der geistlichen Güterkassen zur Predigervergütung in den Grafschaften Tecklenburg und Oberlingen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, in: Jahrbuch für westfälische Kirchengeschichte 99 (2004), S. 101–152.

[7] Als Römermonat bezeichnete man eine Kriegssteuer der Reichsstände, die de facto seit Kaiser Maximilian I. (1493–1519), de iure seit der Reichsmatrikel des Wormser Reichstages 1521 unter Kaiser Karl V. bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 erhoben wurde.

[8] Hier irrt Meese wiederum. Lengerich erhielt erst am 13. Mai 1727 Stadtrechte. Vgl.: Schumann, Gert, Geschichte der Stadt Lengerich. Von den Anfängen bis zur Stadtwerdung 1727, Lengerich 1981, S. 259–264.

Die Lienener Kapelle und der Name Pellemeier/Pellemeyer

Von Dr. Christof Spannhoff

Der Lienener Familienname Pellemeier/Pellemeyer ist ein wichtiges Zeugnis der Lienener Kirchengeschichte. Denn er erinnert an eine ehemalige Kapelle, die an der Trasse des Deetweges gelegen war, des alten Überlandweges entlang des Südrandes des Teutoburger Waldes. Doch wann entstand diese Kapelle eigentlich und warum sind von ihr heute nur noch Fundamentreste zu finden?

Ein erster Schritt, sich dem Alter der Kapelle zu nähern, ist der Name Pellemeier/Pellemeyer selbst. Denn die Kapelle muss vor der Entstehung des Namens vorhanden gewesen sein. Leider tritt der Name erstmals im Jahr 1577 auf.[1] Doch ist die Lienener Kapelle älter. Erstmals schriftlich erwähnt wird sie 1456 in einem Abgabenregister (Capella).[2] Ein baulicher Überrest, nämlich ein erhaltener Gewölbeschlussstein mit ausgehauenem Stern, wird allerdings von Kunsthistorikern auf die Zeit um 1380 datiert, sodass die Kapelle vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.[3] Dieser Erbauungszeitraum passt optimal in den historischen Kontext, denn das Spätmittelalter war eine Epoche verstärkter Frömmigkeit. Die Impulse für das religiöse Leben gingen vor allem von den Städten aus. Kennzeichen waren eine intensive Stiftungspraxis der Bürger und das Aufkommen neuer Orden und anderer religiöser Gemeinschaften. Doch auch auf dem Land nahmen im Laufe des Mittelalters die frommen Aktivitäten zu. Eine wichtige regionale Quelle dafür ist das Anschreibebuch des Osnabrücker Offizials Reiner Eissinck (1488–1509), der für das Bistum Osnabrück zwischen 1488 und 1509 die Genehmigungen für kirchliche Erweiterungsbauten erteilte.[4] Vergrößerungen der Dorfkirchen durch Choranbauten und Seitenschiffe finden sich über das gesamte Osnabrücker Bistum verteilt. Romanische Kirchenschiffe wurden aufgestockt, neue Kirchhöfe und Beinhäuser angelegt, Glocken in Auftrag gegeben und Kapellen in den Bauerschaften gebaut.[5] Auch die Kirche in Lienen erhielt 1491 einen neuen Chor.[6] Zudem erlebten das Wallfahrtwesen und die Flurprozessionen im späten Mittelalter ihre Blüte.[7] Vor diesem Hintergrund vermehrter spätmittelalterlicher Frömmigkeit ist auch die Einrichtung der Kapelle beim Hof Pellemeier zu verstehen. Möglicherweise wurde das kleine Gotteshaus als Station einer Flurprozession mit dem Bild des hl. Jacobus des Älteren von Glane nach Lengerich erbaut. An der Grenze zwischen Lienen und Lengerich soll der Heilige dann schließlich mit der Lengericher Patronin Margaretha von Antiochien zusammengetroffen sein. Allerdings geht diese Nachricht erst auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.[8] Der Flurname „Hilliger Stohl“ an der Grenze zwischen Lienen und Lengerich, der bereits mehrfach im 15. Jahrhundert (erstmals 1447) erwähnt wird, ist aber ein wichtiges Indiz für eine Flurprozession in der betreffenden Umgebung.[9]

Mit der Reformation, spätestens mit der Hinwendung der Tecklenburger Grafen zum Reformiertentum Ende des 16. Jahrhunderts, verlor die Kapelle ihre eigentliche Funktion. In der Folge dürfte sie verfallen sein oder ihre Baumaterialien wurden anderweitig verwendet.

Die Lienener Kapelle bestand also nur etwa zwei Jahrhunderte. Vermutungen der neueren Heimatforschung, an ihrem Standort habe sich in vorchristlicher Zeit ein Heiligtum des Gottes Ziu oder Donar befunden[10], sind reine Spekulation und entbehren jeglicher Grundlage.[11]

Der Sielenkamp

Noch einer weiteren Vermutung der Heimatforschung ist in diesem Zusammenhang eine Absage zu erteilen: Wilhelm Wilkens nimmt an, das Erstglied des Namens Pellemeier/Pellemeyer sei erst eine sekundäre Umdeutung nach dem Bau der Kapelle Ende des 14. Jahrhunderts aus angeblich älterem Sel/Sil/Siel. Der mutmaßlich ursprüngliche Name *Sellemeier sei durch ein Siel, einen angestauten Teich am Mühlenbach, motiviert gewesen. Als Beleg dient Wilkens dafür der beim Hof Pellemeier gelegene Seilenkamp (!).[12] Doch gibt es für diese Behauptung keinerlei Anhaltspunkte. Der von Wilkens ins Feld geführte Teich wurde erst im 18. Jahrhundert angelegt, wie eine darüber angefertigte Karte aus dem Jahr 1797 belegt.[13] Und auch der angebliche Flurname Seilenkamp, der auf besagter Karte als Sellenkamp, im Urkataster als Sielenkamp[14] auf der Deutschen Grundkarte als Siälenkamp erscheint[15], lässt sich anders erklären. Zudem muss er in keinen Zusammenhang mit dem Hofnamen Pellemeier stehen, sondern kann durchaus einen gänzlich anderen Ursprung haben. Eine sprachliche Analyse des Flurnamens Sellenkamp kann hier allerdings Klarheit schaffen. Die Formen des Bestimmungswortes Sellen-, Sielen-, Siälen– zeigen (die Schreibungen ie und iä sind Wiedergaben des mundartlichen kurzen Brechungsdiphthongs aus altem kurzen e), dass es sich um ein ursprünglich kurzes e gehandelt haben muss.[16] Deshalb könnte das Erstglied Selle– zu mittelniederdeutsch selle ‚Niederung, feuchte Wiese‘[17] (zu altenglisch *sele ‚Moor, Sumpf, Marschland, mittelniederdeutsch sêle, zeyle, seile ‚Feuchtwiese, Niederung‘) gestellt werden. Der Sellenkamp wäre dann ein ‚Kamp bei der Niederung, bei den feuchten Wiesen‘ gewesen.

Allerdings gibt es im Hinblick auf die Kapelle noch eine weitere Möglichkeit. Das Bestimmungswort sellen könnte auch den Genitiv Singular zu mittelniederdeutsch selle ‚Kaplan, Geselle, Gehilfe‘ enthalten. Etymologisch gehört das Wort zu altsächsisch seli, mittelniederdeutsch sêl, althochdeutsch, mittelhochdeutsch sal ‚Saal, Raum, Gebäude, Haus‘. Der selle, geselle ist also ursprünglich derjenige, der im selben Haus wohnt, der zum Haus gehört‘.[18] Der Sellenkamp könnte also auch der ‚Kamp des Kaplans‘ gewesen sein. Mit der in unmittelbarerer Nähe gelegenen Kapelle beim Hof Pellemeier besitzt eine solche Erklärung auch einen historischen Anhalt.

 

[1] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 225: Schatzungsregister der Grafschaft Tecklenburg mit Ausgabenrechnung (1577), Bl. 51.

[2] Johannes Kretzschmar, Der Türkenzehnte von 1456–58 in Osnabrück, in: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück 22 (1897), S. 253–273, hier S. 257.

[3] Wilhelm Wilkens, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004, S. 133–135.

[4] Josef Prinz, Aus dem Anschreibebuch des Osnabrücker Offizials Reiner Eissinck (1488–1509), in: Osnabrücker Mitteilungen 67 (1956), S. 81–115.

[5] Werner Freitag, Kirche und Frömmigkeit im spätmittelalterlichen Westfalen, in: Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen, hrsg. v. Bistum Münster u.a., München 2012, S. 30–39; Ders., Die Reformation in Westfalen. Regionale Vielfalt, Bekenntiskonflikt und Koexistenz, 2. durchges. Aufl., Münster 2017, S. 23–38.

[6] Prinz, Anschreibebuch, S. 101 u. S. 111.

[7] Karl-Ferdinand Beßelmann, Stätten des Heils. Westfälische Wallfahrtsorte des Mittelalters, Münster 1998.

[8] Friedrich Smend, Kirchengeschichte der Grafschaft Tecklenburg, Gütersloh 1850, S. 12; Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Nordwestdeutschlands, Teil 1: Sagen, Leipzig 1859, S. 82, Nr. 73: Der eiserne Birnbaum.

[9] Christof Spannhoff, Die Gewässernamen Drevanameri und Heiliges Meer, in: Nordmünsterland. Forschungen und Funde 1 (2014), S. 223–248; Ders., Quelle mit heilender Wirkung? Die „Heilige Welle“ [bei Tecklenburg] wird erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt, in: Unser Kreis 2015. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 28 (2014), S. 63–68.

[10] Wilkens, Lienen, S. 27.

[11] Vgl. zu dieser fragwürdigen Vorgehensweise der Heimatforschung auch: Paul Derks, Trigla Dea und ihre Genossen. Drüggelte und sein angeblicher Heidentempel. Ein Literaturbericht mit Ausblicken nach Ense, Bremen und Wormbach, in: Soester Zeitschrift 101 (1989), S. 5–78; Paul Derks, „Cenobium Herreke“ und die „Hertha-Eiche“. Eine Nachlese zum Herdecker Stadtjubiläum, in: Der Märker. Landeskundliche Zeitschrift für den Bereich der ehem. Grafschaft Mark und den Märkischen Kreis 41 (1992), S. 207–223; Christof Spannhoff, Keine vorchristliche Kultstätte. „Heidentempel“ des Jahres 610 ist eine Erfindung des Chronisten Rump, in: Unser Kreis 2016. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 29 (2015), S. 109–115.

[12] Wilkens, Lienen, S. 120f. u. 135.

[13] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Kartensammlung A 5114: Ocular Plan vom Lauf des Quell-Bachs der in dem gemeinen Berge oberhalb dem Dorffe Lienen entspringt und nach dem Mühlenteiche der Mühle im Dorffe Lienen fliesset (1797).

[14] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Kartensammlung A 35753.

[15] Die Blätter der Deutschen Grundkarte können unter https://www.tim-online.nrw.de eingesehen werden.

[16] Hermann Niebaum, Zur synchronischen und historischen Phonologie des Westfälischen. Die Mundart von Laer (Landkreis Osnabrück), Köln u. Wien 1974, S. 331–338; Gunter Müller, Das Vermessungsprotokoll für das Kirchspiel Ibbenbüren von 1604/05. Text und namenkundliche Untersuchungen, Köln u.a. 1993, S. 55.

[17] Karl Schiller u. August Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875–1881, Bd. IV, S. 179f.

[18] Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearb. v. Elmar Seebold, 24. Aufl., Berlin 2002, S. 352.

Was ist ein Esch?

Von Dr. Christof Spannhoff

In den östlichen Niederlanden und im Nordwesten Deutschlands trifft man häufig auf den Flurnamen Esch. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Bezeichnung?

In der Geologie bezeichnet der Terminus Plaggenesch eine spezielle Bodenform, die durch menschliche Tätigkeit – die sogenannte Plaggendüngung – entstanden ist. Unter Plaggendüngung versteht man das Aufbringen von Gras- und Heidesoden auf das Ackerland zur Düngung. Die Plaggen wurden dabei meistens zuvor als Stallstreu verwendet, wobei sie mit dem Dung der Tiere angereichert wurden. Diese Plaggenesch-Böden sind gekennzeichnet durch eine Aufhöhung der Geländeoberfläche und die Entstehung tiefgründig humoser Horizonte. Alle Böden, die diese Merkmale aufweisen, werden als Plaggenesche bezeichnet.

Weitere Verwendungen des Begriffs

Neben diesem geologischen Fachbegriff existiert aber noch die historische und gegenwärtige Flurbezeichnung Esch. Das Vorkommen dieses Flurnamens ist auf die östlichen Niederlande und den nordwestdeutschen Raum begrenzt. Für das Münsterland lässt sich die Bezeichnung Esch in Siedlungsnamen bereits im 9. Jahrhundert nachweisen (Ternsche bei Lüdinghausen: Ternetsca; Langenesch bei Olfen: Langonethsca). Erstmals erwähnt wird das Wort Esch in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila († 383 n. Chr.) in der Form atisk (Akkusativ Singular) und bezeichnet hier einfach das „Ackerfeld“. Im Altsächsischen ist das Wort zufällig nicht belegt. Doch kann man durch das althochdeutsche Wort ezzisc (Saat) und die münsterländischen Siedlungsnamen des 9. Jahrhunderts die altsächsische Form *etisk rekonstruieren. Im Mittelniederdeutschen kommt das Wort als êsch oder esch „Saatland“ vor. Der sprachliche Befund an sich lässt also auf keine besondere Wirtschaftsform (Plaggendüngung) schließen. Die Flurbezeichnung Esch ist somit inhaltlich nicht unbedingt identisch mit dem Fachbegriff Plaggenesch und kann auch Flächen bezeichnen, die nicht den speziellen geologischen Bodentyp aufweisen (Müller, S. 53–55).

 Definition

Der Osnabrücker Jurist Johann Ägidius Klöntrup (1755–1830) beschreibt im ersten Band seines dreibändigen Werkes mit dem Titel „Alphabetisches Handbuch der besonderen Rechte und Gewohnheiten des Hochstifts Osnabrück mit Rücksicht auf die benachbarten westfälischen Provinzen“ aus dem Jahr 1798 die Eschfluren und ihre Bewirtschaftung näher – zu einer Zeit also, als die Eschfluren noch in der herkömmlichen Weise genutzt und bewirtschaftet wurden. Zunächst definiert Klöntrup den Esch als „ein zum Ackerbau bestimmtes Feld, das mehrere zusammen bauen [bebauen].“ Den Esch macht hier also nicht ein spezielles Düngungsverfahren aus, sondern die gemeinschaftliche Nutzung der an dieser Flur Berechtigten.

 Nutzung des Esches

Die einzelnen Parzellen der beteiligten Eschnutzer waren nicht durch kleine Wälle („Aufwürfe“) oder Zäune gegeneinander abgegrenzt, sondern lediglich durch „Furchen“ und vereinzelt gesetzte Markierungssteine. Die „Genossen eines Esches“, wie Klöntrup die beteiligten Nutzer nennt, seien oftmals eine eigene genossenschaftliche Organisationsform, eine „Innung“. Alle Mitglieder derselben hatten das Recht, nach der Ernte ihr Vieh auf den Esch zu treiben und auf den Stoppeln und Ernteresten zu weiden. Aus diesem Grunde durften die Parzellen des Esches nicht eingefriedet werden, was die Gemeinschaftsweide und damit die Rechte des einzelnen Mitberechtigten hätten stören können.

 Ausnahme

Eine Ausnahme war im Fürstbistum Osnabrück allerdings erlaubt. Im Iburger Gödingsspruch vom 15 Mai 1674 wurde zugestanden, dass ein am Esch beteiligter Nutzer seine Parzelle für vier Jahre einhegen durfte, nur musste gewährleistet sein, dass diese zeitlich befristete Einfassung vom Ackerland des Nachbarn so weit entfernt war, dass der Nachbar nicht am Pflügen seines Ackers behindert wurde.

Neben der fehlenden strikten Trennung der einzelnen Ackerparzellen mittels Einfriedungen unterschied sich der Esch von den übrigen Ackerflächen, den sogenannten Kämpen (von lateinisch campus „gehegtes Feld“), zudem durch seinen größeren Umfang und die gemeinschaftliche Besitzstruktur, da ein Kamp in der Regel eine kleinere Fläche aufwies und nur einen Besitzer hatte.

In einigen Fällen kam es vor, dass der Eigentümer einer Eschparzelle nicht Mitglied der Eschgenossenschaft war. In diesem Fall hatte dieser zwar das Recht, sein Vieh nach der Ernte auf seiner Parzelle weiden zu lassen, hatte aber dafür zu sorgen, dass es nicht auf die übrigen Teile des Esches übergriff. Er musste es also durch einen Hirten hüten lassen.

 Flurzwang

Die gemeinschaftliche Nutzung des Esches sah ebenfalls vor, dass kein Beteiligter seine Ackerstücke vor Bartholomäus (24. August) umpflügen durfte, da dieses Vorgehen ebenfalls die gemeinschaftliche Stoppelweide beeinträchtigt hätte, weil durch das Pflügen ein Teil potentieller Weidefläche entfiel. Bei Zuwiderhandlung musste eine Entschädigung an die anderen Nutzungsberechtigten gezahlt werden. Das Verfassungsorgan der Eschgemeinschaft war die Bauersprache („Bursprauke“), die Zusammenkunft der Eschberechtigten, in der über die Land- und Gewannenwege, die Stoppelweide und Pflugart, die Einfriedung sowie andere Belange die Eschflur betreffend beraten wurde. Den Vorsitz dieser Bauersprache führte oftmals der Holzgraf, der Vorsitzende des Holzgerichtes (Hölting; Klöntrup I, S. 340–342).

 Erläuterung der Zeichen

* = keine in der schriftlichen Überlieferung belegte, sondern nach den Regeln des Lautwandels aus nah verwandten Sprachen und Sprachstufen erschlossene Wortform.

ê = langer Vokal e

† = gestorben

 Quellen und Literatur

 Klöntrup, Johann Aegidius, Alphabetisches Handbuch der besonderen Rechte und Gewohnheiten des Hochstifts Osnabrück mit Rücksicht auf die benachbarten westfälischen Provinzen, 3 Bde., Osnabrück 1798–1800.

Westfälischer Flurnamenatlas, bearb. v. Gunter Müller, Lieferung 1, Münster 2000, S. 53–55.

Der Ortsname Kattenvenne

Von Dr. Christof Spannhoff

Vorbemerkung

Die nachfolgenden Ausführungen sind bereits 2013 in einer kleinen, nur in geringer Auflage erschienenen Schrift mit Beiträgen des Verfassers als Nachlese zum Jubiläum „700 Jahre Kattenvenne“ im Jahr 2012 erschienen.[1] Vermutlich aufgrund der geringen Verbreitung und der geringen zeitlichen Distanz wurden die nachfolgenden Überlegungen nicht im Aufsatz zum Ortsnamen Kattenvenne von Kirstin Casemir und Birgit Meineke berücksichtigt, der im zweiten Band der Kattenvenner Ortsgeschichte 2014 erschienen ist.[2] Daher rechtfertigte sich der Wiederabdruck des Aufsatzes in der regionalgeschichtlichen Zeitschrift „Nordmünsterland. Forschungen und Funde“ Band 3 (2016), S. 89–127, um den in ihm enthaltenen Ergebnissen eine bessere Verbreitung zu ermöglichen. Für die erneute Veröffentlichung ist der Beitrag überarbeitet und es sind auch die Ergebnisse von K. Casemir und B. Meineke berücksichtigt worden.

Im elften Band des Westfälischen Ortsnamenbuches (Die Ortsnamen des Kreises Paderborn, Bielefeld 2018) greift B. Meineke diesen Beitrag auf und behauptet, dass das Namenelement katten, das in zahlreichen Hydronymen und Toponymen erscheint, von K. Casemir und ihr im oben angegebenen Beitrag ausführlich besprochen worden sei. Zudem schreibt sie: „zuletzt philologisch nicht ausreichend Spannhoff, Namenglied S. 88ff., insbesondere S. 116ff., der den Ortsnamen von Kattenvenne jetzt auch als metaphorische Bezeichnung für ein Katzenmoor oder einen Katzensumpf [das ’schlechte, geringwertige Moor/der schlechte geringwertige Sumpf‘] einstufen will)“ (S. 262). Diese Behauptung ist schon deswegen unrichtig, weil Meineke nur einen meiner drei (!) Erklärungsvorschläge anführt. Anscheinend hat sie also meinen Beitrag nicht vollständig gelesen, was aber wohl nötig gewesen wäre, wenn man jemandem philologisch nicht ausreichendes Vorgehen vorwerfen möchte. Oder sie verschweigt die übrigen von mir gegebenen Erklärungen wissentlich.

Casemir und Meineke führen den Namen Kattenvenne und weitere ähnliche Orts- und Gewässernamen auf ein Wortfeld um die indogermanische Wurzel *– (< gêu– durch Schwund des zweiten Bestandteiles) ‚biegen, krümmen, wölben‘ zurück, deren angebliche auf der Schwundstufe * beruhende germanische Forführung *ka mit Dentalerweiterung *kat– sich aber im appellativischen Wortschatz der germanischen Einzelsprachen nicht finden lässt (ausführlich s.u.)!

Casemir und Meineke meinen nun, dass sich das Element *kat– aber in Gewässernamen überliefert habe. Abschließend vermuten beide, dass für *kat möglicherweise mit einer Bezeichnung „für die verschiedenen (das Moorgebiet/Fenn entwässernden) kleinen Wasserläufe gerechnet werden kann, wobei die Bachläufe nach ihrem krummen, Winkel bildenden Verlauf benannt worden wären.“ (S. 51).

Um ihren Ansatz zu belegen, führen Casemir und Meineke dann auch eine Reihe von Namen mit einem Element kat(t)- an. Nur trägt diese Liste – so lang sie auch immer sei – nichts zur Erhellung der Frage bei, was das Namen-Element kat(t)- denn nun bedeutet. Denn jeder der aufgeführten Namen müsste einzeln genau analysiert werden, was die Autorinnen aber nicht leisten.

Es ist daher also zu fragen, wer hier nicht ausreichend philologisch und methodisch arbeitet! Da ich mir in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen habe, sei hier noch einmal die genaue Argumentation und das gesamte Material – an leicht zugänglicher Stelle im Internet – vorgeführt, um dem gegen mich geäußerten Vorwurf B. Meinekes zu begegnen.

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Fragestellung

Wie ist der Name Ortes Kattenvenne zu erklären? Um die Antwort zu dieser Frage auf eine abgesicherte Grundlage stellen zu können, gilt es, den Namen nach Wortkunde und etymologischem Anschluss, nach Lautlehre, Grammatik und morphologischer Bildung sowie nach semantischen und morphologischer Entsprechungen darzustellen. Zunächst ist es daher unbedingt notwendig, die historischen Belege des Namens aufzulisten:

Die ältesten Belege des Namens Kattenvenne

1312: item medietatem campi ton Kattenvenne (Abschrift 18. Jh.)[3]

1342: Kattenvennes Kamp (Original)[4]

1357: Arnoldes hus ton Cattenvenne (Original)[5]

1365: Kattenvenneskamp (Original)[6]

1366: Kattenvenes Kamp (Original)[7]

1378: des Cattenvenes kampes (Original)[8]

1437: Kattenvenneskamp (Original)[9]

1477: Kattenveens Kamp (Original)[10]

1537: Johann Kattenfinne (Original)[11]

1543: Cattenvenne (Original)[12]

1545: Cattenfenne (Original)[13]

1575: Jurgen vpn Kattenfenne (Original)[14]

1575/76: Jurgen vff den Cattenfenne (Original)[15]

1580: Kattenfenne (Original)[16]

1583/84: Otto vff dem Kattenfen (Original)[17]

1588/89: Peter vff den Kattenfenne (Original)[18]

1597/98: Peter vff dem Cattenvenne (Original)[19]

1597/98: Otto vff dem Cattenven (Original)[20]

um 1600: Cattenfenne (Original)[21]

um 1610: Hillige vfm Kattenvenne (Original)[22]

1612: Kattenvenneskamp (Original)[23]

1619: Otto vfm Kattenfenne (Original)[24]

1619: Hillige vf dem Kattenfenne (Original)[25]

1621: Katten Venne (Original)[26]

1641: Peter vff dem Kattenvenne (Original)[27]

1788: Kattenvenne (Karte)[28]

Die Hadunueni-Frage und der „ghost-name“ Katenhorst

In den älteren Traditionen des Klosters Corvey, einer Zusammenstellung frühmittelalterlicher Besitzerwerbungen für die Zeit zwischen 826 und 875, wird ein Ort Hadunueni genannt, zu dessen Lage keine näheren Angaben gemacht werden. Im ersten, 1892 erschienenen Band des Osnabrücker Urkundenbuches[29] hat der Bearbeiter, Friedrich Philippi, diesen Ort mit Kattenvenne (Gemeinde Lienen, Kreis Steinfurt)[30] in Verbindung gebracht. Allerdings versah er seine Zuordnung mit einem Fragezeichen. Doch wurde Philippis vermutete Gleichsetzung trotz der angezeigten Unsicherheit in die ortsgeschichtliche Literatur übernommen. So hat Friedrich Ernst Hunsche 1965 diesen Hinweis, wenn auch unter Vorbehalt, übernommen und zu Kattenvenne gestellt.[31] Zwar merkte er an, dass die Identität beider Orte letztlich nicht zu beweisen sei, doch ließ er die Möglichkeit der Gleichheit offen. Dadurch entstand zumindest der Eindruck, dass Kattenvenne bereits im 9. Jahrhundert schriftlich bezeugt sein könnte, was sich auch im Bewusstsein der Bevölkerung bis heute festgesetzt hat. So findet sich etwa im aktuellen Kattenvenne-Artikel des freien Online-Lexikons Wikipedia wie selbstverständlich der Hadunueni-Eintrag der Corveyer Traditionen, datiert auf 836 (?), als Ersterwähnung des Namens Kattenvenne.[32] Doch bereits 2004 hatte Wilhelm Wilkens diese Gleichsetzung abgelehnt und Hadunveni [!] vielmehr bei Lingen lokalisiert.[33] Wilkens‘ Ortsbestimmung scheint letztendlich auf Hermann Dürre zurückzugehen. Dürre hielt bereits 1883 Hadunueni für ein Gegenstück zu Anderveni (Andervenne bei Freren) und verortete den gesuchten Ort somit im Emsland.[34] Von hier aus fand diese Lagebestimmung auch Eingang in die Werke von Hermann Jellinghaus[35] und Adolf Bach[36].

Somit ist im Zuge der Beschäftigung mit dem Ortsnamen Kattenvenne und der Suche nach den ältesten Belegen des Namens kurz auf die Hadunueni-Frage näher einzugehen:

Ein Ort Hadunueni wird in den älteren Corveyer Traditionen, die die Zeit zwischen 826 bis 876  betreffen und deren einzelne Einträge nicht näher datiert werden können, genannt. Die Nennung steht im Zusammenhang folgender Schenkung: Tradiderunt Frekin et Heriman in Hadunueni quidquid ibi habuerunt.[37] Aufgrund dieses kaum Hinweise bietenden Kontexts ist eine Lokalisierung des Ortes äußerst schwierig, zumal auch noch eine mögliche Textverderbnis in Rechnung gestellt werden muss, da die Traditionen nur noch in einer Abschrift aus dem Jahr 1479 vorliegen. Eine Verbindung mit Kattenvenne (Gemeinde Lienen, Kreis Steinfurt) ist aber mit Verweis auf Leopold Schüttes Untersuchungen trotzdem auszuschließen, weil die in der Schenkung genannten Personen eher auf das Gebiet des Bistums Paderborn (evtl. die Umgebung von Höxter oder Marsberg) hinweisen. Zudem ist für die Gegend um Kattenvenne kein Besitz des Klosters Corvey nachzuweisen.[38] Sollte man zudem in Hadunueni eine unverderbte Form annehmen dürften, passen die Belege des Namens Kattenvenne schon wegen ihres durchgängigen k-Anlautes[39] nicht zum Beleg der Corveyer Traditionen (siehe Belegliste), denn h und k stehen in allen Sprachstufen des Deutschen in phonologischer Opposition (Hahn vs. Kahn, Horn vs. Korn, Hammer vs. Kammer). Hadunueni muss also endgültig von Kattenvenne getrennt werden!

Fern bleibt auch der immer wieder für Kattenvenne in Anspruch genommene, angebliche Beleg anno 1170 Katenhorst, da es sich hier nachweislich um eine falsche Lesung des Ortsnamens Kodenhorst handelt, der in Ladbergen-Overbeck (Hof Kohnhorst < Kodenhorst) zu verorten ist.[40] Doch bedarf dies des Nachweises:

Im Jahr 1994 veröffentlichte Jürgen Udolph ein sehr umfangreiches Buch über germanische Ortsnamen („Namenkundliche Studien zum Germanenproblem“). Darin findet auch Kattenvenne Erwähnung: „Katenhorst, 1170 erwähnt, wohl = Kattenvenne bei Tecklenburg“.[41] Doch ist dieser Beleg eindeutig nicht auf die Ortschaft Kattenvenne zu beziehen. Um das zu belegen, ist es allerdings notwendig, die Spur nach der ursprünglichen Quelle aufzunehmen. Udolph verweist als Beleg für seine Identifizierung mit dem heutigen Kattenvenne auf das erstmals 1896 erschienene und in vielen Auflagen erfolgreiche Buch „Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern“ des Namenforschers Hermann Jellinghaus. Dieser führt in der ersten Auflage seines Werkes unter den mit dem Wort fenne ‚Moor‘ gebildeten Namen auch auf: „Kattenvenne, B[auer]sch[aft]. b[ei]. Lienen.? Katenhorst 1170“.[42] Jellinghaus bringt also den Namen – wenn auch mit einem Fragezeichen versehen – mit Kattenvenne in Zusammenhang. Besagter Jellinghaus war auch der Bearbeiter der dritten, 1913 veröffentlichten Auflage des von Ernst Förstemann begründeten „Altdeutschen Namenbuches“.[43] Durch diese Bearbeitertätigkeit hat der Name Katenhorst auch in dieses Standardwerk der wissenschaftlichen Namenkunde Aufnahme gefunden. Von der Namensammlung aus gelangte Katenhorst in den Personennamen-Ergänzungsband des „Altdeutschen Namenbuches“, der von dem Germanisten Henning Kaufmann verfasst und 1968 veröffentlicht wurde.[44] Kaufmann vermutete nämlich, dass dem Bestimmungswort des Namens Katenhorst ein Rufname Cado mit den Nebenformen *Cato oder *Catto[45] zugrunde liege. Der Beleg Katenhorst fand damit auch Eingang in Kaufmanns weitere Werke über die Ortsnamen der rheinischen Städte[46] oder die „Untersuchungen zu altdeutschen Rufnamen“[47] und somit in die neuere wissenschaftliche Literatur. Wahrgenommen haben auch geographische Studien den Namenbeleg und mit Kattenvenne gleichgesetzt und daraus falsche Schlüsse gezogen, wie man in Georg Niemeiers Werk „Die Ortsnamen des Münsterlandes. Ein kulturgeographischer Beitrag zur Methodik der Ortsnamenforschung“ nachlesen kann: „Kattenvenne scheidet aus [aus der Reihe der mit dem Wort venne gebildeten Namen; C.S.], weil es wahrscheinlich mit dem 1170 bezeugten ‚Katenhorst‘ identisch ist.“[48]

Doch es stellt sich die Frage nach der ursprünglichen Quelle des Belegs. In seinem oben bereits genannten und 1896 erschienenen Buch über „Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern“, aus dem auch Jürgen Udolph den Namen Katenhorst übernahm, gibt Hermann Jellinghaus keinen Hinweis auf die Herkunft. Erst in der Überarbeitung des „Altdeutschen Namenbuches“ aus dem Jahr 1913 weist Jellinghaus als Beleg auf den münsterischen Domkapitular Adolph Tibus (1817–1894) hin. Dieser hatte von 1867 bis 1879 ein Werk mit dem Titel „Gründungsgeschichte der Stifter, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereiche des alten Bisthums Münster mit Ausschluß des ehemaligen friesischen Theils“ herausgegeben, in dem er an der von Jellinghaus angegeben Stelle schreibt: „Die Bischöfe Philipp von Osnabrück und Werinher von Münster traten darüber [über die Grenze zwischen den Kirchspielen Lengerich und Ladbergen, C.S.] in Verhandlung und erst im J.[ahr] 1170 wurde endgültig entschieden: Lengerich soll gegen eine Entschädigung auf die Bauerschaften Katenhorst und Holte verzichten […]“.[49] Als Quelle nennt Tibus die Urkundensammlung in der von Bernhard Rudolph Abeken neu herausgegebenen „Osnabrückische[n] Geschichte“ von Justus Möser.[50]

Mit diesem Hinweis auf die kirchliche Grenzziehung im Jahr 1170 zwischen den Kirchspielen Lengerich und Ladbergen kommt man zur Lösung des Problems, ob Katenhorst mit Kattenvenne identisch sein kann: Denn schaut man in die entsprechende Urkunde aus dem Jahr 1170, deren Text sowohl bereits in der Neuausgabe von Mösers „Osnabrückische[n] Geschichte“ als auch 1892 erneut im ersten Band des Osnabrücker Urkundenbuches veröffentlicht wurde[51] und die sich als Abbildung in Gert Schumanns „Geschichte der Stadt Lengerich“ findet[52], kann man unzweifelhaft lesen, dass der dort bezeichnete Ort nicht Katenhorst, sondern Kodenhorst heißt! Adolph Tibus hat sich also schlicht und einfach verlesen bzw. eine falsche Namenform in seinem Werk abgedruckt.

Tibus setzt aber auch 1867 erstmals das vermeintliche Katenhorst mit Kattenvenne in Beziehung, wenn er schreibt: „Den Namen Katenhorst finde ich nicht mehr; er ist wohl gleichbedeutend mit Kattenveen.“[53] Den Namen Katenhorst konnte er aber auch gar nicht finden, weil dieser in dieser Region nicht existiert hat! Wohl aber hätte Tibus Kodenhorst finden können.

Bei dem 1170 genannten Ort Kodenhorst handelte es sich um einen Siedlungsbezirk, der heute zur Ladberger Bauerschaft Overbeck gehört und der noch im Ladberger Hofnamen Kohnhorst (Kohnhorstweg 14, 49549 Ladbergen) weiterlebt.[54] Das für Kodenhorst verlesene °Katenhorst existiert also nicht. Die vermeintliche Ähnlichkeit der Bestimmungswörter beider Namen (KatenKatten) ist damit nicht gegeben und folglich ist °Katenhorst, das eigentlich Kodenhorst lauten müsste und in Ladbergen genau lokalisiert werden kann, eindeutig nicht identisch mit Kattenvenne.

Methodische Überlegungen

Somit stammt der älteste Nachweis des Namens Kattenvenne aus dem Jahr 1312. Als strenger Grundsatz der Namenforschung hat aber zu gelten, dass ohne zwingende Gründe keinem Ortsnamen ein höheres Alter zuzusprechen ist, als das der ältesten Bezeugung.[55] Dieses methodische Prinzip ist äußerst wichtig, denn aus ihm ergibt sich der erste Anhaltspunkt für die sprachliche Analyse eines Namens: die Wahl der Sprache bzw. Sprachstufe, mit der ein Name zunächst zu erklären versucht werden muss. Denn Namen werden mit Wörtern der Sprache gebildet, die zum Zeitpunkt der Entstehung von den Namengebern gesprochen wurde. Es gilt also, Namen an Wörter einer Sprache und Sprachstufe anzuschließen, zuvörderst derjenigen der Epoche und der Region, in der der Name erstmals erwähnt wurde. Erst wenn dieses Bemühen ohne akzeptable Ergebnisse bleibt, ist es zulässig – mit aller methodischen Vorsicht –, die Frage zu stellen, ob ein Name möglicherweise einer älteren Sprachschicht angehört.

Namenkunde ist ein Zweig der historischen Sprachwissenschaft, das heißt, dass zur Erklärung eines Namens auch vor allem und an erster Stelle sprachliche Mittel anzuwenden sind. Dabei können Wörter und ihre Bedeutung jedoch nicht aus Namen gewonnen werden, indem man Rückschlüsse vom benannten Objekt (z.B. der Gestalt der Landschaft) auf den Namen selbst zieht, wie es häufig geschieht, denn die Namen selbst bedürfen einer Erklärung und können nicht aus sich selbst heraus erklärt werden. Andernfalls ergeben sich nur Zirkelschlüsse. Der Gang in die Landschaft und die Untersuchung der topographischen Gegebenheiten kann höchstens ergänzend als Realprobe zur Unterstützung der Ergebnisse der sprachlichen Analyse nützlich sein. Sie können aber nicht die Suche nach den einem Namen zuvor liegenden Wörtern ersetzen. Auch können sich die einzelnen Elemente eines Namens nicht gegenseitig erklären.

Mit Namen lässt sich also der begriffliche Inhalt von Wörtern nicht nachweisen; nur umgekehrt: lediglich mit den Wörtern der gesprochenen und geschriebenen Sprache, deren Bedeutung bekannt ist, kann man die begriffliche Aussage der Namen aufklären. Deshalb müssen die einem Namen zugrunde liegenden Wörter und ihr begrifflicher Wortinhalt im Wortschatz, der für historische Sprachstufen in geschriebenen Texten überliefert ist, nachgewiesen oder methodisch richtig erschlossen werden.[56]

Die Fragen, die sich der Namenforscher also stets zu stellen hat, sind: Welche Wörter liegen dem Namen zuvor und wo lassen sich diese Wörter mit welcher Bedeutung im appellativischen Wortschatz finden?[57]

Unter diesen methodischen Prämissen muss auch der Name Kattenvenne betrachten werden. Da er erstmals 1312 erscheint und die mit diesem Namen benannte Örtlichkeit unzweifelhaft im niederdeutschen Sprachraum liegt, muss der Name Kattenvenne somit auch mit den Wörtern und Mitteln der niederdeutschen Sprache und ihrer älteren Sprachstufen, dem Altsächsischen und dem Mittelniederdeutschen, erklärt werden.

Sprachliche Analyse

Die überlieferten Belege (s.o.) zeigen, dass der Name Kattenvenne von seiner Bildungsweise her eindeutig ein Kompositum ist, d.h. er setzt sich aus einem Grundwort und einem dieses Grundwort näher kennzeichnenden Bestimmungswort zusammen.[58] Die Belegliste zeigt zudem, dass der Name in syntagmatischen Wendungen im lokativischen Dativ Singular erscheint (z.B. 1312 item medietatem campi ton Kattenvenne oder 1575 Jurgen vpn Kattenfenne). Daraus ist eine ursprüngliche Form *Kattenvenn (Nominativ Singular Neutrum) zu erschließen, von der die sprachliche Analyse auszugehen hat. Die Annahme dieser Ausgangsform wird durch den bis heute anzutreffenden Flurnamen Kattenvenn in Ostbevern und Ladbergen gestützt. *Kattenvenn war also ein ursprünglicher Flurname. Das zusätzliche Vorkommen des Flurnamens Kattenvenn in den beiden Nachbarorten zeigt zudem die frühere Ausdehnung des Gebietes, das ursprünglich unter dem Namen *Kattenvenn verstanden wurde.

Das Grundwort des Namens *Kattenvenn ist eindeutig venn ‚Sumpf, Moor, Sumpfland, Moorland‘, das in allen germanischen Sprachen anzutreffen ist: Althochdeutsch fenni, ‚stehendes Wasser, Sumpf Moor‘, mittelhochdeutsch venne, altsächsisch fen(n)i, mittelniederdeutsch venne ‚moorige Weide‘, mittelniederländisch vêne, veen, niederländisch veen ‚Torfmoor‘, altenglisch fenn ‚Sumpf, Schlamm, Schmutz‘, altenglisch (mit Ablaut) fyne ‚Feuchtigkeit‘, altnordisch fen ‚Sumpf‘, gotisch fani ‚Schlamm‘.[59]

Für das Altsächsische ist das Wort z.B. in den Essener Evangelien-Glossen, die vermutlich aus dem 10. Jahrhundert stammen, bezeugt. Dort findet sich die Gleichsetzung von feni endi that mor [Venn und das Moor] mit lateinisch palus ‚Sumpf‘ und das dazu gebildete feni-lîk ‚moorig‘. In den Prudentius-Glossen vom Ende des 10. Jahrhunderts heißt es: an themo fenilicon turua [lies: turva], das mit palustri cespite ‚an dem/der sumpfigen, moorigen Rasen, Rasenstück, Torf, Plagge, Scholle‘ übersetzt wird.[60] Das Wort venne, ven, vennelant, venlant ist auch für das Mittelniederdeutsche, das dem Altsächsischen als niederdeutsche Sprachstufe folgte, gut belegt. Aus den Textzeugnissen ist hier auch die Weiterentwicklung als ‚zur Viehweide genutztes Land‘ zu erkennen.[61]

Somit ist das Grundwort des Namens Kattenvenne – –venn – als ‚sumpfiges Land, Moor, das zur Viehweide genutzt wurde‘, zu bestimmen. Der spätere Siedlungsname Kattenvenne geht also auf eine ursprüngliche Flurbezeichnung zurück.

Doch um welche Art ‚Sumpf, Moor‘ handelte es sich? Welche Erklärung bietet sich für das Bestimmungswort katten– an? Aufgrund der zuvor aufgestellten methodischen Forderungen der wissenschaftlichen Namenforschung kann das Bestimmungswort katten nur an die Pluralform von mittelniederdeutsch katte ‚Katze‘[62], altsächsisch *katta, altenglisch cat, catt angeschlossen werden; ein Wort, das offenbar aus dem Mittelmeerraum stammt und früh über das Lateinische in die romanischen, keltischen und germanischen Sprachen eindrang.[63] Die Bezeichnung für das Tier ist im Althochdeutschen seit Beginn der schriftlichen Überlieferung bezeugt. In den althochdeutschen Glossen des 8. und 9. Jahrhunderts werden die Wörter kazza, chazza, chazzo mit den lateinischen Begriffen philax, muriceps, natrix (entstellt aus murix = murio), miluo (= murio) übersetzt.[64]

Diese Feststellung hindert auch nicht die Kombination mit dem Grundwort –venn(e), denn mit diesem zusammengesetzt finden sich neben Bestimmungswörtern, die auf die Größe, Gestalt und Farbe hinweisen (z.B. Langenfenne), auch solche, die Tierbezeichnungen enthalten (Kronenveen, zum Kranich, oder Ochsenveen zum Ochsen).[65]

Zahlreiche Tierbezeichnungen sind auch in anderen Örtlichkeitsnamen des niederdeutschen Raumes anzutreffen.[66] Besonders häufig erscheinen Vögel, speziell die Krähe oder der Habicht, und Nutztiere, also Ochsen, Kühe, Schafe, Pferde, Schweine, aber auch Wildtiere, wie der Hirsch oder der Fuchs. Doch nicht nur Flurnamen sind mit Tierbezeichnungen gebildet worden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Bestimmungswörter zahlreichen wîk-Namen, die Siedlungen benennen: Katwijk aan Zee, Katwijk aan den Rijn, Kettwig (1052 Katuuik, ebenfalls zu altsächsisch *katta, mittelniederdeutsch katte), Beverwijk (zum Biber), Berwicke (zum Eber), Vinkwijk (zum Finken), Voswyck (zum Fuchs), Ganswich, Hennewich und Hundewick.[67]

Der ursprüngliche Flurname *Kattenvenn bezeichnete also ein ‚Katzenmoor‘ oder einen ‚Katzensumpf‘!

Bisherige Deutungsversuche und ihre Entkräftung

Gegen diese Erklärung des Namens sind zahlreiche Einwände ins Feld geführt worden, die es zunächst mit sprachlichen Argumenten zu widerlegen gilt, bevor anschließend die hier vertretene Bestimmung des Namens Kattenvenne als ‚Katzenmoor, Katzensumpf‘ anhand semantischer und morphologischer Entsprechungen ausführlich abgesichert wird und verschiedene Möglichkeiten der Namenmotivation dargelegt werden.

Ein Rufname Cado, *Catto, *Katto?

Sprachlich durchaus möglich ist der Anschluss des Namens Kattenvenne an die nicht belegten, aber denkbaren lautlichen Varianten des alten Rufnamens Cado: *Cato, *Catto, *Katto. Der Rufname wäre dann mit schwacher Genitivflektion als Catten-, Katten– an das Grundwort –venne getreten.[68] Somit könnte das *Kattenvenn aus sprachlicher Sicht sicherlich ein ‚Sumpf/Moor eines *Catto/*Katto‘ gewesen sein. Der Rufname *Cato/*Kato ist sogar aus dem in der näheren Umgebung anzutreffenden Siedlungsnamen Kettrup bei Saerbeck (um 1050 Katingtharpa[69]) zu erschließen. Der Name der Siedlung wurde mit dem Grundwort altsächsisch thorp gebildet (in der Form Katingtharpa mit früher Zerdehnung des o vor r zu a und in der Form des Dativs Singular).[70] An den Rufnamen *Cato/*Kato trat das germanisch-deutsche Suffix –ing, das zur Benennung von Personal-, Familien- oder Siedler-Verbänden diente.[71] Somit ist der Name Katingtharpa als ‚Siedlung der Leute eines *Kato‘ zu erklären. Doch ist im Fall Kattenvenne die Bildung mit einem Rufname sehr unwahrscheinlich, weil es keine weiteren Zusammensetzungen von Rufnamen mit dem Grundwort –venn gibt.[72] Deshalb muss dieser Anschluss fernbleiben.

‚Vertiefung/Einschnitt‘ oder ‚Wasser‘?

Es ist oben bereits angesprochen worden, dass einem Ortsnamen ohne zwingende Gründe kein wesentlich höheres Alter zugesprochen werden darf als das seiner ersten schriftlichen Erwähnung. Der oberste Grundsatz, der sich aus dieser Maxime ableitet, muss – zugespitzt formuliert – lauten: Was wie ein deutscher Name aussieht und in seinen Bestandteilen auf den deutschen Wortschatz zurückgeführt werden kann und sich in seiner Zusammensetzung mit den Mitteln der deutschen historischen Grammatik erklären lässt, ist auch deutsch![73]

Die immer wieder geäußerte Unterstellung, dass ein Name vorgermanischen Ursprungs und später im Verlauf der Geschichte umgedeutet und bereits vor seiner ersten schriftlichen Erwähnung sprachlich so angepasst worden sei, dass das Ergebnis auf eine germanische Sprache schließen ließe, wodurch der methodisch arbeitende Philologe getäuscht werde, ist nicht zulässig.[74] Denn eine solche Entstellung ist mit gar keinen Mitteln festzustellen oder zu erschließen. Man wird somit zwar theoretisch einen geringen Prozentsatz unerkannter und unerkennbarer vorgermanischer Ortsnamen, die in germanisch anmutender Gestalt auftreten, annehmen müssen, doch wird man umgekehrt diese niemals ausmachen können, weil die Ausgangsbasis fehlt. Trotzdem versuchen philologische Laien immer wieder durch zirkelschlüssiges Raten auf Basis der topographischen Gegebenheiten einen gut erklärbaren Namen an vorgermanische Wörter anzuschließen. Auf diesem Wege wurde auch dem Namen Kattenvenne indirekt ein Entstehungszeitpunkt zugewiesen, der in vorgermanische Zeit zurückreicht.

So hat Rolf Kötterheinrich jüngst eine Deutung des Namens Kattenvenne versucht, der von philologischer Seite zu widersprechen ist.[75] Nach Kötterheinrich soll der Name angeblich aus den ursprünglichen Bestandteilen Gatt/Katt und Venne bestehen, die beide angeblich dasselbe [!], nämlich ‚Vertiefung/Einschnitt‘ bedeuten und durch die Topographie (Wasserlöcher in Sanddünenlandschaft) motiviert sein sollen. Welcher Sprache oder Sprachstufe diese Wörter angehören sollen, teilt Kötterheinrich allerdings nicht mit! Doch lautet der Name nicht Gattvenne oder Kattvenne (Kötterheinrich unterschlägt einfach die Lautgruppe en, ohne sie zu erklären!), sondern seit Beginn der Überlieferung 1312 Kattenvenne (mit den graphischen Varianten Cattenfenne, Cattenvenne, Kattenfenne, die allerdings lautlich keine Bedeutung haben. Siehe Belegliste).

Eine Bedeutung ‚Vertiefung/Einschnitt‘ für das Wort altsächsisch fen(n)i, mittelniederdeutsch ven, venne ‚Sumpf, Moor‘, wie Kötterheinrich sie unterstellt, ist allerdings nicht nachzuweisen. Es bedeutet immer ‚Sumpf/Sumpfland, Schlamm, Kot‘.[76] Woher Kötterheinrich die angebliche Wortbedeutung nimmt, teilt er nicht mit. Nicht zu belegen ist auch das angebliche Bestimmungswort katt in der von ihm angeführten Bedeutung! Er denkt möglicherweise an altsächsisch, mittelniederdeutsch gat ‚Loch, Durchgang‘.[77] Das Wort ist verwandt mit hochdeutsch Gasse und Gatter.[78] Doch lauten niederdeutsch gat und seine Verwandten stets mit g an, niemals mit k. Der Name Kattenvenne hat aber ausschließlich k-Anlaut, zeigt niemals ein g. Doch stehen im Deutschen g und k in phonologischer Opposition: Graus und Kraus, gern und Kern, Gante und Kante sind völlig verschiedene Wörter. Somit sind die Ausführungen Kötterheinrichs zum Namen Kattenvenne hinfällig. Weder der vermeintliche Bestandteil katt noch das Wort venne existieren in einer Bedeutung ‚Vertiefung/Einschnitt‘!

Zu widersprechen ist auch dem Ansatz von Wilhelm Wilkens, der in eine ähnliche Richtung geht. Er schreibt: „Der Name Kattenvenne hat weder etwas mit einer im Moor gelegenen Kate noch mit dort herumlaufenden Katzen zu tun. Der Vergleich mit anderen Orts- und Flurnamen, die katt/gatt enthalten [welche?; C.S.], zeigt, daß wir es mit einem Wasserwort zu tun haben (vgl. das Kattegatt). Ein Gatt ist ein Tor (vgl. Gatter), und unter einem Venn versteht man ein Moor mit offenen Wasserflächen. R. Kötterheinrich macht darauf aufmerksam, daß die beiden Wortstämme kat und venn in der Mehrzahlbildung vorliegen.[79] Damit wird die Weite des Moores unterstrichen, das mit einem ganzen Netz (Gatter) von Wassertümpeln durchsetzt ist.“[80]. Wilkens geht somit – wie das Literaturverzeichnis seines Buches ausweist[81] – zumindest für den Wortbestandteil katten- dem umstrittenen Philologen Hans Bahlow auf den Leim. Bahlow propagierte, dass er in zahllosen deutschen Ortsnamen vorgermanische Wasserwörter habe ausmachen und erschließen können. Doch kann er seine Wortansätze nicht belegen und erschließt sie auf methodisch unzulässige Weise, indem er z.B. in zweigliedrigen Ortsnamen von einem bekannten Element auf die Bedeutung des anderen rät. Ferner haben ihm sich reimende Bestandteile die gleiche Bedeutung. Doch wird wohl niemand ernsthaft behaupten wollen, dass z.B. neuhochdeutsch Buch und Tuch den gleichen Wortinhalt aufweisen. Warum also sollte so etwas für andere Sprachstufen oder gar Sprachen zutreffen? Auf dieses zirkelschlüssige Verfahren ist bereits oben eingegangen worden. So nimmt es nicht wunder, dass seine nicht haltbare Ortsnamendeutungen bereits vor über einem halben Jahrhundert von der wissenschaftlichen Namenforschung fast vollständig widerlegt worden sind.[82] Damit sind aber auch die Deutungen von Rolf Kötterheinrich und Wilhelm Wilkens, die in der Nachfolge Bahlows stehen, gegenstandslos, weil sie einer sprachlich abgesicherten Grundlage entbehren.

‚Krümme, Winkel, Biegung‘?

In der Vergangenheit sind einige weitere Erklärungsversuche nicht speziell für Kattenvenne, sondern zu den katten-Namen generell gemacht worden. So setzt Robert Jahn im Hinblick auf den Ortsnamen Kettwig (heutiger Stadtteil von Essen: 1052 in Katuuik[83], Mitte des 12. Jahrhunderts in Katwig[84]) im Bestimmungswort kat mit der angeblichen Bedeutung ‚Gelenkknochen, Krümme‘ an und deutet Kettwig somit als ‚Siedlung an der Flusskrümmung‘.[85] Doch wie hat Jahn die Bedeutung des von ihm in Ansehung gebrachten Wortes erschlossen? Als Herkunftssprache gilt ihm das Friesische. Die altfriesischen Rechtstexte bieten nun aber nur friesisch kate ‚Knöchel‘.[86] Somit ist gar nicht von einem ‚gebogenen‘ Knochen die Rede. Das altfriesische kâte ‚Knöchel‘ hat seine Entsprechung in mittelniederdeutsch kot, kote ‚Gelenkknochen‘, auch ‚Fuß eines Pferdes‘, ‚Fuß eines Pfeilers‘ und ein ‚aus dem Knöchel geschnitzter Würfel zum Spielen‘.[87] Das zeigt aber, dass aus lautlichen Gründen das friesische Wort kâte ‚Knöchel‘ (mit langem Stammvokal) nicht für den mittelniederdeutschen Raum angesetzt werden kann, weil hier eine Form mit o galt.[88] Folglich ist das nur im Friesischen bezeugte Wort kâte für Kettwig (noch Mitte des 12. Jahrhunderts in Katwig) und auch für Kattenvenne, wegen des kurzen Stammvokals a, nicht zu gebrauchen. Das Nebeneinander der Formen mittelniederdeutsch kot, kote und friesisch kâte weist darauf hin, dass im Friesischen das kurze o zu einem langen a zerdehnt wurde. Dieser Vorgang ist aber eben nur auf das Friesische beschränkt, weil im Mittelniederdeutschen das kurze o in kot, kote bestehen blieb.[89] Damit ist ein Wort kate mit der angeblichen Bedeutung ‚krumm, Krümme‘ für den mittelniederdeutschen Raum auszuschließen. Zudem hätte es sich gegebenenfalls auch in anderem Zusammenhang im appellativischen Wortschatz des Mittelniederdeutschen, also außerhalb der erklärungsbedürftigen Namenwelt, niederschlagen müssen.[90]

Doch auch Wilhelm Kaspers griff Jahns Einfall auf und behauptete ebenfalls, ohne Belege aus dem Wortschatz anzuführen, dass in dem germanischen Wort *kat(t)- eine Bedeutung ‚Winkel, Biegung, Krümmung‘ zu finden sei. Dazu stellte er dann auch altsächsisch *katta, althochdeutsch kazza als ‚Tier mit dem krummen Buckel/Rücken‘.[91] Das von ihm erschlossene Wort germanisch *kat(t) ‚Winkel, Biegung, Krümmung‘ schloss er an die indogermanische Wurzel *gēu-, *gəu-, * ‚biegen, krümmen, wölben‘ an. Zu seiner Folgerung germanisch *kat(t) = ‚Winkel, Biegung, Krümmung‘ kam Kaspers durch die Interpretation der lateinischen Waffenbezeichnung cateia, die in Vergils Aeneis (VII, 741) genannt wird. Die cateia scheint eine zurückkehrende, also ‚gebogene‘ oder ‚gekrümmte‘ Wurfkeule, eine Art Bumerang gewesen zu sein. Da es bei Vergil heißt, dass diese ‚gebogene‘ oder ‚gekrümmte‘ Keule teutonico ritu, also ‚nach teutonischer Art und Weise‘ geschwungen wurde, nimmt er an, cateia sei ein germanisches Wort, das als Fachwort zusammen mit der von ihm bezeichnenden Waffe von den Römern übernommen worden sei. Aus dieser Hypothese erschließt Kaspers seinen Ansatz germanisch *kat(t)- ‚krumm‘ und cattus ‚Tier mit krummem Rücken‘.[92] Der Germanist Paul Derks wendet gegen diese Annahme dreierlei ein: „Einmal sind bekanntlich die poetischen Völker-Nennungen [hier bezogen auf Vergils Charakterisierung des Waffengebrauchs als teutonico ritu – ‚nach teutonischer Art und Weise‘; C.S.] nur sehr bedingt für die tatsächlichen ethnischen Gegebenheiten in Anspruch zu nehmen. Dann ist die Katze vor ihrer späteren europäischen Domestizierung den Beobachtenden gewiß nicht als ruhend, sondern als jagender Nahrungs-Konkurrent aufgefallen, also lang gestreckt und ohne Buckel.“[93] Schließlich und nachdrücklich weist Derks darauf hin, dass Leo Weisgerber bereits 1937 nachgewiesen hatte, dass eine germanische Etymologie für die Waffenbezeichnung cateia nicht möglich ist.[94] Folglich sind die Überlegungen Kaspers, die sich lediglich auf die Vergil-Stelle und seine nicht zwingenden topographischen Beobachtungen an den von ihm angeführten Beispielorten gründen[95], nichtig.[96] Dennoch führt neuerdings auch Birgit Meineke unverständlicherweise wieder Kaspers Überlegungen zu dem vermeintlichen Wort germanisch *kat(t) ‚krumm, gebogen; Winkel‘ bzw. zu dessen vermuteten indogermanischen Vorstufe *gēu-, *gəu-, * ‚biegen, krümmen, wölben‘ als Erklärungsmöglichkeiten im Hinblick auf die Wüstungsnamen Kotelwik (bei Rödinghausen, Kreis Herford) und Quaduflen (bei Herford) an.[97]

Doch wenn Kaspers recht anfechtbarer Wortansatz als einzige sprachlich-lexikalische Begründung für die Gleichsetzung germanisch *kat(t) mit ‚krumm, gebogen; Winkel‘ wegfällt, bleibt auch in diesem Fall nur die zirkelschlüssige und methodisch äußerst unsichere Erschließung einer Wortbedeutung aus der Beobachtung der topographischen Gegebenheiten als Grundlage dieser Etymologie.

Hinzu kommt, dass die von Kaspers festgestellten Flusskrümmungen an seinen Beispielorten nicht den Namen der Siedlungen motiviert haben müssen, denn welches natürliche Gewässer hat keine mehr oder weniger ausgeprägte Biegung oder Krümmung? Ohne einen sicheren Anschluss an ein bezeugtes oder gut erschlossenes Appellativ als Grundlage bleiben alle Erklärungsversuche aus der Topographie reine Spekulation, weil den Beispielorten von Kaspers noch weitere, möglicherweise namengebende Gemeinsamkeiten anhaften können, die bisher gar nicht betrachtet wurden. Um dieses zirkelschlüssige Verfahren anschaulich darzustellen, sei folgendes Beispiel gegeben. Alle von Kaspers angeführten Orte, die angeblich *kat(t) ‚krumm‘ enthalten, liegen an einem Gewässer. Warum sollte dann – nach dem gleichen Muster wie bei der Flusskrümmung – *kat(t) nicht auch für ‚Wasser‘ stehen können? Zudem ist es an allen diesen Orten im Frühjahr grün. So könnte man mit gleichem Recht behaupten, *kat(t) bedeute nichts anderes ‚grün‘. Dass diese Farbe in Ortsnamen vorkommt, beweist z.B. der Name Groningen.[98] Doch gewonnen ist damit nichts.

Diese Ausführungen zeigen anschaulich die Beliebigkeit und Willkürlichkeit einer solchen Vorgehensweise. Für Kattenvenne käme bei einem Ansatz *kat(t) ‚krumm‘ außerdem noch die semantische Schwierigkeit hinzu, was denn im *Kattenvenn ursprünglich ‚krumm‘ und damit namengebend gewesen sein soll?

Allerdings gehen auch Kirstin Casemir und Birgit Meineke in ihrem 2014 veröffentlichten Aufsatz erneut in eine ähnliche Richtung. Beide führen den Namen Kattenvenne auf ein Wortfeld um die indogermanische Wurzel *– (< gêu– durch Schwund des zweiten Bestandteiles) ‚biegen, krümmen, wölben‘ zurück. Deren Schwundstufe * sei im Germanischen zu *ka geworden. Durch Dentalerweiterung könne dann eine Form *kat– entstanden sein, die von ihnen im Namen Kattenvenne angesetzt wird. Problematisch an diesem Ansatz ist aber, dass er sich im appellativischen Wortschatz der germanischen Einzelsprachen nicht finden lässt. Casemir und Meineke meinen nun, dass sich das Element *kat– in Gewässernamen überliefert habe. Abschließend vermuten beide, dass für *kat möglicherweise mit einer Bezeichnung „für die verschiedenen (das Moorgebiet/Fenn entwässernden) kleinen Wasserläufe gerechnet werden kann, wobei die Bachläufe nach ihrem krummen, Winkel bildenden Verlauf benannt worden wären.“[99]. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass das Gebiet Kattenvennes erst recht spät, im Hochmittelalter, besiedelt worden und die Landschaft erst zu dieser Zeit von den Siedlern mit Namen versehen worden ist.[100] Ob bei in dieser Zeit gebildeten Toponymen aber noch ein derart archaisches Wort wie germanisch *kat– ‚gekrümmt, gebogen, gewölbt‘ in dieser allgemeinen Bedeutung in Rechnung gestellt werden darf, ist doch mehr als fraglich.[101]

‚Sumpf mit Kotten, kleinen Häusern‘?

Zur Erklärung des Namens Kattenvenne ist ferner die Vermutung geäußert worden, das Bestimmungswort gehe auf altsächsisch und mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘[102], mittelniederdeutsch auch zerdehnt zu kâte, kâten zurück.[103] Nun scheinen Eintragungen in den Tecklenburger Viehlisten aus dem Jahr 1643 diese Annahme zu bestätigen. Dort finden sich im Abschnitt zum Kirchspiel Ledde die Formen Catten bzw. Katten und Halbcatten bzw. halbe Catten für das Wort kotten, also für kleinere bäuerliche Anwesen bzw. Gehöfte.[104] Diese Variante catten bzw. katten zur Normalform kotten könnte auf den ersten Blick auch dem Namen Kattenvenne zuvor liegen, so dass ursprünglich mehrere kleine Häuser oder Gehöfte im Moor den Namen motiviert hätten. Doch findet sich in denselben Viehlisten neben der Form Catten/Katten auch die Form Kotten.[105] Die Variante catten/katten stellt aber – wie gesagt – lediglich eine durch die mittelniederdeutsche Zerdehnung (o > a) in offener Tonsilbe entstandene Variante von kotten dar.[106] Wie in den Viehlisten von 1643 beide Varianten nebeneinander erscheinen, so wären auch für den über einen langen Zeitraum gut belegten Namen Kattenvenne Formen mit o zu erwarten gewesen (*Kottenvenne), denn im Sprachgebiet des Westfälischen, also auch im Kattenvenner Raum, konnte sich die Zerdehnung nicht vollständig durchsetzen.[107] So wechselte weiterhin o mit a. Das Bestimmungswort des Namens Kattenvenne zeigt aber im Stammvokal durchgehend ein a. Man könnte natürlich annehmen, dass die Zerdehnung von o > a bereits vor dem Erstbeleg des Namens Kattenvenne im Jahr 1312 stattgefunden habe und erhalten geblieben sei. Doch steht dieser Vermutung die geographische Ausbreitung des sprachlichen Phänomens zu diesem Zeitpunkt entgegen. Agathe Lasch hat diese räumliche Expansion beschrieben. Die Zerdehnung ist von Norden nach Süden gedrungen. Ihr Ausgangspunkt war das Nordniedersächsische, also der Küstenraum von Friesland bis zur Ostsee, wo die Orthographie a in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts für o sich durchsetzt. Frühe Belege lassen sich im westlichen Münsterland Anfang des 15. Jahrhunderts finden. Sie sind vom niederländischen Sprachraum (Groningen, Drenthe) her beeinflusst worden. In Ostfalen wird der kurze Vokal o dann gar nicht mehr zu gelängtem a zerdehnt, sondern zu gelängtem o.[108] Das zeigt, dass die Durchsetzung der Zerdehnung in Westfalen also von Westen nach Osten hin abnimmt. Erst später tritt das Phänomen vereinzelt auch in Lienen auf und kann sich hier ebenfalls nicht vollends durchsetzen. So verkauft noch 1482 Herman van Borchorst anders Kerstapel dem Grafen Claes von Tecklenburg seinen „kothen [und nicht kathen!] gheheten Hünekinck to Holtperdarpe in den Kerspel van Lynen“.[109] Ebenso wird der Hof Oberdalhoff in Lienen-Aldrup 1494 noch als Overdalmeyger[110], 1511 als de Overdaelmeyger[111] und 1580 als Overdalhoff[112] bezeichnet, während er 1621, 1634, 1643 und 1673 als Averdalhoff erscheint.[113] Im Lienener Raum, zu dem auch Kattenvenne gehört, lässt sich die Zerdehnung also erst spät nachweisen. Für das 14. Jahrhundert kann sie somit für den Sprachraum um Lienen und Kattenvenne noch nicht angenommen werden.

Ferner ist einzuwenden, dass, wenn der Stammvokal a im Bestimmungswort des Namens Kattenvenne auf Zerdehnung zurückzuführen wäre, er sich im Bestimmungswort katten in offener Tonsilbe von einem kurzen o zu einem gelängten a hätte entwickeln müssen.[114] Das a im Namen Kattenvenne ist aber bis heute kurz und auch immer ein kurzer Vokal gewesen, wie die durchgängige Schreibung mit Gemination (Verdopplung) des nachfolgenden Dentals t bezeugt (vgl. auch die unterschiedliche Vokalquantität in den niederdeutschen Bezeichnungen kotten und kâte für ‚kleines Haus, Hütte‘, die sich ebenfalls auf niederdeutsche Zerdehnung zurückführen lässt.[115]).[116] Deshalb kann der Name Kattenvenne aus lautlichen Gründen nicht mit mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘ in Zusammenhang gebracht werden.

In diesen lautlichen Kontext hinein gehört auch der immer wieder zur Erklärung des Namens Kattenvenne ins Feld geführte Flurname Kattmanns Kamp, der sich aus dem älteren Kattenvennes Kamp entwickelt haben soll.[117] Der Kattmanns Kamp erscheint erstmals 1499 in der Form Katmannskamp.[118] 1531 heißt er Katmeskamp.[119] Da aber noch 1612 der Kattenvenneskamp als solcher genannt wird[120], liegt der begründete Verdacht nahe, dass es sich bei den als Kattenvennes Kamp und Kattmanns Kamp benannten Flurstücken um zwei verschiedene Objekte gehandelt hat, die wohl zwar in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander lagen, jedoch aus sprachlichen Gründen streng voneinander getrennt werden müssen. Andernfalls ist das zeitliche Nebeneinander beider Formen nicht zu erklären. Bestätigt wird dies zudem durch einen 1788 erwähnten, in der Nähe des Kattmanns Kamp gelegenen Catmanns Busch, der ebenfalls eine zum Hof Kattmann in Ladbergen-Hölter gehörige Flur darstellte und nach eben dieser Zugehörigkeit benannt wurde.[121]

Der Kattmanns Kamp gehört also in sprachlicher Hinsicht zum Hofnamen Kattmann in Ladbergen-Hölter. Anhand der Überlieferung des Hofnamens kann man sehr anschaulich die lautliche Entwicklung ablesen: 1580 Kotteman, 1621 Kotteman, 1634 Kotteman, 1643 Kattman, 1673 Kotteman, 1755 Joh. Kottman, 1774 Kottmann, 1833 Kattmann.[122] Der Hofname geht also in der Tat auf mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘ zurück und weist in einigen Belegen Senkung des Stammvokals von o > a im Bestimmungswort auf. Die lautliche Entwicklung dieses Namens ist also ein zusätzlicher anschaulicher Beweis gegen die Vermutung, im Namen Kattenvenne stecke ebenfalls mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘, weil der Name Kattenvenne eben diese lautliche Entwicklung (Wechsel des Stammvokals zwischen o und a) nicht aufweist, obwohl er wesentlich besser und über einen längeren Zeitraum überliefert ist als der Hofname Kattmann.

Zwischen dem Kattenvennes Kamp und dem Kat(t)manns Kamp (auch Katmes Kamp mit häufig anzutreffender Verschleifung des Grundwortes –mann im Genitiv[123]) ist also sprachlich nicht zu vermitteln. Es handelt sich also bei dem Kattenvennes Kamp und dem Kattmanns Kamp um verschiedene Flurnamen, die zwei verschiedene Flurstücke benannten!

Ein weiteres Beispiel gegen die Annahme, dem Name Kattenvenne läge mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘ zuvor, stellt der Name des Hofes Kättker in Lienen-Meckelwege dar, der in seinen älteren Belegen ebenfalls die Senkung des Stammvokals von o > a aufweist: 1621 der Kotteker, 1634 der Kottiker, 1643 Kätteker, 1673 Köttker, 1755 Köttcher, 1774 Kötcker, 1833 Köttker.[124] Dieser Name gehört auch – im Gegensatz zum Namen Kattenvenne – zu mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘. An das Wort wurde das niederdeutsche Suffix –iker angehängt, mit dem im Niederdeutschen Nomina agentis, also sogenannte ‚Täterbezeichnungen‘, gebildet wurden.[125] Zu vergleichen ist etwa der Name Gründker < *Grundiker (= derjenige, der im bzw. am Grunde, einer ‚Bodenvertiefung‘[126], wohnt). Der Köttiker, Kättker ist analog dazu also derjenige, der in einem kleinen Haus oder Kotten wohnt. Die heutige Form Kättker ergab sich ebenfalls durch Senkung des Stammvokals von o > a.[127] Der Umlaut ä / e wurde durch das i des Suffixes –iker bewirkt, weil ein i in der Nebensilbe die Angleichung des Vokals der Stammsilbe zur Folge hatte (vgl. Erde : irdisch; recht : richtig; Kraft : kräftig; Macht : mächtig; Haus : häuslich; Not : nötigen). Das umlautende Element i kann dabei zu e abgeschwächt worden oder – wie in den Fällen Kättker und Gründker – ganz weggefallen sein und ist somit nur noch an seiner Wirkung festzustellen (vgl. alt : älter; Hand : Hände [alt: hendi]).[128]

Die beiden Hofnamen Kattmann und Kättker zeigen noch im 16. und 17. Jahrhundert Wechsel des Vokals. Deshalb kann die Zerdehnung bzw. Vokalsenkung o > a als Entstehungsursache des Stammvokals a in Kattenvenne, der seit 1312 durchgängig erscheint, nicht angenommen werden. Damit ist eindeutig festzustellen, dass das Bestimmungswort katten nicht [!] auf die Pluralform von mittelniederdeutsch kot, kote ‚Kotten, Kate, einfaches Haus, Hütte‘, zurückgeführt werden kann. Die Erklärung des Namens Kattenvenne als ‚Moor, Sumpfgebiet mit Kotten, kleinen Gehöften‘ ist also sprachlich nicht möglich!

Chatten und Chattuarier?

Ebenfalls verhindert ein lautlicher Grund, der bereits oben im Zuge der Hadunueni-Frage thematisiert wurden, den Anschluss des Bestimmungswortes katten– an den Volksnamen Chatten oder Chattuarier, denn es hindert diesen der Anlaut, der bei den beiden Volksnamen immer auf germanisch h, geschrieben und gesprochen ch lautet. h und k stehen aber im Altsächsischen und Mittelniederdeutschen in phonologischer Opposition (z.B. altsächsisch hald ‚vielmehr‘ und kald ‚kalt‘).[129]

quâd ‚schlecht, böse‘?

Nicht möglich ist auch ein Anschluss an mittelniederdeutsch quâd ‚schlecht, böse‘[130], da sich der qu-Anlaut vor e und a bis ins späte Mittelniederdeutsche erhalten hat.[131] Zudem besitzt quâd einen langen Stammvokal, während das a in Kattenvenne immer kurz gewesen ist, wie die Belege mit durchgehender Dopplung des nachfolgenden Dentals zeigen.[132]

So bringt z. B. Pierre Hessmann die Katten-Namen mit mittelniederdeutsch quâd in Verbindung, obwohl er zugeben muss, dass diese Annahme lediglich auf dem Rückschluss beruht, dass die Katten-Namen oftmals an schlechten Böden haften. Folglich muss er zugeben, dass das gleichzeitige Nebeneinander von Quât– und Katten-Namen eher gegen eine generelle Herleitung der Katten-Namen aus mittelniederdeutsch quâd spreche.[133]

Griechische Händler in Kattenvenne?

Im Zusammenhang mit dem Namen Kettwig (1052 Katuuik [Abschrift], Mitte 12. Jh. Katwig[134]) hat Carsten Kühl eine völlig abwegige Erklärung versucht: Das Bestimmungswort kat– sei eine Entlehnung aus griechisch kata ‚herunter, völlig‘. Ferner seien die Grundwörter der kat-Namen durchweg Gewässernamen und die Bestimmungswörter wiesen möglicherweise auf griechische Händler in Norddeutschland![135] Griechische Händler in Kattenvenne sind aber mit Sicherheit auszuschließen!

 Kriegsgerät?

Für Kattenvenne scheidet sicherlich auch die katte als ‚Kriegsgerät‘[136] aus, da sie zum militärischen Fachvokabular gehörte, also nicht allgemein gebräuchlich war und auch semantisch in Kombination mit dem Grundwort –venn keinen Sinn ergibt.

katte = ‚cattle‘?

Abschließend ist noch eine bisher in der Literatur nicht vorgeschlagene Deutung zu diskutieren.[137] In einer Beschreibung zum Kattevennen benannten Eingang des belgischen Nationalparks Hoge Kempen finden sich folgenden Ausführungen: „De benaming Kattevennen herinnert aan het Engelse ‚cattle‘, dat vee betekent, en aan de vroegere vennen, die typerend waren voor de Kempense heidegebieden. Vroeger hoedde een herder hier de gemeenschappelijke kudde, dit wil zeggen alle schapen van het dorp.“[138] Hier wird nun also das Bestimmungswort des Namens Kattevennen mit dem englischen Wort cattle ‚Viehherde‘ in Verbindung gebracht. Obwohl das Grundwort –venn(e) auch auf Weidenutzung hinweist (s.o.), ist diese Annahme ebenfalls aus lautlichen Gründen abzulehnen. Das ist kurz auszuführen: Das englische cattle ‚Viehherde, Rinderherde‘ entwickelte sich aus mittelenglisch c(h)atel und scheint im Altenglischen noch nicht vorhanden gewesen zu sein.[139] Vielmehr gelangte der Begriff erst später, wohl über altfranzösisch c(h)atel, in die englische Sprache. Ursprünglich geht das Wort zurück auf lateinisch capitalis ‚den Kopf bzw. das Leben betreffend‘, zu lateinisch caput ‚Haupt, Kopf‘. In Bezug auf Viehherden meint der Ausdruck zunächst die Kopfzahl des Viehbestands.[140] Die Entwicklung von lateinisch capitalis zu englisch cattle zeigt aber ganz deutlich, dass das –l– durchgängig erhalten geblieben ist. Deshalb eignet sich dieses Wort nicht zur Erklärung des Namens Kattenvenne, da dieser in seinen Belegen niemals ein –l– zeigt. Zudem ließe sich das im Bestimmungswort des Namens Kattenvenne enthaltene n nicht erklären. Das Element katten– in Kattenvenne kann also nicht auf englisch cattle ‚Viehherde‘ oder verwandte Wörter zurückgeführt werden.

Fazit

Somit lassen sich alle Erklärungsversuche für die zahlreichen Katt(en)-Namen, die das Bestimmungswort auf etwas anderes als das Tier Katze zurückführen wollen, sprachlich gesichert widerlegen und zurückweisen!

Es muss auch für den Namen Kattenvenne bei einem Anschluss an altsächsisch *katta, mittelniederdeutsch katte ‚Katze‘ bleiben. Das *Kattenvenn war ein ‚Katzenmoor‘ oder ‚Katzensumpf‘.

Motivation des Namens Kattenvenne

Somit ist nun noch abschließend zu klären, was man sich denn unter einem ‚Katzenmoor‘ oder ‚Katzensumpf‘ vorzustellen hat. Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst einmal ein Blick auf das Vorkommen von Katt(en)-Namen geworfen werden.

Kater und Katze

Der Name Kattenvenn(e) hat zwei weitere genaue semantische Entsprechungen. Das Katzenbruch bei Altenessen (1416 Kattenbrouck, 1668 Kattenbroch ‚Katzensumpf‘[141], zu mittelniederdeutsch brôk ‚Sumpf‘[142]) und Kattenstroth bei Gütersloh (1198 Catinstrot ‚Katzensumpf‘, zu mittelniederdeutsch strôd ‚Sumpf, Moor‘).[143]

Ferner lassen sich für das Münsterland zahlreiche weitere Katten-Namen nachweisen (Auswahl): Kattenbom (Warendorf, Ende 14 Jh.)[144], Katteswege (Warendorf, Ende 14 Jh.)[145], Kattenpol (Reken, 1412)[146], Cattenhornon (Rheine, Ende 12. Jh.)[147], Cattenhorne (Rheine, 13 Jh.)[148], Cattenhorne (Rheine, 14 Jh.)[149], Kattenbracke (Harsewinkel, 1504, 1634)[150] und de lutteke Kattenkamp (bei Senden?, 1499/1500)[151].

Der ‚Kater‘ (altsächsisch *kâtar, mittelniederdeutsch kâter[152]) findet sich in Katerenkamp (Wellbergen, 1286)[153], Caterbeke (Katrop, Soest, 1202)[154], Katerenberge (Essen, ca. 1220)[155], Catirinberge (Wuppertal-Katernberg, um 1150)[156], Caterenbergae (südliches Münsterland, Mitte 12. Jh.)[157].

Außerdem nennt das „Register der Willkommschatzung von 1498 bis 1499 im Fürstbistum Münster“ zahlreiche Örtlichkeitsnamen, die mit katte oder kater gebildet wurden: Schulte to/van Katerenberge (Seppenrade)[158], Katerhille (Welbergen)[159], Katerkamp (Welbergen)[160], Gert de molner to Katernhorn (Rheine)[161], Kattenboem, Katteboem (Altwarendorf)[162], Kattenbrake (Harsewinkel)[163], Kattenbusch (Lippborg)[164], Kattenkamp (Ochtrup)[165], Kattenpoell (Roxel/Albachten)[166]. Später lassen sich noch Hofnamen finden, denen ältere Flurnamen zuvor liegen: 1668 Kattenpoel (Roxel, Dorfbauerschaft)[167], 1669 Kattenbeck (Emsdetten-Westum)[168], 1678 Kattenbaum (Füchtorf-Rippelbaum)[169], 1659 Kattenbrede (Milte-Hörster)[170], 1682 *Kattenbaum, erschlossen aus dem Hofnamen Kattenbäumer (Alt-Warendorf-Gröblingen)[171], 1668 Kattenstedt (Bork-Altenbork)[172], um 1800 Kattendrup (Neuahlen-Halene)[173].

Daneben gibt es in Niedersachsen zahlreiche Flurnamen, die mit dem Bestandteil Katt(en)- gebildet wurden (Auswahl): Neben einem Ziegen-Sieck[174] und Rossieken erscheint auch ein Kattensieken.[175] In einem Kattenflath (1829/30) sollen – nach Aussage der Anwohner – unerwünschte Kätzchen ersäuft worden sein. Hinzu gesellt sich ein weiterer Flurort Kattensieken (1692 Auff d. Kattensiken, 1768 Katten Sieck, 1845/47 Im Kattensiecken).[176] Für Westflandern führt Pierre Hessmann fünf Toponyme Kattebeek, vier Kattebroek, vier Kattegat, zwei Kattegracht, drei Kattenmersch, 21 Katteput, Kattepit (zu pit, put ‚Wasserbrunnen, [Wasser-]loch‘[177]) und zwei Katteberg auf.[178] Für den Kreis Rotenburg (Wümme) nennt er ferner: Kattensteert (1698 im Kattenstoert; 1694 Wische beim Kattensterte; 1692 bey dem Cattenstert; 1684 beym Katzensteert; 1587 bey den Kattenstert; zu mittelniederdeutsch stêrt ‚Schwanz‘[179]) und Kattrepel (zu mittelniederdeutsch rêpel ‚schmaler Streifen‘[180]). Nach einer Karte von 1823 handele es sich um eine schmale Gasse. Ferner weist Hessmann auf 33 westflämische Kattenstraten und auf die Appellative mittelniederdeutsch kattegat ‚enge Wasserdurchfahrt‘[181] und mittelniederdeutsch kattenpat ‚Schleichpfad‘[182] hin.[183]

Ulrich Scheuermann nennt Katzenkuhlen (1962) und 1694 im Katten Rehmell sowie vier verschiedene Flurnamen Kattenstert: 1694 der Kattenstert, 1717 an Kattenstert, 1694 beim Kattensterte, 1691 die Kattenstertswiese.[184] Ferner gibt es: Kattenbach, Kattenbeek bzw. Katzenbach, Kattensiek (bei Kohnsen), Katzbach (bei Einbeck: 1470 vp den katteßbeck; 1486 gelegen am Katzbecke; 1489 na des Katzbecke).[185]

Mechthild Wiswe führt auf: die Kattacker (1734), Kattbusch, Kattenbusch (1548 Katten Busck, 1622 Kottbusch, 1662 Koetenbusch) ferner mehrere weitere Katzenbüsche: 1652 beim Katzenbusch, 1673 beym Catzen Busche, 1686 beym Kattenbusche, 1686 beym Katzenbusche. Zu diesen stellt sich ein Katzenmeer (1746) und eine Katzenwiese (1699 Kattenwiese, 1733 beder Katzenwießen).[186] In der Nähe von Belm bei Osnabrück existiert eine Katzenhegge.[187]

Die Katze kommt aber noch in vielen weiteren Ortsnamen vor, die der einschlägigen Literatur bekannt sind und deshalb hier nicht extra aufgeführt werden sollen.[188]

Die hier gegebene Auflistung der bisher nicht oder wenig beachteten Toponyme zeigt, dass das Element Katt(en)- sowohl in Gewässernamen, Flurnamen und Siedlungsnamen anzutreffen ist, denn die Grundwörter der Katt(en)-Namen verweisen eindeutig auf die semantischen Bereiche Wasser, Bäche, Sumpf (-beke, –pol, –siek, –püt etc.), auf Erhebungen und Vertiefungen (-berg, –kuhle etc.), auf Wald und Gehölz (-busch, –baum, –brack[189], –hegge etc.), auf Ackerflächen und Wiesen (-acker, –kamp, –breede, –wiese etc.) oder sonstige Flurstücke (-horn etc.), auf Wege, Straßen, Durchgänge (-pat, –strate, –gat etc.) sowie Siedlungen (-stedt, –drup etc.).

Das Nebeneinander von Katze und Kater in den verschiedenen Örtlichkeitsnamen beweist aber, dass in den meisten Fällen die beiden Tierbezeichnungen zuvor liegen müssen.

Metaphorische Verwendung für Minderwertigkeit und Kleinheit

Nun ist sicherlich zu Recht eingewandt worden, dass Katzen, auch Wildkatzen, Luchse etc., nicht in Feuchtgebieten oder in/an Gewässern leben. Wildkatzen und Luchse bevorzugen trockene, lichte Waldgebiete, speziell Buchen und Eichenwälder mit altem Baumbestand als Lebensraum.[190] Wenn also in den zahlreichen Örtlichkeitsnamen – vor allem bei denen, die auf Wasser, Bäche oder Sumpf verweisen – nicht das Tier ‚Katze‘ selbst gemeint sein kann, so könnte man eine metaphorische Verwendung des Wortes in Betracht ziehen. Adolf Bach hat darauf hingewiesen, dass die Bezeichnungen Hund und Katze im Sinne von ‚unbedeutend, klein, geringwertig, schlecht, falsch‘ verwendet werden können.[191] Die Geringschätzung des Tieres Katze, die dann auch auf die Bezeichnung für dasselbe übertragen wurde und somit in metaphorischer Verwendung benutzt werden konnte, ist seiner Dämonisierung im Christentum geschuldet. Die Katzen wurden von der mittelalterlichen Kirche als „Vorboten alles Unchristlichen, des Satanischen, des Bösen schlechthin“ geächtet. So warf man etwa die Wörter Katze und Ketzer in einen „etymologischen“ Topf. Berthold von Regensburg stilisierte die Katzen zu „Söhnen des Teufels“, weil sie wie diese in der Finsternis sehen könnten. Der Ursprung der Vorstellung von der (schwarzen) Katze als tierisches Attribut der Hexen dürfte ebenfalls in dieser Verdammung durch die Kirche zu suchen sein.[192] Diese kirchliche Brandmarkung der Katze als böses bzw. schlechtes und geringwertiges Tier fand dann auch Eingang in die vormoderne Gedankenwelt der Menschen, die sich heute noch anhand zahlreicher Sprichwörter[193] und Wortbildungen ablesen lässt: Noch im Neuhochdeutschen finden sich die zusammengesetzten Begriffe Katzenglas, Katzengold, Katzensilber, Katzentisch und Katzenmusik, die alle die negative Konnotation des Minderwertigen, Schlechten aufweisen. Doch auch im Mittelniederdeutschen gab es bereits diese Verwendungsweise des Wortes katte ‚Katze‘: katvisch ‚Bezeichnung für minderwertige, kleine Fischarten‘[194], kattenwass ‚Daumenharz, Harz der Kirschbäume‘ (auch Katzengummi, Katzenglimmer, Katzenklar, Katzengold, Kattengold[195]), katrepel (1387) ‚Katzenschwanz‘ [?]; Bezeichnung für abgelegene, schmale Straßen und Örtlichkeiten‘, katte holden ‚gefangen sitzen, sich in Geduld üben‘, wörtlich eigentlich ‚Katze tragen‘[196], Kattengeld ‚minderwertiges Zahlungsmittel‘ (1370), kattenpat ‚Katzenweg, Schleichweg‘, kattenridder ‚derjenige, der im Kampf mit Katzen zum Ritter wird; derjenige, der zur Schau mit Tieren kämpft, Gaukler‘, kattenstede, kattenstie ‚Katzenstelle, Bank bei dem Herd in Bauernhäusern‘ (diese Bank wurde den abgehenden, auf das Altenteil ziehenden Bauern zugewiesen. Daraus entwickelte hinsichtlich des Abgangs auf das Altenteil der Ausspruch, dass die Alten in die kattenstie gewiesen werden), kattenstert ‚Katzenschwanz‘ (Zitat: he hindert mi nicht einen kattenstert ‚er hindert mich nicht im Geringsten‘).[197]

Zur Überprüfung, ob das Wort Katze/Katte in Örtlichkeitsnamen in der Bedeutung ‚unbedeutend, klein, geringwertig, schlecht, falsch‘ eingegangen sein kann, soll an dieser Stelle die Gegenprobe erfolgen. Denn wenn auch die Tierbezeichnung Hund im gleichen sprachlichen Kontext verwendet worden ist (als Appellativ entspricht hundsrose, hundsveilchen als Ausdruck für eine minderwertige Pflanze[198], ebenso hundeblome oder rüenblome[199]), dann muss sich auch das Wort Hund als Element in Örtlichkeitsnamen wiederfinden lassen. Das ist der Fall: Sicherlich jedem bekannt ist der Hunsrück, 1074 in Hundesruche ‚Hundes-Rücken‘, zu althochdeutsch rukki ‚Rücken‘ und althochdeutsch hunt ‚Hund‘.[200] Doch auch ganz in der Nähe Kattenvennes lassen sich derartige Toponyme finden: Für Ostbevern (Nachbarortschaft von Kattenvenne) ist im Jahr 1357 neben einer Vossekule ‚Fuchskuhle‘[201] ein Erbe (hus) ton Hundepole ‚zum Hundeteich‘[202] nachzuweisen.[203]

Bei Westbevern lag ein heute nicht mehr vorhandener Ort namens +Hundesarse, 11. Jh. van Hundesarse[204], zu altsächsisch ars ‚Arsch, Hintern‘ (flektiert im Dativ Singular mit lokativischer Funktion; + bedeutet Wüstung) und altsächsisch hund ‚Hund‘, flektiert im Genitiv Singular, also ‚des Hundes Arsch/Hintern‘.[205] Ein weiterer Ort findet sich im ältesten Urbar des Klosters Werden/Ruhr (um 890): in uilla [villa = Siedlung; C.S.] Hundasarsa.[206] 1296 wird eine Hundewoste in Walgern genannt.[207] Eine Flur vppen Hundebrynke ist im 14./15. Jahrhundert bei Altenessen und 1464 (over den Hundebrynckes) bei Dortmund nachzuweisen.[208]

Ferner lassen sich folgende alte Belege aus dem Münsterland anführen: Huntwic (Stadtlohn, 14. Jh.)[209], Hundebeke (bei Handorf, 1412)[210], Hundebeke (Nienberge-Schonebeck, 1384)[211], Hundebrok, Hundebroke (bei Bünde, 13. Jh.)[212], Hundebeck (Senden-Schölling, 1631)[213], Hundehegge (Beckum, 1820)[214], Hundeloh (Ochtrup-Weine, 1539)[215], Hundesbilke (Wettringen, Ende 15. Jh.).[216]

Im „Register der Willkommschatzung von 1498 bis 1499 im Fürstbistum Münster“ kommen folgende mit dem Element Hund gebildete ursprüngliche Toponyme vor: Hundebeke (Nienberge)[217], Hundekamp (Bösensell)[218], *Hundekotten, erschlossen aus Hundekotter (Nienberge)[219], Hundekule (Greven)[220], Hundelo (Ochtrup)[221], Hundepoell (Westbevern)[222], *Hundepot, wegen Hundepoter (Stadt Werne)[223], Schulte Hundesbilke (Wettringen)[224], Hundestege (Drensteinfurt)[225], Hundick < *Hunddick[226], Hundwijk (Stadtlohn)[227]. Weitere Hofnamen, die auf alte Flurnamen verweisen sind: 1679 Hundepoell (Nottuln, Bauerschaft Stever)[228], 1668, 1798 Hundkamp (Dorfbauerschaft Bösensell)[229], 1679, 1801 Hundfeld (Alstätte-Brook)[230]. In Niedersachen lassen sich weitere Flurnamen finden: 1692 Im Hundeblecken, 1857 Hundebülten (Ackerland)[231], 1692 Die Hunde Kuhlen, 1692 In dem Hundesbusch (1546 [Kopie um 1700]: in den Hundes Busche)[232], Anfang 17. Jh. Hundeloh, 1671 Hundeslohe, 1770 Hundsloh, 1838/40 Im großen Hundsloh[233], 1844/46 auf dem Hunde Berge (1754 aufn Hunde berge; 1961 auf dem Hunnenberg), 1612 bey dem Hundehope, um 1670 für den Hundhop, 1694 auff dem Hünde Kamp, 1754 der Hunde Kamp, 1841 Hundekamp, 1694 vor dem Hundesloch.[234]

Einige Male kommen Hund und Katze in Örtlichkeitsnamen auch als vermutlich aufeinander bezogenes Paar vor, was beweist, dass die Tierbezeichnungen – wenn auch im übertragenen Sinne – gemeint sind: In der Nähe von Iserlohn gab es eine Kattenpoth – eine Pfütze, in der man Katzen ertränkt haben soll, bei Hemer eine entsprechende Hundeputte.[235] Ein weiteres Beispiel ist der Ort Hunzel, der bei Lahnstein liegt: 1095/96 [?] Hundeszagel ‚Hunds-Schwanz‘, zu althochdeutsch zagel ‚Schwanz‘. Zehn Kilometer westlich von Hunzel liegt Katzenelnbogen, 1101/02 de Cazennellenboge ‚Katzen-Ellbogen‘, zu althochdeutsch ellinbogo ‚Ellbogen‘ und althochdeutsch kazza ‚Katze‘. Zwischen beiden liegt bezeichnenderweise noch ein Berg Ziegenkopf.[236] In dieser Trias ist die Benennung nach den Tieren bzw. nach der Form von Körperteilen der Tiere nicht zu bestreiten.

Weitere Motive

Pierre Hessmann führt als Benennungsmotiv für die Katt(en)-Namen[237] neben dem Vorkommen von Wild- und Hauskatze[238] auch „abergläubische“ Vorstellungen an und verweist auf die Verwurzelung der Katze im niederdeutschen „Aberglauben“, nach dem sich z.B. Hexen regelmäßig in Katzen verwandelt haben sollen. Ferner weist er darauf hin, dass Hügelgräber gelegentlich als Heksenberg, Kattenberg, Kattenbos, Duivelskuil usw. bezeichnet wurden. Hierher gehöre auch das häufige Kattekerkhof (= Katzenfriedhof).

Mechthild Wiswe weist auf eine Nähe von Katten-Fluren zu Mühlen-Standorten hin, wo sich Mäuse in großer Menge fanden, die Katzen angelockt haben könnten.[239] Dieser Hinweis führt wieder auf das verstärkte Vorkommen des Tieres am Flurort zurück.

katten– als Pflanzenbezeichnung

Neben den Tieren selbst bzw. der metaphorischen Verwendung der Tierbezeichnung könnten die Örtlichkeitsnamen mit dem Element Katt(en)- bzw. Hund(e)- auch auf nach den Tieren benannte Pflanzen zurückgehen.[240] Das Mittelniederdeutsche bietet eine Reihe solcher Pflanzenbezeichnungen: kattendruve ‚Katzentraube, Mauerpfeffer‘, kattenkervel ‚Erdrauch / fumiterra‘, kattenklawe ‚Möhre‘, kattenklôt ‚Spindelbaum, Pfaffenhütchen‘, kattenkrût ‚Katzenminze‘, kattenstert ‚Schachtelhalm‘[241] oder kattenrocken ‚Schachtelhalm‘[242].

Zum einen dürfte auch hier die Minderwertigkeit der Pflanze (kattendruve, kattenkervel etc.), zum anderen der Vergleich mit Körperteilen der Katze (kattenklawe, kattenklot, kattenstert) die ausschlaggebenden Faktoren für die Motivation der Pflanzennamen gewesen sein. Z. B. ist die ‚Katzentraube‘ eben keine „richtige“ Traube, sondern erinnert aufgrund ihrer Form oder anderer Eigenschaften an die als „echt“ angesehene Frucht. Dieser Minderwertigkeit wird durch das Bestimmungswort katze-/katte– Ausdruck verliehen. Der Schachtelhalm wird wegen seiner Form und seines Aussehens mit dem Schwanz einer Katze verglichen, wodurch sich seine Bezeichnung als kattenstert erklärt.

Außerdem wird das Wort katze zur Benennung von Pflanzen auch als Simplex verwendet: Mit Katze wird der ‚Breitwegerich‘ (Plantago maior), der ‚Schlangen- oder Wiesenknöterich‘ (Polygonum bistorta L.), das ‚Torf- oder Bleichmoos‘ (Sphagnum), als Griese Katze das ‚Gewöhnliche Katzenpfötchen‘ (Antennaria dioica) und als Schwarze Katze der ‚Große Wiesenkopf‘ (Sanguisorba officinalis) bezeichnet.[243] Dazu stellen sich ebenfalls die ‚Wollgräser‘ (Eriophorum), ‚Filzkräuter‘ (Filago) und ‚Ruhrkräuter‘ (Gnaphalium), der ‚Hasenklee‘ (Trifolium avense), die ‚Rohrkolben‘ (Typha) und die ‚Fetthennen‘ (Sedum), auch ‚Mauerpfeffer‘ genannt (s.o.). Als katte wurde im niederdeutschen Raum auch die ‚Weide‘ (Salix) bezeichnet (z.B. Püsskatte in Bassum bei Hannover).[244] Heinrich Marzell hat die verschiedenen Motive für die Benennung von Pflanzen nach Tieren zusammengestellt. Neben der Ähnlichkeit zwischen Pflanze und Tier in äußerlichen Merkmalen (Form, Farbe, Geruch, Fellbeschaffenheit) führt er Pflanzen auf, die von bestimmten Tieren öfter gefressen werden, die zum Vergiften bzw. Vertreiben von Schädlingen benutzt wurden, die als wertlos – wie auch das entsprechende Tier – angesehen wurden oder die in den Lebensräumen (Biotopen) bestimmter Tierarten verstärkt anzutreffen waren. Zudem konnte auch das gleiche jahreszeitliche Auftreten von Tier und Pflanze benennend wirken oder Pflanzen erhielten ihren Namen, weil sie als Würzkräuter für die Zubereitung von verschiedenen Tieren Verwendung fanden.[245] Für die Katze kommt vor allem der Vergleich mit dem weichen und dichten Fell bzw. mit den schmalen Gliedmaßen in Betracht.

Da unter den aufgezählten Pflanzen, die als katze/katte bezeichnet wurden, sich auch einige Sumpf- und Moorpflanzen befinden, ist die Vermutung naheliegend, dass das *Kattenvenn ursprünglich nach der dort zahlreich anzutreffenden Pflanze benannt wurde. Im Naturschutzgebiet Heckenlandschaft Kattenvenne (ST-057) existieren von den aufgeführten Pflanzenarten noch heute das ‚Sumpf-Ruhrkraut‘ (Gnaphalium uliginosum [subsp. uliginosum]), der ‚Weißklee‘ (Trifolium repens [subsp. repens]), der ‚Breitblättrige Rohrkolben‘ (Typha latifolia) und die Weidenarten ‚Asch-Weide‘ (Salix cinerea subsp. cinerea), ‚Bruch-Weide‘ (Salix fragilis) und ‚Kriech-Weide‘ (Salix repens agg.).[246]

Bestätigung erfährt diese Vermutung zudem dadurch, dass die ‚Wollgräser‘ (Eriophorum) im Osnabrücker Land in einigen Orten als Vennkatten bezeichnet werden.[247] Joseph Tiesmeyer vermutete im Jahre 1916/17 sogar, dass der Name Kattenvenne durch Umstellung der beiden Bestandteile dieser Pflanzenbezeichnung entstanden sei![248]

Ergebnis

Der ursprüngliche Flurname *Kattenvenn, aus dem sich der heutige Siedlungsname Kattenvenne entwickelt hat, geht zurück auf die Bestandteile altsächsisch *katta, mittelniederdeutsch katte ‚Katze‘ im Plural und mittelniederdeutsch venn ‚Sumpf, Moor‘. Es handelte sich also im wörtlichen Sinn um ein ‚Katzenmoor‘ bzw. einen ‚Katzensumpf‘. Für die Motivation eines solchen Flurnamens lassen sich mehrere Beweggründe finden:

1) Das Vorhandensein des Tieres an diesem Ort selbst (Katze, Wildkatze, Luchs etc.), also ‚das Moor / der Sumpf mit (Wild-)Katzen‘.

2) Die metaphorische Verwendung der Tierbezeichnung katze / katte zur Kennzeichnung des Flurortes als ‚unbedeutend, klein, geringwertig, schlecht, falsch‘. In diesem Fall wäre der Name als ‚das schlechte, geringwertige Moor / der schlechte geringwertige Sumpf‘ zu erklären.

3) Das Vorhandensein einer Pflanzenart, die im übertragenen Sinn nach dem Tier Katze benannt worden war. In diesem Fall handelte es sich also ein Sumpf-/Moorgebiet, in dem eine Pflanze namens katte in verstärktem Maße zu finden war.

Anmerkungen

[1] Christof Spannhoff, Der Ortsname Kattenvenne, in: Ders., Alles für die Katz’? Eine historische Anthologie zum Jubiläum „700 Jahre Kattenvenne“, Norderstedt 2013, S. 47–91.

[2] Kirstin Casemir u. Birgit Meineke, Zum Ortsnamen „Kattenvenne“, in: Kattenvenne. Das Dorf mit seiner Entwicklung, hrsg. v. d. Kattenvenne 1312 eG, Lengerich 2014, S. 45–54.

[3] Westfälisches Urkundenbuch. Fortsetzung v. Erhards „Regesta historiae Westfaliae“, hrsg. v. d. Vereine für Geschichte u. Altertumskunde Westfalens, 11 Bde., Münster 1847–2005, Bd. 8: Die Urkunden des Bistums Münster von 1301–1325, bearb. v. Robert Krumbholtz, Münster 1913, Nr. 741 (Abschrift 18. Jahrhundert).

[4] Telgter Urkundenbuch. Regesten zur Geschichte der Stadt Telgte und des Hauses Langen, bearb. v. Werner Frese, Münster 1987 (im Folgenden: TUB), L 22, S. 215 (Original).

[5] TUB L 43, S. 222 (Original).

[6] TUB L 57, S. 226 (Original).

[7] LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv Tatenhausen, Urkunden, Nr. 424 (Original).

[8] LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv Tatenhausen, Urkunden, Nr. 427 (Original).

[9] TUB L 144, S. 250 (Original).

[10] LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv Tatenhausen, Urkunden, Nr. 471 (Original).

[11] Geldpachtregister der Grafschaft Tecklenburg 1537, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Sammlung FOT 586, Kopie der Akte aus dem Archiv Solms-Braunfels a.d. Lahn, Nr. A48/64 (Original). Siehe auch: Quellen und Beiträge zur Orts-, Familien- und Hofesgeschichte Lienens, bearb. u. hrsg. v. Christof Spannhoff, Bd. I, Norderstedt 2007 (im Folgenden: Spannhoff, Quellen I), S. 95.

[12] Schatzungsregister (Rindergeld, Herbstschatzung und Markgeld) der Grafschaft Tecklenburg von 1543, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Sammlung FOT 585 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 100.

[13] Knechtegeldregister von 1545, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 359 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 103.

[14] Schatzregister für die Grafschaft Tecklenburg und Rheda 1575, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Landstände, Akten, Nr. 14 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 148.

[15] Accidentalia Brocke vnd Verfelle In der Graueschafft Teckelenborgh Begint vff Mey Anno (15)75 vnd endiget vff Mey Anno (15)76, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 379 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 241.

[16] Viehschatzungsregister von 1580, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Akten, Nr. 226 (Original). Siehe auch: Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, bearb. v. Wolfgang Leesch, Münster 1974 (im Folgenden: Leesch, Höferegister), S. 64.

[17] Accidentalia Brocke vnd Verfelle In der Graueschafft Tekelenborgh auff Mey Anno (15)83 anfangent vnd vff Mey Anno (15)84 endigende, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 468 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 254.

[18] Accidentalia Brocke vnd Verfelle auf Mey Anno (15)88 angehendt vnd auff Mey Anno (15)89 wieder endigende, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 466 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 270.

[19] Accidentalia Bruche vnd Verfelle auff Mey Anno (15)98 angehendt vnd aff Mey Anno (15)99 widder endigende, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 379 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 280.

[20] Ebd. Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 281f.

[21] Markenrentenregister der Grafschaft Tecklenburg um 1600, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 447 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 164.

[22] Dienstregister der Grafschaft Tecklenburg (um 1610), Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Landstände, Akten Nr. 17 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 175.

[23] TUB L 439, S. 357 (Original).

[24] Mai-, Herbst-, Marken- und Dienstgeldregister der Grafschaft Tecklenburg von 1628, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 433 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 198. Zu diesem Eintrag der Vermerk: „ANNO 1619 gesetzt und eingeschrieben“.

[25] Ebd. Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 201.

[26] Schatzregister von 1621 (Original); Leesch, Höferegister, S. 64.

[27] Einnahmen aus Schatzungen des Vogtes zu Lienen (1641), Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Landstände Nr. 18 (Original). Siehe auch: Spannhoff, Quellen I, S. 218.

[28] Ausschnitt der Karte von August Karl Holsche aus dem Jahr 1788 in: Der Lienener Rezess von 1656. Faksimile und Edition des ältesten Dokumentes im Gemeindearchiv Lienen (Kreis Steinfurt), bearb. u. hrsg. v. Christof Spannhoff, Norderstedt 2010 (im Folgenden: Spannhoff, Rezess), S. 73.

[29] Osnabrücker Urkundenbuch, 7 Bde., Osnabrück 1892–1996 (im Folgenden: OUB ), Bd. I: Die Urkunden der Jahre 772 – 1200, bearb. v. Friedrich Philippi, Osnabrück 1892.

[30] Friedrich Philippi (OUB I, Register, S. 389) verortet Kattenvenne damals (1892) noch im Kreis Warendorf, obwohl der Ort als Teil der Gemeinde Lienen bereits 1857 zum Kreis Tecklenburg kam. Letzter wurde 1975 mit dem Altkreis Steinfurt zum neuen Kreis Steinfurt vereint. Daraus ergibt sich, dass Philippi eindeutig das heutige Kattenvenne, Gemeinde Lienen, Kreis Steinfurt, meinte. Vgl.: Friedrich Ernst Hunsche, 250 Jahre Landkreis Tecklenburg 1707–1957, Lengerich 1957, S. 53–70; Hans-Joachim Behr, Der Kreis Steinfurt seit 1813, in: Der Kreis Steinfurt, hrsg. v. d. Kreis Steinfurt, Stuttgart u. Aalen 1989, S. 99–126.

[31] Friedrich Ernst Hunsche, Lienen am Teutoburger Wald. 1000 Jahre Gemarkung Lienen, hrsg. v. d. Gemeinde Lienen, Lienen 1965, S. 257.

[32] http://de.wikipedia.org/wiki/Kattenvenne (16.07.2016).

[33] Wilhelm Wilkens, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004, S. 325.

[34] Hermann Dürre, Die Ortsnamen der Traditiones Corbeienses, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde (Westfalen) 41 (1883), S. 3–128, hier S. 93f.

[35] Ernst Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen I, 3., völlig neu bearb., um 100 Jahre (1100–1200) erw. Aufl., hrsg. v. Hermann Jellinghaus, Bonn 1913, Sp. 1288; Hermann Jellinghaus, Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern, 3., verm. Ausg., Osnabrück 1923, S. 66: hier in der missverständlichen Formulierung: „Andervenne, Kreis Lingen: Anderveni 1000; daneben Hadunveni, wüst 9. Jh.“.

[36] Adolf Bach, Deutsche Namenkunde, 4 Halbbde., Heidelberg 1952–1956, Bd. II, 1 § 309.

[37] Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey, hrsg. v. Klemens Honselmann, Teil 1, Paderborn 1982, S. 123, § 238.

[38] Leopold Schütte, Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey, Teil 2: Indices und andere Hilfsmittel, Paderborn 1992, S. 205f., T 238: Schütte kommentiert diesen Eintrag, dass es bisher keine überzeugende Lokalisierung des Ortes Hadunueni gebe, weil der Ortsname offenbar verderbt sei. Außer der Personennamenverteilung, die aber auf eine Lage im Bistum Paderborn oder in der Gegend von Höxter oder Marsberg hindeute, fänden sich zudem keine brauchbaren Anhaltspunkte. Lautlich stünde der überlieferten Namenform am nächsten der Name Anderveni (= Andervenne, nö. Freren im Emsland). Doch möchte Schütte von dieser Identifizierung absehen, weil im Emsland Corveyer Besitz zu dieser Zeit vollständig fehlt. Auch Kattenvenne eigne sich aus dem gleichen Grund nicht zur Lokalisierung von Hadunueni, weil in der Umgebung kein Corveyer Besitz nachzuweisen sei.

[39] Bei den Formen mit Catten– mit c handelt es sich lediglich um eine graphische Variante des Lautes k.

[40] Christof Spannhoff, „Kattenvenne“ ist nicht „Katenhorst“. Lesefehler gefährdete fast das 700jährige Namensjubiläum, in: Unser Kreis 2012. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 25 (2011), S. 83–86.

[41] Jürgen Udolph, Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin u.a. 1994, S. 785.

[42] Hermann Jellinghaus, Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern, Kiel u. Leipzig 1896, S. 34.

[43] Förstemann, Ortsnamen I, Sp. 1656.

[44] Ernst Förstemann, Altdeutsche Personennamen. Ergänzungsband, verfasst v. Henning Kaufmann, München 1968 (im Folgenden: Kaufmann, Ergänzungsband), S. 80.

[45] mit einem * (Asterisk) werden nicht schriftlich belegte, sondern erschlossene Namen oder Wörter gekennzeichnet.

[46] Henning Kaufmann, Die Namen der rheinischen Städte, München 1973, S. 26.

[47] Henning Kaufmann, Untersuchungen zu altdeutschen Rufnamen, München 1965, S. 209.

[48] Georg Niemeier, Die Ortsnamen des Münsterlandes. Ein kulturgeographischer Beitrag zur Methodik der Ortsnamenforschung, Münster 1953, S. 32.

[49] Adolph Tibus, Gründungsgeschichte der Stifter, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereiche des alten Bisthums Münster mit Ausschluß des ehemaligen friesischen Theils, Teil 1, Heft 1, Münster 1867, S. 254.

[50] Justus Möser’s sämmtliche Werke, neu geordnet u. aus d. Nachlasse desselben gemehrt durch Bernhard Rudolf Abeken, Bd. 8: Osnabrückische Geschichte, Bd. 4: Urkunden, Berlin 1843, S. 94f.

[51] OUB I, Nr. 325 (Original).

[52] Gert Schumann, Geschichte der Stadt Lengerich, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Stadtwerdung 1727, Lengerich 1981, S. 68.

[53] Tibus, Gründungsgeschichte, S. 254, Anm. 595.

[54] Friedrich Saatkamp, Ladbergen. Aus Geschichte und Gegenwart des 1000jährigen westfälischen Dorfes, Ladbergen 1975, S. 98–103.

[55] Vgl. die methodischen Ausführungen bei: Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Lüdenscheid. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Lüdenscheid 2004, S. 3–17.

[56] Nicht schriftlich belegte, aber notwendig erschlossene Wörter werden mit einem * (Asterisk) gekennzeichnet. Das Zeichen ^ über einem Vokal bezeichnet dessen Länge. Namen werden generell, auch gegen die schriftliche Überlieferung groß geschrieben, die den Namen zuvor liegenden Wörter der älteren Sprachstufen des Hoch- und Niederdeutschen, nicht aber die rezenten Formen, hingegen stets kursiv und klein. Die Wortinhalte werden in einfachen Anführungszeichen gegeben. ° bezeichnet eine nicht mögliche Form.

[57] Vgl. dazu auch: Derks, Lüdenscheid, S. 9.

[58] So unterscheidet z.B. das Bestimmungswort Haus in der Zusammensetzung Haustür die Haus-Tür von der Garagen– oder FlurTür.

[59] Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearb. v. Elmar Seebold, 24. durchges. u. erw. Aufl., Berlin u.a. 2002, S 285f.; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, hrsg. v. Wolfgang Pfeiffer, 3. Aufl., Berlin 1997, S. 336; Dietrich Hofmann, Zur Entwicklung von germ[anisch] *fanja ‚Sumpf, Moor’ im niederdeutsch-niederländisch-friesischen Nordwesten, in: Niederdeutsches Wort 10 (1970), S. 95–108. – Nachdruck in: Dietrich Hofmann, Gesammelte Schriften, 2 Bde., Hamburg 1988–1989, hier Bd. II, S. 228–241; Jost Trier, Lehm. Etymologien zum Fachwerk, Marburg 1951, S. 27–28; Udolph, Studien, S. 300–317.

[60] Kleinere altsächsische sprachdenkmäler mit anmerkungen und glossar, hrsg. v. Elis Wadstein, Norden u. Leipzig 1899, S. 59, 32b; S. 99, 3–4b. Datierung nach Steffen Krogh, Stellung, Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, Göttingen 1996, S. 128f. Zur Bedeutung von mittelniederdeutsch torf, turf: Karl Schiller u. August Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875–1881, Bd. IV, S. 583f.

[61] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. V, S. 234 (mit zahlreichen Belegen).

[62] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 434.

[63] Vgl. Jacob u. Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, 33 Bde., 2. Aufl., München 1984, Bd. XI, S. 280–291; Maximilian T. E. Seitz, Die Katze in der Sprache. Studien zur Etymologie, Semasiologie, Onomasiologie und Parömiologie, München 1976, S. 50–99.

[64] Seitz, Katze, S. 68.

[65] Vgl. die Zusammenstellung bei: Udolph, Studien, S. 300–317.

[66] Jürgen Udolph, Tiere in niedersächsischen Ortsnamen, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 76 (2004), S. 27–46.

[67] Leopold Schütte, Wik. Eine Siedlungsbezeichnung in historischen und sprachlichen Bezügen, Köln u. Wien 1976, Anhang, jeweils mit den Altformen; Paul Derks, Zu den Namen Kettwig und Montebruch, in: Mit Sprache über Sprache als Sprache sprechen. Karl-Dieter Bünting zum 60. Geburtstag, hrsg. v. Rupprecht S. Baur u.a., Essen 1999, S. 189–206; jetzt auch: ders., Kettwig und Katernberg: ein verkanntes Essener Namenpaar. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen mit einem Ausblick auf Laupendahl und die Burgen Landsberg und Hugenpoet, Essen 2017.

[68] Kaufmann, Namen der rheinischen Städte, S. 25–27; Kaufmann, Ergänzungsband, S. 79f.; Förstemann, Ortsnamen I, Sp. 1654ff.; Ernst Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 1: Personennamen, 2., völlig umgearb. Aufl., Sp. 360ff.; Wilhelm Schlaug, Die altsächsischen Personennamen vor dem Jahre 1000, Lund 1962, S. 68; Wilhelm Schlaug, Studien zu den altsächsischen Personennamen des 11. und 12. Jahrhunderts, Lund 1955, S. 79.

[69] Freckenhorster Heberegister . Abgedruckt in: Wadstein, sprachdenkmäler, S. 24–45, hier S. 38.

[70] Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Essen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Essen 1985, S. 127.

[71] Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Sprockhövel. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Bochum 2010, S. 55–61.

[72] Udolph, Studien, S. 300–317.

[73] Paul Derks, Frühe Ortsnamen an Niers und Kendel. Versuch eines Überblicks, in: Weeze und der Raum an Niers und Kendel im Mittelalter, hrsg. v. d. Gemeindeverwaltung Weeze, Weeze 2008, S. 201–207, hier S. 201.

[74] So etwa: Wilkens, Lienen, 2004, bei seinen sämtlichen Namenerklärungen, hier z. B. S. 153 (passim).

[75] Westfälische Nachrichten, Tecklenburger Landbote vom 27.12.2011.

[76] Kluge, Wörterbuch, S. 285f.

[77] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 17.

[78] Kluge, Wörterbuch, S. 332f.

[79] An dieser Stelle sei angemerkt, dass diese Aussage für das Grundwort –venn nicht zutrifft, wie oben dargelegt wurde. Das auslautende e im Element des Namens –venne ist in diesem Fall Zeichen des Dativs Singular und keine Pluralform!

[80] Wilkens, Lienen, S. 325.

[81] Ebd., S. 406.

[82] Hans Bahlow, Deutschlands geographische Namenwelt. Etymologisches Lexikon der Fluss- u. Ortsnamen alteuropäischer Herkunft, Frankfurt a. M 1985, S. 253f. u. 261. Zur Methodik und Arbeitsweise Bahlows und damit auch Wilkens‘, die in krassem Widerspruch zur wissenschaftlichen Namenforschung steht vgl. die Rezensionen: Rudolf Schützeichel, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 101 (1965), S. 343; Pierre Hessmann, in: Deutsche Literaturzeitung für Kritik der internationalen Wissenschaft 87 (1966), S. 595–597; Heinrich Wesche, in: Niederdeutsches Jahrbuch 89 (1966), S. 184–191; Wolfgang Kleiber, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, Jg. 118, Bd. 203 (1967), S. 285–286; Joachim Hartig, in: Anzeiger für deutsches Altertum 79 (1968), S. 49–54; Lutz Reichardt, Nachfolger Hans Bahlows, in: Beiträge zur Namenforschung, N.F. 31 (1996), S. 398–406.

[83] Derks, Essen, S. 189.

[84] Ebd., S. 189.

[85] Robert Jahn, Der Ortsname Kettwig. Ein kleines Colloquium zur Sprachgeschichte, in: Das Münster am Hellweg 7 (1954), S. 120–123. Vgl. dazu auch: Derks, Kettwig, S. 191.

[86] Derks, Kettwig, S. 191.

[87] Ebd.

[88] Ebd., S. 191f.

[89] Zur Zerdehnung o > a vgl. Agathe Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, 2., unveränd. Aufl., Tübingen 1974, §§ 39–41, besonders §§ 88–91. Ferner: Agathe Lasch, „Tonlange“ Vocale im Mittelniederdeutschen, in: Dies., Ausgewählte Schriften zur niederdeutschen Philologie, hrsg. v. Robert Peters u. Timothy Sodmann, Neumünster 1979, S. 262–280; Agathe Lasch, Die mittelniederdeutsche Zerdehnung, in: Dies., Ausgewählte Schriften zur niederdeutschen Philologie, hrsg. v. Robert Peters u. Timothy Sodmann, Neumünster 1979, S. 281–307.

[90] Derks, Kettwig, S. 192.

[91] Vgl. zur Etymologie des Wortes Katze die umfassende Übersicht bei: Seitz, Katze, S. 111–189.

[92] Wilhelm Kaspers, Die Waffenbezeichnung cateia, in: Kuhns Zeitschrift. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 67 (1944), S. 218f.

[93] Derks, Kettwig, S. 190, Anm. 18.

[94] Leo Weisgerber, Vergil Aen. VII 741 und die Frühgeschichte des Namens Deutsch, in: Rheinisches Museum für Philologie. Neue Folge 86 (1937), S. 97–126; Ders., Vergil Aen. VII 741 und die Frühgeschichte des Namens Deutsch, in: Ders., Deutsch als Volksname. Ursprung und Bedeutung, Stuttgart 1953, S. 11–39.

[95] Vgl. dazu: Hans Jeske, Der Name Katzenelnbogen, in: Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge, Bd. 24 (1989), S. 332–347, hier S. 339f. Zur Zurückweisung von Jeskes Ansatz althochdeutsch kazza = lateinisch murex = Stachelschnecke, Purpurschnecke = (im übertragene Sinn) spitzer oder roter Felsen = kazza aufgrund eines einzelnen, wohl verschriebenen Glossenbelegs vgl. Derks, Lüdenscheid, S. 219, Anm. 1821.

[96] Wilhelm Kaspers, Der Name Kettwig, Katwijk; Kat(t)-, Katz- in Ortsnamen; der Tiername ,Katze‘. (Mit neun Skizzen.), in: Zeitschrift für Namenforschung 13 (1937), S. 213–225.

[97] Birgit Meineke, Die Ortsnamen des Kreises Herford, Bielefeld 2011, S. 167 u. S. 219.

[98] Derks, Lüdenscheid, S. 175.

[99] Ebd., S. 51.

[100] Christoph Grünewald, Von Steinbeilen und Hügelgräbern, in: Kattenvenne. Das Dorf mit seiner Entwicklung, hrsg. v. d. Kattenvenne 1312 eG, Lengerich 2014, S. 14–21.

[101] Es ist auffällig, dass häufig die Tendenz in den Niedersächsischen und Westfälischen Ortsnamenbüchern festzustellen ist, die topographischen Gegebenheiten in die sprachliche Analyse mit einfließen zu lassen. Vgl. dazu: Christof Spannhoff, Rheine. Überlegungen zum Ortsnamen, in: Rheine – gestern – heute – morgen 72 (2014), S. 124–139, hier S. 131 Anm. 132.

[102] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 550.

[103] Derks, Essen, S. 180.

[104] Leesch, Höferegister, S. 106f., S. 109–111.

[105] Ebd., S. 105 u. S. 127.

[106] Gleiches gilt für die Form Kahten, die sich 1672 bei Gerhard Arnold Rump in seiner Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg für die ‚Kotten‘ findet. Doch legt bereits die Schreibung mit h nach dem Vokal nahe, dass es sich um einen langen Vokal handelt. Hier ist also ebenfalls Zerdehnung des kurzen o > gelängtem a in offener Tonsilbe eingetreten. Gerhard Arnold Rump, Des Heil. Röm. Reichs uhralte hochlöbliche Graffschafft Tekelenburg. Mit einem Nachwort hrsg. v. Christof Spannhoff, 3. Nachdruck der Ausgabe Bremen 1672, Tecklenburg 2012, S. 40. Der Tecklenburger Chronist Moritz Meier hingegen verwendet die Form Köhtter. Die „Kurtze Beschreibung der Uhralten Grafschaft Tecklenburg und der Herschaft Rheda“ des Moritz Meier (um 1685), hrsg. v. Christof Spannhoff, Norderstedt 2008, S. 47.

[107] Lasch, Grammatik, § 88.

[108] Ebd.

[109] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Urkunden, Nr. 316 (1482 März 11, Original).

[110] Leesch, Höferegister, S. 92.

[111] Ebd., S. 92.

[112] Ebd., S. 58.

[113] Ebd., S. 58f., S. 121 u. S. 141.

[114] Derks, Sprockhövel, S. 89.

[115] Kluge, Wörterbuch, S. 477.

[116] Lasch, Grammatik, § 20 u. § 233, 4b.

[117] Vgl. dazu: TUB L 22, S. 215, Anm. des Bearbeiters Werner Frese zu dem in dieser Urkunde genannten Kattenvennes Kamp: „jetzt Kattmanns Kamp“. Ferner: Rolf Kötterheinrich, in: Westfälische Nachrichten, Tecklenburger Landbote vom 27.12.2011.

[118] TUB L 203, S. 267.

[119] TUB L 262, S. 288.

[120] TUB L 439, S. 357.

[121] Karte von August Karl Holsche 1788. Ausschnitt abgedruckt bei: Spannhoff, Rezess, S. 73.

[122] Leesch, Höferegister, S. 28, S. 30, S. 31, S. 105, S. 136, S. 165, S. 226, S. 282.

[123] Vgl. mundartlich: Schmiemanns > Schmiemes; Grundmanns > Grundmes etc.

[124] Leesch, Höferegister, S. 64f., S. 124, S. 142, S. 203, S. 255, S. 308.

[125] Kluge, Wörterbuch, S. XXI u. S. 142; Wilhelm Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium, erarb. u.d. Leitung v. Helmut Langner u. Norbert Richard Wolf, 9. verb. Aufl., Stuttgart 2004, S. 27f.

[126] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 158.

[127] Lasch, Grammatik, § 88.

[128] Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck in Westfalen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Gladbeck 2009, S. 202.

[129] Derks, Essen, S. 190; Johan Hendrik Gallée, Altsächsische Grammatik, 3. Aufl.: mit Berichtigungen u. Literatur-Nachträgen v. Heinrich Tiefenbach, Tübingen 1993, S. 310 u. 318 (Wortregister).

[130] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. III, S. 398.

[131] Vgl. mit Belegen: Derks, Essen, S. 43.

[132] Lasch, Grammatik, § 20 u. § 233, 4b.

[133] Pierre Hessmann, Die Flurnamen des nördlichen und östlichen Kreises Rotenburg (Wümme), Rotenburg (Wümme) 1972, S. 269.

[134] Derks, Essen, S. 189.

[135] Carsten Kühl, Kattsund, Kattbek, Kattrepel, Kattwiek, in: Die Heimat (Neumünster) 63 (1956), S. 225–226.

[136] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 434f.; weitere Nachweise bei: Derks, Kettwig, S. 192f.

[137] Den Hinweis verdanke ich Frau Helga Johann auf der Heide, Lienen-Kattenvenne.

[138] https://www.genk.be/Leefomgeving/Leefmilieu/Natuur/Genkse_natuurgebieden:5356/Nationaal_Park_Hoge_Kempen_Toegangspoort_Kattevennen; 16.07.2016.

[139] Zumindest findet sich kein Eintrag in: Ferdinand Holthausen, Altenglisches etymologisches Wörterbuch, 3. Aufl., Heidelberg 1974.

[140] Eduard Müller, Etymologisches Wörterbuch der englischen Sprache, 2 Bde., 2. verm. u. verb. Aufl., Cöthen 1878–1879, Bd. 1: A–K, Cöthen 1878, S. 199; Walter W. Skeat, A concise etymological dictionary of the English language, Oxford 1882, S. 97; Michael Martin Arnold Schröer, Englisches Handwörterbuch. In genetischer Darstellung auf Grund der Etymologien und Bedeutungsentwicklungen, mit phonetischer Aussprachbezeichnung unter Berücksichtigung der amerikanischen und der Eigennamen, mitbearbeitet u. hrsg. v. Paul R. Jaeger, 3 Bde., Heidelberg 1937–1970, Bd. 1: A–Induction, Heidelberg 1937, S. 232.

[141] Paul Derks, Der Ortsname Essen. Nachtrag zu „Die Siedlungsnamen der Stadt Essen“, in: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 103 (1989/90), S. 27–51, hier S. 36.

[142] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. I, S. 427f.

[143] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. IV, S. 441; Paul Derks, Im Lande Keldaggouue. Beiträge zur niederfränkischen Siedlungsnamen-Forschung im Umkreis der Stadt Meerbusch, Meerbusch 1999, S. 53–67.

[144] Die Heberegister des Klosters Freckenhorst nebst Stiftungsurkunde, Pfründeordnung und Hofrecht, hrsg. v. Ernst Friedlaender, Münster 1872, S. 161 (im Folgenden: CTW I), S. 161.

[145] Ebd., S. 155.

[146] Die ältesten Verzeichnisse der Einkünfte des Münsterschen Domkapitels, bearb. v. Franz Darpe, Münster 1886 (im Folgenden: CTW II), S. 205, S. 237.

[147] Einkünfte- und Lehns-Register der Fürstabtei Herford sowie Heberollen des Stifts auf dem Berge bei Herford, bearb. v. Franz Darpe, Münster 1892 (im Folgenden: CTW IV), S. 40.

[148] Ebd., S. 81.

[149] CTW II, S. 73.

[150] Verzeichnis der Güter, Einkünfte und Einnahmen des Ägidii-Klosters, der Kapitel an St. Ludgeri und Martini sowie der Georgskommende in Münster, ferner der Klöster Vinnenberg, Marienfeld und Liesborn, bearb. v. Franz Darpe, Münster 1900 (im Folgenden: CTW V), S. 232 u. S. 278f.

[151] Ebd., S. 111.

[152] mit den Nachweisen: Derks, Essen, S. 83f.

[153] Güter- u. Einkünfte-Verzeichnisse der Stifter Langenhorst, Metelen, Borghorst, sowie der Klöster Gross- und Klein-Burlo, bearb. v. Franz Darpe, Münster 1914 (im Folgenden: CTW VII), S. 7.

[154] Michael Flöer u. Claudia Maria Korsmeier, Die Ortsnamen des Kreises Soest, Bielefeld 2009, S. 274f.

[155] Derks, Essen, S. 83.

[156] Ebd., S. 83.

[157] Ebd., S. 83.

[158] Die Register der Willkommschatzung von 1498 bis 1499 im Fürstbistum Münster, 2 Bde., Münster 1976–2001, Bd. 1: Die Quellen, bearb. v. Joachim Hartig, Münster 1976, S. 185f.

[159] Ebd., S. 320.

[160] Ebd., S. 320f.

[161] Ebd., S. 498.

[162] Ebd., S. 118.

[163] Ebd., S. 105.

[164] Ebd., S. 150.

[165] Ebd., S. 315.

[166] Ebd., S. 92f.

[167] Bernhard Feldmann, Die Höfe des Münsterlandes und ihre grundherrlichen Verhältnisse, Münster 1995, S. 439.

[168] Ebd., S. 218.

[169] Ebd., S. 266.

[170] Ebd., S. 276.

[171] Ebd., S. 280.

[172] Ebd., S. 331.

[173] Ebd., S. 374.

[174] Bernd-Ulrich Kettner, Das Namengrundwort siek in Südniedersachsen, in: Niederdeutsches Wort 11 (1971), S. 37–44, hier S. 40, nach: D. E. Baring, Descriptio Salae principatus Calenbergici locorumque adiacentium oder Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein des Braunschweig-Lüneb. Fürstenthums Calenberg und aller in dieselbe fließenden Quellen und Bäche, Lemgo 1744, Bd. I, S. 195: „Da nun in hiesiger Gegend sich noch ein Ziegen-Sieck befindet, worauf man sich kaum im Julio erst wagen darf, wenn man nicht versinken will“.

[175] Pierre Hessmann, Gewässernamen im Flussgebiet der oberen Wümme, in: Name und Geschichte. Henning Kaufmann zum 80. Geburtstag, hrsg. v. Friedhelm Debus u. Karl Puchner, München 1978, S. 195–202, hier S. 201.

[176] Hessmann, Flurnamen, S. 269.

[177] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. III, S. 392.

[178] Hessmann, Flurnamen, S. 270.

[179] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. IV, S. 391f.

[180] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 434

[181] Hessmann, Flurnamen, S. 270.

[182] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 435.

[183] Hessmann, Flurnamen, S. 270.

[184] Ulrich Scheuermann, Die Flurnamen des westlichen und südlichen Kreises Rotenburg (Wümme), Rotenburg 1971, S. 144.

[185] Bernd-Ulrich Kettner, Flußnamen im Stromgebiet der oberen und mittleren Leine, Rinteln 1972, S. 142.

[186] Mechthild Wiswe, Die Flurnamen des Salzgittergebietes. Anhang: die Ortsnamen des Salzgittergebietes, Braunschweig 1970, S. 212f.

[187] Jürgen Udolph, Flur-, Orts- und Gewässernamen im Norden der Gemeinde Belm, in: Osnabrücker Mitteilungen 104 (1999), S. 57–89, hier S. 69f.

[188] Förstemann, Ortsnamen I, Sp. 1656; Wolfgang Laur, Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2., völlig veränd. u. erw. Aufl., Neumünster 1992, S. 379 (zum Ortsnamen Kattrepel, Kreis Dithmarschen); Heinrich Tiefenbach, Art. Katze, § 1: Sprachliches, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 16 (2000), S. 331–333; Herbert Blume, Braunschweiger Straßennamen: Hutfiltern, Kattreppeln und Abelnkarre, in: Braunschweigische Heimat 80 (1994), S. 99–111, hier S. 104; Heinrich Dittmaier, Siedlungsnamen und Siedlungsgeschichte des Bergischen Landes, Neustadt a.d. Aisch 1956, S. 109; Maurits Gysseling, Toponymisch Woordenboek van België, Nederland, Luxemburg, Noord-Frankrijk en West-Duitsland (vóór 1226), 2 Teile, Tongeren 1960, Teil I, S. 561; Derks, Essen, S. 18–194; Flöer/Korsmeier, Soest, S. 274f.

[189] Vgl. dazu: Derks, Lüdenscheid, S. 89–107.

[190] Hans Reichstein, Art. Luchs, §2: Zoologisch-Archäologisches, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 19 (2001), S. 2–3.

[191] Bach, Deutsche Namenkunde II, § 325, 8. Katze und Hund als Bezeichnungen für minderwertiges Gelände. Ebenfalls Otto Thielemann, Sind unsere Kattenberge Katzenberge? Ein sprachlicher Exkurs, in: Goslarer Bergkalender 313 (1963), S. 37–39 hinsichtlich der Harzer Katzensteine und Katzenberge.

[192] Seitz, Katze, S. 40–42.

[193] Vgl. dazu: Seitz, Katze, S. 282–289.

[194] Agathe Lasch u. Conrad Borchling, Mittelniederdeutsches Handwörterbuch, fortgeführt v. Gerhard Cordes, 3 Bde., Neumünster u.a. 1959–2004, Bd. II, S. 527.

[195] Friedrich Woeste, Beiträge aus dem Niederdeutschen, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 9 (1878), S. 219–227, hier S. 223.

[196] Möglicherweise ein Pendant zur mittelalterlichen Strafe des Hundetragens? Vgl. dazu: Bernd Schwenk, Das Hundetragen. Ein Rechtsbrauch im Mittelalter, in: Historisches Jahrbuch 110 (1990), S. 289–308.

[197] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 434–436.

[198] Scheuermann, Flurnamen, S. 132f.

[199] Joseph Tiesmeyer, Die Pflanzen im Volksmunde des Osnabrücker Landes I, in: 45. Jahresbericht des Westfälischen Provinzial-Vereins für Wissenschaft und Kunst (1916/17), S. 53–67, hier S. 61.

[200] Derks, Lüdenscheid, S. 218.

[201] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. V, S. 513; II, S. 592.

[202] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 334; III, S. 359.

[203] TUB L 43, S. 222f.

[204] CTW I, S. 52.

[205] Korsmeier, Ortsnamen Münster, S. 218f.: Dass ein Personenname im Bestimmungswort enthalten sein könnte, ist zwar theoretisch möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, weil die Benennung einer Siedlerstelle nach einer Person mit Hilfe des Grundwortes ars ‚Hintern, Arsch‘ doch sehr ungewöhnlich wäre. Die Motivierung geht wohl von der gewölbten Geländeform aus, die mit dem Hintern eines Hundes verglichen wurde. Dieser Vergleich beinhaltet aber gleichzeitig auch eine negative, abwertende Kennzeichnung des Ortes.

[206] Ebd.

[207] Ebd.

[208] Derks, Gladbeck, S. 169.

[209] CTW II, S. 91.

[210] CTW II, S. 214.

[211] Die Heberegister des Klosters Überwasser und des Stiftes St. Mauritz, bearb. v. Franz Darpe, Münster 1888 (im Folgenden: CTW III), S. 37.

[212] CTW IV, S. 71, 65.

[213] CTW V, S. 34.

[214] CTW V, S. 299.

[215] CTW VII, S. 59.

[216] CTW VII, S. 28.

[217] Register der Willkommschatzung, S. 89.

[218] Ebd., S. 94.

[219] Ebd., S. 90.

[220] Ebd., S. 79.

[221] Ebd., S. 311, 313, 315.

[222] Ebd., S. 68.

[223] Ebd., S. 163.

[224] Ebd., S. 319.

[225] Ebd., S. 33, 35.

[226] Ebd., S. 375, 379.

[227] Ebd., S. 375.

[228] Feldmann, Höfe, S. 184.

[229] Ebd., S. 394.

[230] Ebd., S. 23.

[231] Hessmann, Flurnamen, S. 251: Hessmann vermutet, dass das Bestimmungswort hier als „Schimpfwort“ zur Kennzeichnung von Minderwertigkeit zu deuten sei, weil ein Feld, Acker mit Bülten [mit Unebenheiten] dem Bauern Ärger bereitete.

[232] Ebd.

[233] Ebd., S. 194.

[234] Scheuermann, Flurnamen, S. 132f.

[235] Friedrich Woeste, Iserlohn und Umgegend. Beiträge zur Ortsnamendeutung, Ortsgeschichte und Sagenkunde, Iserlohn 1871, S. 10.

[236] Derks, Lüdenscheid, S. 219, Anm. 1820.

[237] Hessmann, Flurnamen, S. 269.

[238] Ebenso: Paul Alpers u. Friedrich Barenscheer, Celler Flurnamenbuch. Die Flurnamen der Stadt und des Landkreises Celle 1952, S. 112; Edward Schröder, Bachnamen und Siedlungsnamen in ihrem Verhältnis zueinander, in: Nachrichten von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-hist. Klasse, Neue Folge, Fachgruppe IV, Bd. 3 (1940–41), S. 1–15, hier S. 6f. Schröder verweist auf den Luchs, der als Wildkatze angesehen wurde.

[239] Wiswe, Flurnamen, S. 214.

[240] Zur Semasiologie des Wortes katze im Allgemeinen vgl. Seitz, Katze, S. 100–110, zur Verwendung des Wortes in der Botanik ebd., S. 104.

[241] Schiller/Lübben, Wörterbuch, Bd. II, S. 434f.

[242] Tiesmeyer, Pflanzen, S. 66.

[243] Heinrich Marzell, Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, 5 Bde., Stuttgart 1943–1979, Bd. 5: Register, Sp. 265–268.

[244] Heinrich Marzell, Die Tiere in deutschen Pflanzennamen. Ein botanischer Beitrag  zum deutschen Sprachschatze, Heidelberg 1913, S. 219.

[245] Ebd.

[246] http://www.naturschutzinformationen-

nrw.de/nsg/de/fachinfo/gebiete/gesamt/ST_057, 16.07.2016.

[247] Tiesmeyer, Pflanzen, S. 65.

[248] Ebd., S. 65.

Der Flur-, Hof- und Familienname Buddenkuhle

Flurnamen können einen spannenden Einblick in die vormoderne Landwirtschaft geben.

Von Dr. Christof Spannhoff

Durch den Bau der Bundesautobahn 1 in den 1960er-Jahren waren zur Aufschüttung der Straßentrasse große Mengen Sand erforderlich, die oftmals direkt vor Ort abgebaut wurden. Im Bereich des Streckenabschnitts in Lengerich (Kreis Steinfurt) entstand durch diese Maßnahme der Buddenkuhl-See, der heute zu einem Naherholungsgebiet mit angrenzendem Campingplatz geworden ist. Doch welchen Ursprung hat sein Name, der auch im amtlichen Straßennamen An der Buddenkuhle erscheint?

Historische Belege

Der Name geht zurück auf den gut 100 Meter östlich gelegenen Hof Buddenkuhl. In diesem Hofnamen selbst hat sich ein alter Flurname erhalten. 1580, 1621 und 1643 wird der Hof als Buddenkule, 1634, 1673, 1755 und 1774 als Buddenkuhle, 1831 schließlich als Buddenkuhl in alten Steuerregistern verzeichnet (Leesch, S. 48, 49, 118, 159). Die historischen Belege des Namens zeigen, dass es sich um eine Zusammensetzung (wie HausTür) mit dem Grundwort mittelniederdeutsch –kuhle „Grube, Vertiefung, Loch, Höhle, Mulde, künstliche Bodenvertiefung“ handelt (Schiller-Lübben II, S. 592; Mittelniederdeutsches Handwörterbuch, II, Sp. 699). Doch was verbirgt sich im Bestimmungswort budden?

Es ist anzunehmen, dass hier die Mehrzahlform von englisch bud, mittelniederdeutsch but, bud „Kalb“ vorliegt (Derks, S. 180). Der Germanist Heinrich Dittmaier führt eine Vielzahl von Ortsnamen an, in denen die Bezeichnung für das Jungrind enthalten sein könnte (Dittmaier, § 63). Somit dürfte das Vorkommen dieses Wortes in Ortsnamen als gesichert gelten.

Das Bestimmungswort budden

Der Gebrauch des Wortes ist für das Münsterland z.B. in Unterlagen des Klosters Vinnenberg, nördlich von Warendorf gelegen, nachzuweisen. Im sogenannten „Wechselbuch“ werden in einer Besitzstandsauflistung („Erbtag“) aus dem Jahr 1400 (?; Datierung unsicher) drei butte verzeichnet, die zwischen einem varn „Bullen“ (Schiller-Lübben V, S. 207) und einer sterke „junge Kuh“ (Schiller-Lübben IV, S. 390) genannt werden. In einer weiteren Besitzstandsaufnahme eines anderen landwirtschaftlichen Anwesens aus dem Jahr 1499 findet sich der Eintrag: „Item I koe [Kuh] myt enen kalve [Kalb]. I butteke(n)“. Auf einem dritten Erbtag des gleichen Jahres wird schließlich festgehalten: „eyn stercke [junge Kuh] unde eyn butt“ (Wechselbuch Vinnenberg, S. 183, 185, 188). Die Belege zeigen, dass es sich bei mittelniederdeutsch bud, but wohl um ein junges männliches Rind (im Gegensatz zu stercke) handeln muss. Durch hochdeutschen Einfluss dürfte sich daraus das Wort butz „junges Rind, Zwischenstufe zwischen Kalb u. Rind“ (Rheinisches Wörterbuch I, Sp. 1186) entwickelt haben. Somit handelte es sich bei der Buddenkuhle wahrscheinlich um eine „Kälberkuhle“.

Diese Bodenvertiefung dürfte entweder, wenn sie mit Wasser gefüllt war, dem jungen Hornvieh als Tränke (siehe für wassergefüllte kuhlen die Belege bei Schiller-Lübben II, S. 592) oder als windgeschützter, trockener Schlaf- bzw. Ruheplatz gedient haben (vgl. jägersprachlich kuhle „Schlafplatz des Wildes“). Eine semantische Parallele findet sich wohl z.B. im Wüstungsnamen + Cogrove „Kuhgrube“ bei Eschershausen (Landkreis Holzminden; Casemir-Ohainski, S. 55f.).

Zudem dürfte das Wort mittelniederdeutsch bud, but „Rind“ im Plural auch im Gewässernamen Buddenbecke „Kälberbach, Rinderbach“ in Emsdetten-Westum (zu mittelniederdeutsch bike, beke „Bach“; Schiller-Lübben I, S. 209), der sich in einem Hofstättennamen erhalten hat (1669: Buddenbecke; Feldmann, Höfe, S. 218), und in einem 1623 genannten Westerkappelner Flurnamen Buddenwysche „Kälberwiese, Rinderwiese“ vorliegen (zu mittelniederdeutsch wisch, wisk[e] „Wiese“; Schiller-Lübben V, S. 739; Flurnamenbeleg: Inventar, S. 107).

Fazit

Der Flurname Buddenkuhle – die „Kälberkuhle“ – verweist also auf vormoderne Rinderhaltung an dieser Stelle. Zudem belegt der Flurname, dass bereits in vormoderner Zeit das Rindvieh nach verschiedenen Altersstufen und Geschlecht eingeteilt und durch eigene Be-griffe unterschieden wurde und nach diesen Klassifizierungen getrennt von einander gehalten worden sein dürfte.

Quellen und Literatur

Casemir, Kirstin u. Ohainski, Uwe, Die Ortsnamen des Landkreises Holzminden, Bielefeld 2007.

Das Wechselbuch des Klosters Vinnenberg 1465–1610, hrsg. v. d. Westfälischen Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung, Warendorf 1994.

Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck in Westfalen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Gladbeck/Westf. 2009.

Dittmaier, Heinrich, Die (h)lar-Namen. Sichtung und Deutung, Köln u. Graz 1963.

Feldmann, Bernhard, Die Höfe des Münsterlandes und ihre grundherrlichen Verhältnisse, Münster 1995.

Inventar des Nachlasses des Grafen Adolf von Tecklenburg von 1623 (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Sammlung FOT, Nr. 593).

Leesch, Wolfgang (Bearb.), Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, Münster 1974.

Mittelniederdeutsches Handwörterbuch, v. Agathe Lasch und Conrad Borchling. Fortgeführt v. Gerhard Cordes, Bd. II (G–R), Neumünster 2004.

Rheinisches Wörterbuch, bearb. u. hrsg. v. Josef Müller, ab Bd. VII v. Karl Meisen, Heinrich Dittmaier u. Matthias Zender, 9 Bde., Bonn u. Berlin 1928–1971.

Schiller, Karl u. Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875–1881.

Die Bauerschaftsnamen Ringel, Hölter und Schwege

Von Dr. Christof Spannhoff

Ortsnamen erzählen Geschichte! Die Gründe und Gegebenheiten, die der Benennung eines Ortes, einer Siedlung zugrunde liegen, eröffnen nämlich oftmals, was für unsere Vorfahren einst wichtig war. Somit sind Ortsnamen wichtige Quellen der Alltags- und Mentaliätsgeschichte.

Ringel

Von elementarer Bedeutung für unsere Vorfahren war der Wald. Er lieferte Brenn-, Bau- oder Werkholz und diente der Viehweide bzw. der Stallfuttergewinnung für Pferde, Rinder und Schweine.[2] Auch im Namen der Lengericher Bauerschaft Ringel steckt die Bezeichnung für  einen Wald, wie die ältesten Beleg des Namens zeigen: Indirekt wird der Name der Lengericher Bauerschaft Ringel 1274 erstmals im Namen eines Hinricus de Ringelo erwähnt.[3] 1277 erscheint dann ein Hof (curtis) in Ringelo[4], den die Edelherren von Steinfurt dem Kloster Gravenhorst mit zwei dazugehörigen Erben (et duos mansos) verkaufen. Laut Rückvermerk der Urkunde aus späterer Zeit handelte es sich um die Erben Haßelmann und König. 1285 wird der Osnabrücker Bürger Hinrico de Ryngello genannt.[5] 1293 erscheint der Hof Ringelo.[6] 1296 wird der Hof genannt Ryngelo erwähnt.[7] 1323 heißt es wieder: curiam Ringelo.[8] 1329 wird der Schulte zu Ringelo genannt.[9] 1468 heißt es erstmals Ringel bzw. Ringell[10], 1545 ebenfalls.[11]

Ein im Freckenhorster Heberegister (um 1050) genannter Ort Hringie[12] oder Ringie[13], der immer wieder zu Ringel bei Lengerich gestellt wurde, bleibt fern.[14] Es handelt sich hier um die Bezeichnung der Gegend am Südrand der Hornheide im Kirchspiel Telgte, der sich im Hofnamen Ringemann erhalten hat.[15] Die ersten Belege zeigen, dass es sich bei dem Namen Ringel ursprünglich um eine Zusammensetzung mit dem Grundwort altsächsisch , mittelniederdeutsch ‚Busch, Baumbestand in Niederwald-Wirtschaft‘ handelt.[16] Der Bauerschaftsname war also anfänglich eine Flurbezeichnung, die dann – wie die oben angeführten Urkundenbelege zeigen – zunächst auf den in der Nähe gelegenen Hof des Klosters Gravenhorst mit dessen Hufen/Erben (1296: in curte sive domo dicta Ryngelo) und später auf die Bauerschaft überging.

Das Bestimmungswort des Namens ist allerdings schwieriger zu bestimmen. Es kommt nämlich darauf an, wie man den Namen zerlegt: 1) Ring-e-lo, 2) Ringe-lo, 3) Ringel-lo.

Im ersten Fall (Ring-e-lo) wäre der Name an mittelniederdeutsch rink, altsächsisch hring ‚Ring, Kreis‘[17] anzuschließen und bezeichnete dann die ringförmige Gestalt des Niederwaldes. Eine derartige Form könnte etwa durch Rodungstätigkeit entstanden sein. Da der lo als ‚Niederwald‘ oftmals am Rande eines Hochwaldes anzutreffen war, den Hochwald also „umringte“, konnte, wenn der Hochwald gerodet wurde, ein Niederwaldgürtel bestehen in Form eines Kreises oder Ringes bestehen bleiben.[18] Dieser Niederwald-Ring könnte dann einen Namen ‚Ring-Wald‘ motiviert haben. Das –e– wäre dann als eingeschobener Sprossvokal zur besseren Aussprache anzusehen (*Rink-lo > Ring-e-lo; vgl. die analoge Wortbildung von neuhochdeutsch Maus-e-loch oder mittelniederdeutsch ring-e-tun ‚Ringzaun‘[19]). Natürlich könnten auch von altsächsisch hrink, mittelniederdeutsch rink abgeleitete Wörter dem Namen zuvor liegen: In Frage kämen altsächsisch hringilo ‚Wasserkübel‘[20] und altsächsisch hringilla ‚Ringelblume‘, mittelniederdeutsch ringele ‚Sonnenblume‘.[21] Im ersten Fall hätte es sich dann um einen ‚Busch, Baumbestand in Niederwald-Wirtschaft‘ gehandelt, aus dem man das Material zu Herstellung von (Wasser-)Kübeln gewonnen hätte[22], im zweiten Fall um einen lichten Buschwald, in dem auch die Ringelblume – welche Pflanzenart damit auch immer damals gemeint war – wuchs.

Im zweiten Fall (Ringe-lo) wäre als Bestimmungswort mittelniederdeutsch ringe ‚gering, minderwertig, niedrig‘[23] anzusetzen, das sich in diesem Fall auf die Qualität des Niederwaldes bezogen hätte. Der Hinweis auf die Beschaffenheit eines Gehölzes in seinem Namen ist nicht selten, wie z.B. der Name Schierloh bei Glandorf, zu mittelniederdeutsch schier ‚rein, klar, hell‘[24], belegt. Bei einem Ringelo hätte es sich demnach um ein minderwertiges oder niedriges Gehölz gehandelt.

Im dritten Fall (Ringel-lo) wäre das Bestimmungswort zum mittelniederdeutschen Tätigkeitswort ringeln ’spiralig schälen‘ zu stellen. So heißt es 1561 für das Schaumburger Land, dass „wher einen fruchtbaren baum ringelte, das er sterbe […]“, bestraft werden sollte.[25] „Deßgleichen soll daß baumschellen undt baumringen in unsern welden […] verbottenn sein“, heißt es 1585 für das Braunschweiger Land.[26] Die abgeschälte Baumrinde benötigte man wegen der in ihr enthaltenen Gerbsäure hauptsächlich zur Lederherstellung. Doch schädigte das Abschälen der Rinde den Baum so sehr, dass dieser Tätigkeit stark reglementiert und eingeschränkt werden musste, wollte man nicht überall ein Baumsterben herbeiführen. Von dieser Begrenzung waren dann bestimmte Gehölze ausgenommen worden, die durchaus als *Ringello ‚Schäl-Wald‘ hätten bezeichnet werden können. Vorauszusetzen wäre dann eine ursprüngliche Form Ringello, die 1285 mit dem gleichlautenden Ryngello belegt ist. In der Folge wäre dann ein –l– durch Vereinfachung geschwunden ist.[27]

Zwischen diesen drei Erklärungen kann sprachlich nicht entschieden werden. Allerdings mutet die erste Bestimmung des Namens Ringel als ‚ringförmiger Wald‘ recht theoretisch an, während die beiden anderen Erklärungen ihren Sitz im Leben und Wirtschaften der Menschen haben, weshalb einer von ihnen wohl der Vorzug zu geben ist.

Hölter

Auch der Bauerschaftsname Hölter geht auf die Lage am Wald zurück. Die ältesten Belege des Namens sind 1149 Holte[28], 1170 Holte[29], 1468 Engelbert to Holte[30], 1494 Herman to Holte und Hinke to Holte[31], 1511 Herman to Holt[32], 1621 und 1634 Heitkamp oder Herman tho Holte[33], 1643 Holter Ort[34], 1755 Holter Bauerschaft[35] und schließlich 1774 Bauerschaft Hölter[36]. Die Belege zeigen, dass ursprünglich von altsächsisch und mittelniederdeutsch holt ‚Wald, Gehölz, Holz‘[37] auszugehen ist. Der Name erscheint in seinen ältesten Formen im Dativ Singular, so dass sich eine zuvor liegende syntagmatische Wendung Wohnplatz, Siedlung *bî/to deme Holte ‚zu/bei dem Wald‘ ergibt. Die heutige Form Hölter ist das Ergebnis einer attributiven Verwendung Holter Ort (1643) / Holter Bauerschaft (1755) unter Wegfall der Siedlungsbezeichnung Ort bzw. Bauerschaft.[38]

Das Grundwort ist also eindeutig altsächsisch holt, mittelniederdeutsch holt ‚Holz, Gehölz, Wald‘. Es handelte sich also um eine Siedlung am einem Gehölz oder Wald. Dieses Gehölz war aber kein undurchdringlicher Urwald, sondern ein Nutzwald, der fest in die vormoderne Landwirtschaft integriert war. Das zeigt die Geschichte des Wortes holt. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang vor allem das Nebeneinander der zwei Bedeutungen, denn das Wort niederdeutsch holt bzw. hochdeutsch holz bezeichnet sowohl das Material ‚Holz‘ als auch den Ort seiner natürlichen Produktion, den ‚Wald‘. Noch im Mittelniederdeutschen, das von ca. 1200 bis ca. 1600 gesprochen wurde, steht das Wort holt sowohl für den Wald selbst als auch für das Material, das aus dem Wald gewonnen wird. Die Bedeutung ‚Wald‘ hat sich heute noch in dem Wort Gehölz erhalten.[39] Das Nebeneinander der Bedeutungen ‚Holz‘ und ‚Gehölz‘ von holt ist nicht erst im Mittelniederdeutschen entstanden, sondern lässt sich bereits in älteren Sprachstufen nachweisen. So heißt es in einem in altsächsischer Sprache verfassten Essener Einkünfteverzeichnis aus dem 10. Jahrhundert: „uiar uother thiores holtes“ (lies u = v bzw. f; Übersetzung: vier Fuder trockenen Holzes). Hier ist eindeutig das Material, der Werkstoff gemeint. Am Anfang des zweiten Merseburger Zauberspruchs in althochdeutscher Sprache aus dem 9. Jahrhundert heißt es dann: „Phol ende Uuodan vuorun zi holza“ – [Die Götter] Phol und Wodan ritten/begaben sich in den Wald“. Hier ist unzweifelhaft das lebende Holz, der Wald angesprochen. Auch im Altenglischen bestand diese Differenzierung, woraus sich ergibt, dass sie den westgermanischen Völkern bereits vor der Abwanderung der Angeln und Sachsen im 5. Jahrhundert nach Britannien gemeinsam gewesen sein muss.[40]

Beide Bedeutungen des Wortes holt/holz gehen auf die Entstehung desselben im Bereich der Niederwaldwirtschaft zurück. Das Wort ist urverwandt mit griechisch kládos ‚Zweig, junger Trieb‘, wodurch sich erkennen lässt, dass nicht das isolierte Nutzholz die Grundbedeutung ist, sondern die Arbeitssituation selbst, in der lebendes in totes Holz verwandelt wird. Holz sind somit ursprünglich sowohl die lebenden Äste und Blätter des Niederwaldbaumes als auch die nach dem Abschneiden derselben gewonnenen toten Materialien (Stangen, Stöcke, Stämme etc.).[41] Erst später wird das Wort Holz zur Bezeichnung für die Gesamtheit des nutzbaren Holzbestandes.[42]

 Schwege

 Der Wald diente in vormoderner Zeit natürlich auch der Viehwirtschaft. In diesen wurden die Schweine zur Mast eingetrieben und hier wurde auch Futterlaub für das Hornvieh sowie Stallstreu gewonnen.[43] Der Wald war also auch Voraussetzung für die historische Grundlage des Bauerschaftsnamens Schwege, wenn er diesem als Wort auch nicht direkt zuvor liegt.

Der Ortsname Schwege u.ä. kommt in Norddeutschland häufiger vor. Es gibt neben dem hier betrachteten Schwege bei Glandorf (Landkreis Osnabrück) mit einem Hof Schwegmann, ein Schwege und ein Schweger Moor bei Bohmte (Landkreis Osnabrück), ein Schwege bei Dinklage (Landkreis Vechta), ein Schwagsdorf bei Fürstenau (Landkreis Osnabrück), einen Schwegerhoff bei Ostercappeln (Landkreis Osnabrück), ein Schweghaus bei Mellinghausen und eine Flur Auf dem Schwege bei Barenburg (Kreis Diepholz), ein Schwegen bei Loxstedt (Kreis Cuxhaven) und ein Schwachhausen bei Bremen, einen Schwegerhook und einen Kotten Schweichmann bei Recke und ein Swechhus to Halen (1427) bei Wersen (alle Kreis Steinfurt) sowie ein Schweicheln und einen Schwaghof bei Herford.[44]

Aufgrund der ältesten Belege lassen sich alle diese Orts-, Hof- und Flurnamen auf das althochdeutsche Wort sweiga bzw. den nicht belegten, sondern zwingend erschlossenen altsächsischen Begriff *swêga[45] zurückführen, die beide ‚Viehhof, Viehweideplatz, Rinderherde‘ bedeuten. So begegnet der Ort Schwege bei Glandorf 1334 als Uppen Swegge, 1367 thon Sweghe, das Schwege bei Bohmte 1231 als Svege, 1252, 1263 und 1319 als Sveghe, 1270 als Swege.[46]

Von der Geschichtsforschung sind vor allem im süddeutschen Raum und Österreich zum Teil systematisch eingerichtete grundherrliche Viehzucht- und Milchwirtschaftsbetriebe (lateinisch: vaccaria, curia armentaria), in Lagen in denen Ackerbau unmöglich war, festgestellt und untersucht worden: die sogenannten Schwaigen oder Schwaighöfe. Die Belege des Wortes in den oben aufgeführten norddeutschen Örtlichkeitsnamen zeigen aber, dass es diese Einrichtung auch in Norddeutschland gegeben hat. So ist im Freckenhorster Heberegister, das aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammt, folgender Eintrag zu finden: „van then suegeron en modium gerston“ – „Von den Swege-Leuten eine Müdde [Getreidemaß] Gerste“.[47] Die Bezeichnung der Orte mit dem Bestandteil Schweg(e) geht also auf mittelalterliche „Viehwirtschaftzentren“ zurück.

Doch auf welche ursprüngliche Bedeutung lässt sich das althochdeutsche Wort sweiga bzw. altsächsisch *swêga ‚Viehhof, Viehweideplatz, Rinderherde‘ zurückführen? Die etymologischen Wörterbücher der deutschen Sprache geben die Auskunft, dass die weitere Etymologie unklar sei. Doch scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, dass man das Wort über germanisch *sweigô an die indogermanische Basis *suei(k) in der Bedeutung ‚biegen, drehen‘[48] anschließen kann. sweiga / *swêga gehört somit zu den sogenannten „Zaunwörtern“, die sich in vielen Ortsnamen erhalten haben, z. B. wik, word, tun/town, ham, dorf/dorp, rike/reke, (h)lar-, hurð etc.[49]

Das Biegen als ursprüngliche Grundlage des Wortes sweiga / *swêga als Tätigkeit zur Herstellung des Zauns mit gewundenen Weidenruten führte dazu, dass das Wort zunächst auf den Zaun selbst und später auf das vom Zaun eingefriedete Gebiet überging (Metonymie). Ein vergleichbarer Prozess ist bei der Bedeutungsentwicklung des Wortes Zaun festzustellen. Während im Deutschen das sich aus germanisch *tuna ‚Zaun‘ entwickelnde Wort Zaun auch heute noch die Einfriedung selbst bezeichnet, erweiterte sich im Englischen die Bedeutung zu town ‚eingehegter Platz‘ und schließlich zur heutigen Bedeutung ‚Stadt‘. So dürfte es auch bei dem Wort sweiga / *swêga gewesen sein. Von der Tätigkeit der Zaunherstellung (indogermanisch *suei(k) = biegen) ging das Wort auf den so angefertigten Zaun über und von diesem auf den eingehegten Raum, die Viehweide. Die Viehweide war schließlich das Charakteristikum, das den Namen der Siedlung motivierte: Schwege. Somit belegt dieser Ortsname mit seinen Dubletten und Varianten, dass es auch in Norddeutschland grundherrlich angelegte Vieh- und Milchwirtschaftsbetriebe gab.

Anmerkungen

[1] Hunsche, Friedrich Ernst (Bearb.), Lienen am Teutoburger Wald. 1000 Jahre Gemarkung Lienen, hrsg. v. d. Gemeinde Lienen, Lienen 1965, S. 147-149.

[2] Forstgeschichte. Ein Grundriß für Studium und Praxis, hrsg. v. Karl Hasel u. Ekkehard Schwartz, 3. Aufl., Remagen 2006, S. 197-260.

[3] Osnabrücker Urkundenbuch (OUB), bearb. v. Friedrich Philippi u.a., 7 Bde., Osnabrück 1892-1996, Bd. III, Nr. 503. Die Person wird ferner genannt in: OUB III, Nr. 504; OUB III, Nr. 507.

[4] „nos curtem in Ringelo et duos mansos“. Original. Die Urkunden des Klosters Gravenhorst, bearb. v. Manfred Wolf, Münster 1994, Nr. 35. Rückvermerk auf der Urkunde: „item up den hoff to Ryngel, Haßelmann und Konningk. Weitere Drucke: OUB III, Nr. 595. Vgl. auch: Schneider, Heinrich, Die Ortschaften der Provinz Westfalen bis zum Jahre 1300 nach urkundlichen Zeugnissen und geschichtlichen Nachrichten, Münster 1936, S. 111. Zur „curia in Ringelo“ siehe: Hunsche, Friedrich Ernst, Rittersitze, adelige Häuser, Familien und Vasallen, Bd. 1: Der ehemaligen Grafschaft Tecklenburg, Tecklenburg 1988, S. 204-206.

[5] „Hinrico de Ryngello civis Osnaburgensis“. Abschrift des 15. Jahrhunderts. Urkunden Gravenhorst, Nr. 59. Weitere Drucke: OUB IV, Nr. 156.

[6] „curiam nostram in Ringelo in parrochia Lengherike“. Original. Urkunden Gravenhorst, Nr. 70. Weitere Drucke: OUB IV, Nr. 368.

[7] „in curte sive domo dicta Ryngelo, sita in dyocesi Osnaburgensis in parrochia Lengerike“. Original. Urkunden Gravenhorst, Nr. 73. Weitere Drucke: OUB IV, Nr. 464.

[8] Original. Urkunden Gravenhorst, Nr. 114. Rückvermerk auf der Urkunde: „van dem erve Ryngelo“.

[9] „cum villico de Ringelo“. Abschrift des 15. Jahrhunderts. Urkunden Gravenhorst, Nr. 122.

[10] Gengenbach, Werner, Lengerich. Werden und Walten 1147-1947, Lengerich 1947, S. 14.

[11] Knechtegeldregister der Grafschaft Tecklenburg, Fürstliches Archiv Rheda, Rheda Akten VI, Nr. 359. Ein Faksimiledruck nebst Transkription der Lengerich betreffenden Seiten findet sich bei: Schumann, Gert, Geschichte der Stadt Lengerich, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Stadtwerdung 1727, Lengerich 1981, S. 168-172, hier S. 168f.

[12] Die Heberegister des Klosters Freckenhorst nebst Stiftungsurkunde, Pfründeordnung und Hofrecht, hrsg. von Ernst Friedlaender, Münster 1872 (im Folgenden: CTW I), S. 50; vgl. auch: OUB I, Nr. 146, S. 128-130. Friedlaender datiert das Register auf die Zeit um 1050 (CTW I, S. 19-24). Zur neueren Datierung in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts vgl.: Hartig, Joachim, Das Freckenhorster Heberegister, in: Kirche und Stift Freckenhorst. Jubiläumsschrift zur 850. Wiederkehr des Weihetages der Stiftskirche in Freckenhorst am 4. Juni 1979, Freckenhorst 1979, S. 186-192, hier S. 191f.

[13] CTW I, S. 45.

[14] Zuletzt: Kröner, Heinrich, Die Geschichte des Schützenvereins Ringel von 1904 e.V. Bauerschaft und Schützenverein, in: Festschrift 100 Jahre Schützenverein Ringel von 1904 e.V. (1904-2004), hrsg. v. Schützenverein Ringel von 1904 e.V., Greven 2004, S. 85-91, hier S. 85f.

[15] Osthoff, Hermann, Frühe Ortsnamen im Osnabrücker Land. Corrigenda zum Osnabrücker Urkundenbuch I, in: Osnabrücker Mitteilungen 78 (1971), S. 1-54, hier S. 11; Ders., Beiträge zur Topographie älterer Heberegister und einiger Urkunden, in: Osnabrücker Mitteilungen 71 (1963), S. 1-61, hier S. 36.

[16] mit den Belegen aus dem appellativischen Wortschatz bei: Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck in Westfalen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Gladbeck in Westfalen 2009, S. 151-154; Die Siedlungsnamen der Stadt Sprockhövel. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Bochum 2010, S. 81f.

[17] Schiller, Karl u. Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875-1881, Bd. III, S. 485.

[18] Trier, Jost, Holz, Etymologien aus dem Niederwald, Münster-Köln 1952, S. 115.

[19] Schiller-Lübben III, S. 484.

[20] Tiefenbach, Heinrich, Altsächsisches Handwörterbuch. A concise Old Saxon dictionary. Berlin, New York 2010, S. 182 (mit den entsprechenden Quellennachweisen und Fundstellen).

[21] Tiefenbach, Wörterbuch, S. 182; Schiller-Lübben III, S. 484.

[22] Vgl. dazu: Spannhoff, Christof, Vom Barlo(h) zur Barlage, in: Quellen und Beiträge zur Orts-, Familien- und Hofesgeschichte Lienens, bearb. u. hrsg. v. Christof Spannhoff, Bd. 2: Streifzüge durch die Geschichte Lienens. Ein historisches Lesebuch, 2., verbesserte u. ergänzte Aufl., Norderstedt 2012, S. 70-73; Derks, Paul, Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Gemeinde Weeze am Niederrhein. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen. Mit einem Ausblick nach Geldern und Goch, Weeze 2006, S. 66.

[23] Schiller-Lübben III, S. 483

[24] Schiller-Lübben IV, S. 102

[25] Bei der Wieden, Brage; Borgemeister, Bettina, Niedersächsisches Waldwörterbuch. Eine Sammlung von Quellenbegriffen des 11. bis 19. Jahrhunderts, Melle 1993, S. 115.

[26] Ebd.

[27] Lasch, Agathe, Mittelniederdeutsche Grammatik, 2., unveränd. Aufl., Tübingen 1974, § 234.

[28] Original. OUB I, Nr. 278.

[29] Original. OUB I, Nr. 325.

[30] Saatkamp, Friedrich, Ladbergen. Aus Geschichte und Gegenwart des 1000jährigen westfälischen Dorfes, Ladbergen 1975, S. 28.

[31] Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, bearb. v. Wolfgang Leesch, Münster 1974, S. 88.

[32] Ebd., S. 88.

[33] Ebd., S. 27f.

[34] Ebd., S. 105.

[35] Ebd., S. 163.

[36] Ebd., S. 225.

[37] Schiller-Lübben II, S. 289.

[38] Vgl. dazu auch die Ortsnamen Dalmer bei Beckum (875 Dalehem > 1504 Dalem > *Dalm > *Dalmer Burscap > Dalmer) und Hörster bei Beelen (um 1336 Horst in par.[rochia] Belen > 1384 tor Horst > 1589 Hörster Bauerschaft > um 1800 Hörster). Korsmeier, Claudia Maria, Die Ortsnamen der Stadt Münster und des Kreises Warendorf, Bielefeld 2011, S. 95f. u. 217f.

[39] Schiller-Lübben II, S. 289.

[40] Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Stadt Essen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Essen 1985, S. 108.

[41] Trier, Jost, Holz, Etymologien aus dem Niederwald, Münster u. Köln 1952, S. 43-51.

[42] Derks, Essen, S. 108.

[43] Trier, Jost, Venus. Etymologien um das Futterlaub, Köln u.a. 1963.

[44] Schütte, Leopold, Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800, Münster 2007, S. 628.

[45] mit einem * werden nicht belegte, sondern erschlossene Formen gekennzeichnet.

[46] Wrede, Günther, Geschichtliches Ortsverzeichnis des ehemaligen Fürstbistums Osnabrück, 3 Bde., Hildesheim 1975-1980, Bd. II, S. 194-197.

[47] Die Heberegister des Klosters Freckenhorst nebst Stiftungsurkunde, Pfründeordnung und Hofrecht, hrsg. v. Ernst Friedlaender, Münster 1872, S. 55; Schütte, Wörter, S. 628.

[48] Pokorny, Julius, Indogermanisches etymologisches Wörterbuch, 2 Bde., Bern u.a. 1959-1969, Bd. I, S. 1041f.

[49] Derks, Lüdenscheid, S. 158f.